Spätestens seitdem die Deutsche Telekom verkündet hat, ihr ISDN-Netz bis 2018 komplett abzuschalten, beschäftigen sich Unternehmen zunehmend mit VoIP-Anlagen (Voice over IP). Dabei geht der Trend klar zu reinen Software-basierten Derivaten, die nicht mehr auf einer bestimmten Herstellerplattform laufen müssen.

Führend in diesem Umfeld ist die frei verfügbare Lösung Asterisk, die Unternehmen ohne Lizenzkosten verwenden können. Mark Spencer hat diese ursprünglich 1999 bei der Firma Digium in den USA entwickelt. Inzwischen besteht die Lösung aus einer weltweit wachsenden Entwicklergemeinschaft. Asterisk ist allerdings mehr als eine reine VoIP-Lösung, da sie auch für Unified Communications (UC) geeignet ist. Dadurch erhält man mit einem Asterisk-basierten System eine universelle Kommunikationslösung.

Asterisk ist eine Software-basierte Telefonanlage (Private Branche Exchange, PBX), die vielfältige Funktionen und über entsprechende ISDN-Hardware die Anbindung an das klassische Telefonnetz bietet. Möchte ein Nutzer Asterisk ausschließlich für VoIP verwenden, benötigt er abgesehen vom Server-System keine zusätzliche Hardware. Die Software basiert als Open Source Software (OSS) auf der GNU General Public License (GPL) und lässt sich in unterschiedlichen Versionen nutzen:

  • Asterisk Communications Framework (Long-Term Support),
  • Asterisknow Software PBX (Standard Support) und
  • Certified Asterisk Version (Long-Term Support).

Das Asterisk Communication Framework bietet die letzten Entwicklungen von Asterisk an. Diese können Unternehmen komplett ohne Lizenzkosten verwenden und besitzt immer die aktuellste Version (Version 14.4.0, Stand: April 2017). Hier können allerdings auch neue Funktionen enthalten sein, die noch nicht ausreichend getestet wurden. Findet man Fehler, wird die Community benachrichtigt und das Bugfixing für die nächste Version eingeplant.

Asterisknow bietet eine rudimentäre Web-Oberfläche.

Asterisknow ist eine fertige Distribution (Version 5.211.65 oder 10.13.66, Stand: April 2017), die sich per ISO-Image installieren lässt. Sie hinkt der ersten Variante hinterher (Version 1.8, 1.11 oder 1.13 kann man verwenden), bietet dafür aber eine einfachere Installationsroutine und eine rudimentäre Web-Oberfläche an. Diese ist allerdings nicht sehr übersichtlich gehalten und kann auch nicht alle Funktionen von Asterisk abdecken. Daher richtet sich diese Variante eher an Benutzer, die den Installationsaufwand von Linux scheuen. Für einen Unternehmenseinsatz ist diese allerdings nicht zu empfehlen.

Firmen sollten alternativ eher auf Management-Oberflächen ausweichen, die eine Vollversion von Asterisk ermöglichen, etwa Kitoma. Kitoma kann zwar ebenfalls nicht alle Funktionen Web-basiert anbieten, schränkt aber nicht den grundsätzlichen Funktionsumfang des darunterliegenden Asterisk-Systems ein (beliebige Versionen lassen sich nutzen) und wächst kontinuierlich mit den Kundenanforderungen.

Die zertifizierte Lösung hingegen setzt auf dem eigentlichen Framework auf, ermöglicht einen direkten Support von Digium und legt höchsten Wert auf Stabilität. Sie liegt daher immer leicht unter der Version des Frameworks (Version 13.13-cert3, Stand: April 2017), da sie nur hinreichend getestete Funktionen enthält. Sie ist daher unbedingt für den Unternehmenseinsatz zu empfehlen, wenn ein Betrieb eine stabile Telefon-Server-Lösung nutzen möchte.

Alle Versionen, die lange unterstützt werden, sind bei Digium mit einer ungeraden Zahl ausgestattet. Neben diesen LTS-Versionen (Long-Term Support) gibt es noch Standard-Releases für die Nutzung neuer Leistungsmerkmale und die Test-Releases (Version 13.11.0-rc2, Stand: Sept. 2016), die eine Vorschau auf die kommende Version bieten. Letztere ist als Alpha- oder Beta-Versionen verfügbar. Während Digium die LTS-Version für vier Jahre unterstützt (inklusive eines weiteren Jahres für Maintenance und Sicherheits-Patches), ist die Standardversion nur ein Jahr im Support. Die Certified-Serie verhält sich sehr ähnlich zu der LTS-Version, wird aber weniger schnell aktualisiert, um eine größere Stabilität gewährleisten zu können. Die Testversion verwendet man hingegen, um bisher vermisste Funktionen oder gelöste Bugfixes zu analysieren und gegebenenfalls an die Community zu melden.

