In LANline-Test musste der Device-Server myUTN-2500 von SEH zeigen, ob er aktuellen Anforderungen gewachsen ist. Geschwindigkeit, Kompatibilität und einfache Verwaltung sind im professionellen Umfeld ein Muss. Ein Teilergebnis vorweg: Wer kein Hochgeschwindigkeitssystem benötigt, der macht mit dem 200-Euro-Gerät des Bielefelder Herstellers sicher nichts falsch.

Die in Bielefeld ansässige Firma SEH ist seit Jahren auf Print- und USB-Device-Server spezialisiert. Vor einigen Jahren präsentierte SEH den myUTN-80 als „Dongle-Server“. Primäres Ziel dieses kleinen Geräts ist die zentrale und sichere Aufnahme von USB-Sticks, beispielsweise zur Lizenzkontrolle, um sie über eine spezielle Software, den myUTN Manager, gezielt in VDI/Remote-Desktop-Sitzungen oder in lokalen Sitzungen einzubinden. Faktisch handelt es sich um steuerbare, virtuelle USB-Ports, die der Server über das Netzwerk bereitstellt.

Welcher Client-Computer welchen USB-Stick/Dongle in einer Sitzung verwendet, ist dabei für den Benutzer über die Software jederzeit ersichtlich. Das Programm listet die zur Verfügung stehenden USB-Geräte auf und zeigt an, welcher Computer aktuell mit einem Gerät verbunden ist. Je nach Konfiguration ist es auch möglich, dass der Benutzer darüber informiert wird, dass ein USB-Gerät wieder frei ist.

Als wir vor rund zehn Jahren den myUTN-80er testeten, gelang es uns nicht, Standardfestplatten im 2,5-Zoll-Format anzusprechen, da der Dongle-Server die dazu notwendige Spannung offenkundig nicht bereitstellte. Zudem beschränkte sich seinerzeit die Zusammenarbeit auf Windows-Computer. Die gemessene Lesegeschwindigkeit eines USB-Sticks, der lokal an einem USB-2.0-Port auf 21 MByte/s kam, betrug über ein 100-MBit/s-Netzwerk, angeschlossen am myUTN-80, lediglich 2,5 MByte/s.

Drei USB-3.0-Ports über das Netzwerk

Rund um myUTN hat sich mit den Jahren ein komplett eigenständiges System entwickelt, und mit dem myUTN-2500 USB Device Server können Anwender nahezu jedes USB-Gerät über das Netzwerk ansprechen. Dazu arbeitet der 2500er nach dem Plug-and-Play-Prinzip: Einmal in das Netzwerk eingebunden, können Benutzer und Administratoren über die zugehörige SEH-UTN-Manager-Software selbst einstellen, auf welches Gerät sie zugreifen wollen. Letztendlich entsteht eine Punkt-zu-Punkt-Verbindung zwischen dem USB-Anschluss und dem Zielcomputer.

Praktisch: Über die Software können Benutzer den Gerätezugriff anfordern.

Die Installation ist in weniger als fünf Minuten komplett abgeschlossen. Auspacken, ins Netzwerk einbinden, USB-Geräte anschließen, Software installieren, Device-Server auswählen: Dies war im Test tatsächlich kinderleicht. Die Auflistung der drei USB-Anschlüsse erscheint im myUTN-Manager glücklicherweise mit den Produktnamen oder den vom USB-Gerät zurückgegebenen Namen. Dies macht die Geräteerkennung deutlich einfacher als etwa nur eine Bezeichnung wie „USB-Port 2“. Des Weiteren können Administratoren USB-Ports mit einem Namen versehen. Der USB-Port Num­mer 3 ist als Ladeport (CDP, Charging Downstream Port) ausgewiesen.

Wir testeten den myUTN-Server mit verschiedenen Endgeräten sowohl unter Windows 10 auf einer physischen Maschine als auch verschiedenen Windows-7/2016-Installationen virtualisiert unter VMware vSphere. Ferner durfte ein iMac mit „mac-OS High Sierra“-Installation das korrekte Einbinden von Geräten prüfen. Mit Ausnahme eines 3,5-Zoll-USB-Diskettenlaufwerks von NEC funktionierten alle USB-Systeme einwandfrei. Als Systemvoraussetzungen benennt SEH Windows XP oder höher ohne Vista und Windows 2008, außerdem macOS X 10.8.x und höher und Linux (64-Bit, Ubuntu 12.4.x LTS, Ubuntu 14.04.x LTS, Oracle Linux 6.5).

Im Zusammenspiel mit einem älteren USB-2.0-Hub führten wir den kleinen Server so stark in die Konfusion, dass nur noch ein Neustart das ständige An- und Abmelden von USB-Geräten unterbrach. Der Hub-Einsatz scheint sich – zumindest bei unserem Testgerät – nicht zu empfehlen. Insgesamt findet man beim Thema „Compound“ in der gut geschriebenen Anleitung weitere Hinweise auf den Hub-Betrieb.

Ob HD-Webcam, Soundsystem oder Mikrofone – alles funktionierte zur vollsten Zufriedenheit. Zur Spracherkennung verwendeten wir ein Grundig-Digta-SonicMic-3-Mikrofon und die aktuelle Dragon-Nuance-Home-Lösung. Die Erkennungsrate zeigte keinerlei Unterschiede zu einem lokal angeschlossenen Gerät. Ebenso verhielt es sich im Zusammenspiel mit einem Sennheiser-USB-Headset, wobei wir subjektiv den Eindruck hatten, dass es zu einer höheren Latenz bei der Klangausgabe kam – was jedoch nicht wirklich störte.

