Die unvermeidlichen Auswirkungen einer datengetriebenen Wirtschaft liegen direkt vor uns, und wir stehen jetzt an einem moralischen, ethischen und politischen Scheideweg, argumentiert John Chen, Executive Chairman of the Board and Chief Executive Officer von BlackBerry, im nachfolgenden Gastkommentar.

Die jüngsten Ereignisse, bei denen es massive Datenschutzverletzungen gab, haben die Öffentlichkeit darauf aufmerksam gemacht, welche Fallstricke es bei Big Data gibt und dass einige Unternehmen ihren Profit über die Privatsphäre ihrer Nutzer stellen. Infolgedessen fordern die Behörden nun umfassendere Antworten von den großen Technologiekonzernen, und endlich hat eine gesunde öffentliche Diskussion begonnen.

Viele haben zu Recht festgestellt, dass Daten in einer zunehmend digitalisierten Welt zu einem mächtigen wirtschaftlichen Faktor werden. Daten sind mittlerweile ein sehr begehrter Rohstoff, und viele große Technologieunternehmen haben ihre Geschäftsmodelle auf der Monetarisierung von Daten aufgebaut.

Künstliche Intelligenz ist kurz davor, die nächste Antriebskraft in Big Data zu werden. Darum sollte sich jeder darüber Gedanken machen, was das in Zeiten des sogenannten „Überwachungskapitalismus“ bedeutet. Man muss sich nur vorstellen, was das in Zukunft für Auswirkungen auf die Finanzbranche, das Gesundheitswesen, autonome Fahrzeuge und den Bau von Smart Cities haben wird. Sollten wir es Unternehmensinteressen erlauben, persönliche Daten zu monetarisieren und die Spielregeln zu bestimmen?

Die Folgen werden nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gesellschaftlich und politisch zu spüren sein und damit möglicherweise die demokratischen Prinzipien untergraben, nach denen unsere modernen Gesellschaften arbeiten. Wie wir gesehen haben, lassen sich digitale Plattformen für schändliche Zwecke missbrauchen. Die Verwendung automatisierter Algorithmen macht die Überwachung potenziellen Missbrauchs für die Verantwortlichen noch schwieriger.

Eine der wichtigsten Fragen, mit denen sich die politischen Entscheidungsträger heute auseinandersetzen müssen, ist, wie wir gemeinsam entscheiden, welche Spielregeln für diese neue datengesteuerte Wirtschaft gelten sollen. Im Mittelpunkt dieser Überlegungen steht die grundlegende Frage des Dateneigentums: Wer besitzt und kontrolliert Daten, aus welchem Grund und zu welchem Zweck finden sie Verwendung?

Fordert, die Messlatte für Datenschutz in der IT hoch anzusetzen: BlackBerry-CEO John Chen. Bild: BlackBerry

Fordert, die Messlatte für Datenschutz in der IT hoch anzusetzen: BlackBerry-Chef John Chen. Bild: BlackBerry

Als CEO eines Unternehmens, das Sicherheit und Datenschutz nicht nur zu einer Priorität, sondern auch zu einem Kernelement und Leistungsversprechen seines Geschäfts gemacht hat, sehe ich mich in der gemeinsamen Verantwortung, dieses Thema anzugehen. Unternehmen sollten die von ihnen verwalteten Daten schützen und nicht ausnutzen. Jeder Einzelne sollte seine eigenen Daten besitzen – sie sollten nur ihm gehören. Datenschutz und Sicherheit sollten an erster Stelle stehen. Der Schutz der Privatsphäre sollte in die Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen einbezogen werden.

Brauchen wir globale Regeln für den Datenhandel? Mit der Einführung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) hat die Europäische Union gerade einen neuen Regulierungsstandard für den Datenschutz der Kunden festgelegt. Datenschutzrechtliche Rahmenbedingungen schaffen zunehmend unterschiedliche Spielfelder.

Wir sollten die Messlatte hoch ansetzen, um strenge Datenschutzgrundsätze einzuhalten, und verantwortungsbewusste und ausgewogene Regulierungsmechanismen begrüßen, die es den Verbrauchern ermöglichen, die Vorteile moderner Technologien zu nutzen. Die DSGVO, die es Einzelpersonen erleichtert, nicht nur ihre Daten zur Verfügung zu stellen, sondern auch deren Zustimmung zu widerrufen, sollte der neue Standard sein.

Jetzt ist es an der Zeit, dass die Politik und der Technologiesektor darüber diskutieren, wie viel Regulierungsaufsicht erforderlich ist, um sowohl die Privatsphäre zu schützen als auch Innovation und Wettbewerb zu fördern.

Dr. Wilhelm Greiner ist freier Mitarbeiter der LANline.