Basisfunktionalität von Asterisk

Asterisk bietet eine hohe Funktionalität und besitzt eine umfangreiche Basis für Telefonie, Unified Messaging und Drittsysteme. Dies umfasst Sprachdienste, Anrufbeantworter, Telefonkonferenzen, Sprachdialoge (IVR) per Mehrfrequenzwahlverfahren (DTMF), Spracherkennung mittels Drittanbieteranwendung sowie Verzeichnisdienste (Directory) und verzögerungsfreie Verschlüsselung.

Die Architektur der Lösung ist relativ einfach gehalten, wobei Asterisk als eine Art Übersetzer von Paket- beziehungsweise Hardware-basierten Technologien zu Telefonapplikationen wie Call Bridging, Conferencing etc. zu verstehen ist. Asterisk ist sehr modular aufgebaut und unterstützt diverse Dateiformate und Codecs. Der Scheduler und der I/O-Manager übernehmen die Verwaltung der Applikationen und der Channels (Kanäle).

Darüber hinaus sind jede Menge UC-Leistungsmerkmale in Asterisk enthalten. So lassen sich beliebige Wählregeln anlegen, die festlegen, was mit bestimmten eingehenden Rufnummern passieren soll. Wenn beispielsweise der Anruf eines bestimmten Call Center eingeht, leitet Asterisk diesen Anrufer in eine separate Warteschleife um. Ähnlich kann man bei bestimmten Rufnummern oder Rufnummernblöcken verfahren. Im Gegensatz dazu lassen sich wichtige Rufnummern sofort an die richtige Stelle weiterleiten, da es sich beispielsweise um Service-Nummern mit hoher Priorität handelt.

Die Management-Oberfläche Kitoma kann zwar ebenfalls nicht alle Funktionen Web-basiert anbieten, schränkt aber nicht den grundsätzlichen Funktionsumfang des darunterliegenden Asterisk-Systems ein.

Auch eine Voice-Mail-Funktion ist bereits in Asterisk enthalten. Diese ermöglicht die Weiterleitung elektronischer Mailbox-Nachrichten an das persönliche E-Mail-Konto. Alle Mailboxen sind auf dem Asterisk-Server eingerichtet und per Sprachsteuerung am Telefon konfigurierbar. Nachrichten speichert die Lösung dementsprechend auf dem Server ab und kann sie über das IP-Telefon abhören. Parallel hierzu wird die Nachricht als WAV-Datei per E-Mail verschickt.

Zusätzlich ermöglicht der Asterisk-Server Konferenzschaltungen. Dabei sind Ad-hoc-Konferenzen mit beispielsweise bis zu vier Personen bereits über 4-Line-IP-Telefone umsetzbar, was allerdings vom Endgerät abhängig ist. Alternativ lassen sich zentral virtuelle Konferenzräume einrichten, die verschiedene Teilnehmern für eine Telefonkonferenz anwählen können. Bei einem ISDN- oder einem DSL-Anschluss begrenzen hier nur die zur Verfügung stehenden B-Kanäle oder die Internet-Bandbreite.

Analoge Faxgeräte lassen sich ebenfalls in die Asterisk-Umgebung über Terminaladapter integrieren. Das bedeutet, dass Asterisk eingehende Faxe empfängt und digital an das Faxgerät weiterleitet. Dort kann man diese anschließend über den Terminaladapter in ein normales Papierfax umsetzen. Alternativ kann der Nutzer eine Faxweiterleitung per E-Mail vornehmen. Das heißt, die Faxnachricht wird entweder an einen E-Mail-Pool geschickt oder direkt an den jeweiligen Empfänger. Möchte ein Teilnehmer eine Nachricht als Fax versenden, so kann er dies ebenfalls elektronisch vornehmen.

Neben den Grundfunktionen von Asterisk lassen sich noch jede Menge Zusatzfunktionen zur Erweiterung der UC-Funktionalität einbetten, da es sich hierbei um Open-Source-Software handelt.

Fazit

Asterisk stellt bereits in der Basisvariante viele UC-Funktionen zur Verfügung, die Anwender als Ergänzung oder als Standalone-System nutzen können. Durch die offene modulare Architektur lassen sich weitere Funktionen und Erweiterungen einbetten. Welche UC-Funktionen ein Unternehmen benötigt, hängt allerdings nicht von der Unternehmensgröße ab, sondern von den jeweiligen Anforderungen, etwa Unterstützung mobiler Mitarbeiter oder Fax-Server-Lösung. Dabei sollte das VoIP-/UC-System in der Lage sein, mit dem Unternehmen mitzuwachsen. Dies ist bei Asterisk durchaus möglich, wie kleine Projekte mit zehn sowie große Projekte mit über 50.000 Mitarbeitern zeigen.

Prof. Dr.-Ing. Kai-Oliver Detken ist Dozent an der Hochschule Bremen und freier Autor im IT-Bereich ().