IT-Verantwortliche in Unternehmen mit mehreren Standorten oder Niederlassungen verbringen oft einen signifikanten Anteil ihrer Arbeitszeit damit, sich um aufwendige Konfigurations- und Management-Aufgaben zu kümmern. Im nachfolgenden Gastkommentar plädiert Ralf Becker, Geschäftsführer des Systemhauses Becom, deshalb für mehr Automation im Netzwerk-Management mittels eines softwarebasierten Netzes.

Zeitfresser Netzwerkadministration: Manuelles Provisioning kostet nicht nur Zeit, sondern erfordert zudem viel Erfahrung, um zu jeder Zeit, an jedem Standort und für jede Anwendung die benötigte Performance zu gewährleisten. Weiter verschärft hat sich diese Lage durch Veränderungen bei Applikationen und im Anwenderverhalten sowie den dadurch immer weiter wachsenden Bedarf an Netzwerkbandbreite. Der Grund dafür liegt beispielsweise in der zunehmenden Nutzung von Cloud-Anwendungen, dem Streaming von Medieninhalten oder der Verwendung von Online-Konferenz- und Collaboration-Tools durch Mitarbeiter. Den solche Anwendungen erfordern hochgradig performante, zuverlässige und gleichzeitig flexibel steuerbare Netzwerke.

Softwarebasiertes Networking

Der Schlüssel für die Lösung dieses Problems liegt in erster Linie in der Automatisierung der Netzwerksteuerung durch softwarebasiertes Networking. Derzeit müssen Administratoren Netzwerk- und Sicherheitsrichtlinien in vielen IT-Infrastrukturen vielfach noch von Hand erstellen, verwalten und bei Änderungen immer wieder aufs Neue anpassen. Dabei sind moderne SD-WAN-Lösungen (Software-Defined WAN) bereits in der Lage, unternehmensweite Netzwerkrichtlinien buchstäblich mit einigen wenigen Klicks zu definieren. Dies erleichtert zum einen dem Administrator die Arbeit, bietet zum anderen aber auch den Vorteil, dass sich die Compliance im gesamten Netzwerk wesentlicher einfacher sicherstellen lässt.

"Der Schlüssel liegt in der Automatisierung der Netzwerksteuerung", so Becom-Geschäftsführer Ralf Becker. Bild: Becom Systemhaus

„Der Schlüssel liegt in der Automatisierung der Netzwerksteuerung“, so Becom-Geschäftsführer Ralf Becker. Bild: Becom Systemhaus

Statt einzelne Geräte manuell zu konfigurieren – was in größeren und regional verteilen Umgebungen schon allein logistisch schnell zum Albtraum wird – lassen sich Ressourcen mit intelligenter SD-WAN-Technik dynamisch und automatisch verteilen. Auch bei der Überwachung und Optimierung der Performance spielt softwarebasiertes Networking klar seine Stärken aus: Die Software überwacht wichtige Parameter wie beispielsweise Paketverluste kontinuierlich. Kommt es zu Performance-Schwankungen, sorgt das System automatisch für eine dynamische Anpassung des Datenverkehrs, um die Verbindungen je nach gewünschter Priorisierung der Anwendungen so effizient wie möglich zu nutzen.

Die richtige Herangehensweise

Gesagt, getan also? Unternehmen, die softwarebasiertes Networking erfolgreich einführen möchten, sollten dabei auf die richtige Herangehensweise achten. Am Markt agieren relativ viele Hersteller und Anbieter. Dies schafft einerseits vielfältige Optionen, bringt es andererseits aber auch mit sich, dass (noch) kein übergeordneter und einheitlicher „Goldstandard“ existiert. Es gilt also, die individuell am besten passenden Partner zu finden, um die Automatisierung der Prozesse im Netzwerk langfristig erfolgreich zu gestalten. Dabei kann es hilfreich sein, sich vorab mit einigen grundlegenden Auswahlkriterien für ein softwarebasiertes Networking zu beschäftigen. Dies umfasst unter anderem folgende Fragen:

  • Wie einfach funktionieren das Management und die Analyse des Netzes? Transparenz und Übersicht sollten im Vordergrund stehen. Ein effizientes Service-Portal kann den laufenden Betrieb für Unternehmen wie auch für deren IT-Abteilungen oder externe IT-Dienstleister wesentlich erleichtern.
  • Welche Flexibilität bietet die Lösung hinsichtlich der Nutzung eigener Cloud-Infrastrukturen? Manche Anbieter betreiben ein eigenes Netzwerk und stellen dadurch eine weltweite Performance sicher, was gerade für kleinere Firmen ein Vorteil ist. Größere Unternehmen wollen sich vielfach jedoch die Option offenhalten, ein eigenes Cloud-Netzwerk einzurichten und so umfassende Kontrolle zu behalten.
  • Existiert ein Zero-Touch-Deployment, bei dem neue Geräte sich quasi „selbst installieren“, indem sie ihre Einstellungen von einer zentralen Instanz abrufen? Gerade Unternehmen mit geografisch weit verteilten Niederlassungen profitieren davon enorm und können den Aufwand für die Administration deutlich reduzieren. Denn sie können neue Geräte direkt und originalverpackt an den jeweiligen Standort schicken.
  • Handelt es sich um ein in sich geschlossenes oder ein offenes System? Die Flexibilität offener Systeme ist hier definitiv vorzuziehen. Denn bei geschlossenen Lösungen kann es beispielsweise zu Problemen bei der Kombination mit IT-Sicherheitssystemen wie Firewalls, Intrusion-Detection- und Antivirenlösungen kommen. Auch wenn manchmal anders behauptet: Kein Hersteller ist tatsächlich in der Lage, all diese Funktionen aus dem eigenen Portfolio abzudecken.
  • Unterstützt das SD-WAN auch MPLS-Netzwerke? Hier sollte man genau hinsehen, ob der Anbieter wirklich einen hybriden Ansatz im Sinne von „Augmented MPLS“ (ergänztes Multi-Protocol Label Switching, d.Red.) realisiert. Denn nur dann lassen sich MPLS und Breitband-Internet in optimaler und wirtschaftlich sinnvoller Kombination nutzen.

Vorteile durch Automatisierung

Unternehmen, die ihre IT-Infrastruktur fit für die Zukunft machen wollen, können durch die Automatisierung der Netzwerksteuerung erhebliche Vorteile erzielen. Gerade die stets optimale Bereitstellung von Netzwerkressourcen wird durch die Verlagerung vieler Prozesse in die Cloud zukünftig an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig birgt softwarebasiertes Networking das Potenzial für eine massive Entlastung der IT-Abteilung bei der Administration und Konfiguration. Der Erfolg der Umstellung steht und fällt jedoch mit der Auswahl der richtigen Partner.