Auf dem macOS-Rechner funktioniert der Zugriff auf USB-Geräte ebenfalls.

Der wechselnde Betrieb von USB-Laufwerken oder Wechseldatenträgern wie beispielsweise einem Tandberg-Data-RDX-Laufwerk zwischen Windows-Computern und Macintosh-Systemen war im Test kein Problem. Lediglich beim Tempo der Datenübermittlung fiel uns eine deutliche Veränderung im Vergleich zu einem lokal angeschlossenen Laufwerk auf: An einem SATA-USB-3.0-Adapter schlossen wir eine preisgünstige 250-GByte-SSD Crucial MX500 CT250MX500SSD1Z im 2.5-Zoll-Format an. Nachgemessen mit dem CrystalDiskMark 6.0.1 in der x64-Variante mit einer 1-GByte-Testdatei liefert der Device-Server an die physische Windows-10-Maschine 50,88 MByte/s im sequenziellen Q32T1-Lesetest zurück. Beim Schreibzugriff liefert die Platte 46,53 MByte/s. Bei 4 KiB Q8T8, 4 KiB Q32T1 und 4 KiB Q1T1 waren es stets rund 4,1 MByte/s.

Direkt am USB.3.0-Anschluss des Windows-10-Rechners beträgt die Leistung 413 MByte/s im sequenziellen Q32T1-Lesetest, beim Schreibzugriff waren es 142 MByte/s. Beim 4-KiB-Q8T8- und 4-KiB-Q32T1-Lesevorgang waren es immerhin 103 MByte/s und knapp 22 MByte/s beim 4-KiB-Q1T1-Test. Schreibzugriffe, stets etwas langsamer, liefern 11,49, 10,86 und rund 9 MByte/s. Wir fragten beim Hersteller nach, ob wir hier auf eine besondere Konstellation gestoßen sind oder ob es sich um zu erwartende Werte handelt. Die Ergebnisse, so SEH, seien so nachvollziehbar.

Aktionen automatisieren

Auch beim Punkt „pfiffige Zutaten“ der Software punktet der myUTN-2500 Device Server. Die Verbindungen zu USB-Ports des UTN-Servers und den daran angeschlossenen USB-Geräten können Administratoren automatisieren. Zur Verfügung stehen „Auto-Connect“, das automatische Verbindungen aufbaut, wenn ein USB-Gerät angeschlossen ist, und „Auto-Disconnect“, bei dem der Server die Verbindung nach einem definierten Zeitraum automatisch trennt.

Eine weitere Betriebsvariante ist „Print on Demand“ – sobald ein Druckauftrag am Betriebssystem anliegt, wird die Verbindung automatisch zwischen USB-Port und dem Client hergestellt. Noch flexibler ist es bei den „UTN-Aktionen“, also automatisierte Port-Verbindungen und Programmstarts, ohne dass die SEH-UTN-Manager-Oberfläche auf einem Rechner läuft. Praktischerweise können Administratoren die Funktionen des myUTN-Managers auch direkt über die Eingabeaufforderung oder Konsole automatisieren. Mit utnm.exe /c „activate 192.168.1.91 1“ verbindet sich der lokale PC mit dem Gerät an USB-Anschluss 1.

Es gibt noch weitere Funktionen, die den Betrieb in der Praxis vereinfachen: Ein Mausklick blendet das Dialogfenster aus, per Option legt der Benutzer fest, auf welchen lokalen Schnittstellen die Software auf den Device-Server zugreifen soll. Eine Programmmeldung kann bei zugewiesenem Port nach einem konfigurierbaren Zeitraum erscheinen, beispielsweise, um den Benutzer daran zu erinnern, das Gerät wieder freizugeben.

 

Sicherheit und Administration

Bei den Sicherheitsfunktionen glänzt SEH mit vielen Optionen. Andere Anbieter liefern USB-Netzwerkfunktionen zwar zu einem geringeren Preis – jedoch oft auch auf Home-Office-Niveau. Bei SEH kann der Administrator Zugriffspasswörter vergeben, um einen gezielten Zugriff auf USB-Devices zu gewährleisten. Der Benutzer gibt das Kennwort in den myUTN-Manager ein, und erst dann erscheint der Port zur Auswahl.

Die SEH-Entwickler haben alle Sicherheits- und Verwaltungsfunktionen in die mehrsprachige und glücklicherweise sehr übersichtliche Administrations-Website eingearbeitet. Einen zentralen Zugriff über eine Cloud-Struktur sieht SEH derzeit offenbar nicht vor. Im Abschnitt „TCP-Port-Zugriff“ können Administratoren die Zugriffe auf die UTN- oder TCP-Verbindung des Geräts gezielt sperren und für bis zu acht IP-Adressen oder MAC-Adressen Ausnahmen eingeben. Praktischerweise findet der Benutzer gleich einen Hinweis, dass Hardwareadressen nicht über Router weiterlaufen. Die Konfiguration des Geräts lässt sich per Mausklick in eine Textdatei ausgeben und über dieses Menü auch wieder importieren.

Frank-Michael Schlede und Thomas Bär.