Microsoft verabschiedet sich vom wenig erfolgreichen Modell der „Microsoft Cloud Deutschland“. Diese hatte der Anbieter vor drei Jahren mit T-Systems als Treuhänder aufgesetzt, um die zögerlichen deutschen Unternehmen für die Public Cloud zu gewinnen. Zwei neue Microsoft-Azure-Regionen mit RZ-Standorten in Frankfurt und Berlin sollen künftig den gleichen Funktionsumfang bieten wie die übrigen Azure-Regionen weltweit, zugleich aber dank Datenspeicherung in Deutschland für Compliance mit hiesigen Datenschutzanforderungen sorgen.

Der Aufbau zweier neuer Cloud-Regionen in Deutschland, angekündigt im März, soll Unternehmen aus Deutschland und Nachbarländern die Basis für im europäischen Rechtsraum angesiedelte Public-Cloud-Lösungen bieten. Der US-Konzern will aus den neuen Rechenzentren Azure, Office 365 und Dynamics 365 in vollem Funktionsumfang bereitstellen. In den neuen Regionen, so erklärt Microsoft in einem Blog-Post, erfolge die Speicherung der Kundendaten in Deutschland, zugleich binde man die Cloud-Dienste an das hauseigene weltweite Cloud-Netzwerk an.

Microsoft betont, man biete Geschäftskunden hierbei den vollen Funktionsumfang sowie die hohen Sicherheits- und Datenschutz-Standards der globalen Microsoft-Cloud-Services. Gleichzeitig könne man aber auch individuelle Compliance-Anforderungen erfüllen.

Die neuen Rechenzentren werden in Berlin und Frankfurt angesiedelt sein. Azure soll im vierten Quartal 2019 allgemein verfügbar sein. Office 365 soll im ersten Quartal 2020 folgen, Dynamics 365 im Laufe des Jahres 2020.

Datenschutz und Datensicherheit, so Microsoft, gewährleiste man auf Basis der Microsoft-Trusted-Cloud-Grundsätze und eines umfassenden Angebots an Compliance-Zertifikaten und -Testaten. Die neuen RZ-Regionen in Deutschland sollen als Teil des globalen Microsoft-Cloud-Netzwerks die gleichen Service-Levels und Sicherheitsstandards bieten wie die weltweit verfügbaren Angebote. Um zusätzliche Compliance-Anforderungen von Kunden zu erfüllen, plane man für die neuen Cloud-Dienste eine Zertifizierung nach dem C5-Anforderungskatalog (Cloud Computing Compliance Controls Catalogue). Zudem bekenne man sich zur Einhaltung der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) für die Cloud-Dienste und habe entsprechende Regelungen in die vertraglichen Verpflichtungen aufgenommen.

2015 hatte der US-Konzern die Microsoft Cloud Deutschland angekündigt, um hiesigen Unternehmen – die zunächst häufig mit Skepsis auf die Public Cloud reagiert hatten – den Einstieg in die Cloud zu ermöglichen. Bei der Microsoft Cloud Deutschland werden Kundendaten über ein von Microsofts globaler Azure-Infrastruktur getrenntes Netzwerk in Deutschland gespeichert. Zusätzlich kontrolliert T-Systems als deutscher Datentreuhänder den Zugang zu diesen Daten.

Die Microsoft Cloud Deutschland hat sich allerdings nicht als Erfolgsmodell erwiesen, offenbar aufgrund höherer Preise bei gleichzeitig reduziertem Service-Angebot (LANline berichtete). Inzwischen findet die Public Cloud bei deutschen Unternehmen auch zunehmend Akzeptanz, wie Umfragen immer wieder belegen. „In den letzten drei Jahren haben sich die Kundenanforderungen verändert“, beschreibt es Microsoft im erwähnten Blog-Post. „Unsere Kunden wünschen sich umfassendere Funktionalitäten und die Konnektivität mit unserer globalen Cloud-Infrastruktur, die die souveräne Microsoft Cloud Deutschland mit ihrer besonderen Isolierung nicht ermöglicht.“

Deshalb verabschiedet sich Microsoft nun vom Treuhändermodell: Die neuen RZ-Regionen sollen künftig den Schwerpunkt der Cloud-Strategie in Deutschland bilden. Deshalb will der Konzern die Microsoft Cloud Deutschland nicht mehr für Neukunden anbieten und dort auch keine neuen Dienste mehr bereitstellen. Bestandskunden können die verfügbaren Cloud-Dienste aber weiter nutzen, so Microsoft, man werde auch künftig die erforderlichen Sicherheits-Updates aufspielen.

Neukunden können laut Microsoft-Angaben wählen, ob sie die derzeit bereits verfügbaren europäischen Regionen oder aber die neuen Regionen in Deutschland nutzen wollen, sobald diese bereitstehen. Für Bestandskunden der Microsoft Cloud Deutschland soll es voraussichtlich noch in diesem Jahr erste Details zu Migrationsoptionen geben.

Weitere Informationen finden sich unter www.microsoft.de.

Dr. Wilhelm Greiner ist freier Mitarbeiter der LANline.