Auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona warben Netzwerkausrüster von Cisco und Juniper über Alcatel-Lucent bis Huawei mit NFV (Network Functions Virtualization), das Carrier-Netze flexibler und preiswerter machen soll. HP hat mit Open NFV einen Plan für ein NFV-Ökosystem und eine passende Referenzarchitektur auf der Basis offener Standards vorgestellt.

TK-Netzbetreiber sind in den letzten Jahren stark unter Druck geraten: Sogenannte OTT-Service-Provider (Over the Top) setzen mit ihren Services wie VoIP oder Video-Streaming auf den Carrier-Netzen auf und heimsen durch Werbung und/oder Abogebühren Profite ein – während die Carrier selbst aufgrund hohen Wettbewerbdrucks immer größere Datenmengen zu immer niedrigeren Preisen verkraften müssen.

 

So haben die Carrier laut Berechnungen des Analystenhauses Ovum im Jahr 2013 SMS-Umsätze in Höhe von 32,5 Milliarden Dollar an Anbieter von Messaging Apps für mobile Endgeräte verloren. Bis 2016 soll dieser Wert auf stolze 54 Milliarden Dollar steigen, durch VoIP sollen den Telkos bis 2018 gar Verluste in Höhe von 63 Milliarden Dollar entstehen.

 

Entsprechend lechzen die Betreiber teurer nationaler oder internationaler Netze nach allem, was den Netzbetrieb preisgünstiger macht und die Einführung neuer – und potenziell lukrativer – Services beschleunigt. In diesem Kontext wird Network Functions Virtualization derzeit sehr hoch gehandelt.

 

NFV ist eine Variante – manche sagen auch: ein Teilbereich – von Software-Defined Networking (SDN): Mit NFV kann ein Netzbetreiber einzelne Netzwerkfunktionen – etwa eine Firewall oder einen Load Balancer – als virtualisierte Instanzen betreiben und in die Service-Kette einbinden (Sevice-Chaining). Damit lockt der Ansatz – ähnlich wie die Server-Virtualisierung oder SDN – mit Optimierungspotenzial bezüglich Change-Flexibilität, Go-to-Market-Geschwindigkeit und Kostenersparnis.

 

Vor diesem Hintergrund bringt HP nun unter dem Namen Open NFV eine NFV-Referenzarchitektur auf den Markt, die auf offenen Standards basiert. Gleichzeitig, so HP, entstünden derzeit Open NFV Labs und ein Partnerökosystem für NFV-Anwendungen und -Services.

 

Damit geht HP hier – wie auch im bei SDN im Enterprise-Segment – konsequent den Weg, Angebote unterschiedlichster Partner zu virtualisierten End-to-End-Netzwerklösungen zusammenzuführen – ein sinnvoller Ansatz, geht es doch in diesem Markt um funktionierende Gesamtlösungen. HP stellt sich damit als direkter Konkurrent von Cisco und Juniper auf. Als Partner sind laut HP bereits zahlreiche Unternehmen mit an Bord, darunter Alcatel-Lucent, BT, Broadcom, Brocade, NEC oder auch NSN.

 

Im Zentrum von HPs Initiative steht die Open-NFV-Referenzarchitektur (NFV RA). Sie deckt laut HP-Angaben ein komplettes Ökosystem für alle erforderlichen Komponenten ab: physische Server, Speicher und Netzwerke, Virtualisierung, SDN-Controller, Management und Orchestrierung der Ressourcen, Analyse-Tools und Telko-Applikationen sowie das Carrier-typische OSS (Operations Support System).

 

Ein Bestandteil der NFV RA ist HPs hauseigener Virtual Services Router, den HP für den Einsatz mit verschiedenen Virtual Appliances entwickelt hat. Er unterstützt laut HP mandantenfähige Public Clouds ebenso wie virtualisiertes Equipment in Zweigstellen.

 

Auch HPs SDN-Lösungen gehören zur NFV RA, darunter die Virtual Application Networks, der SDN-Controller und das Open SDN Ecosystem. Zusammen, so verspricht HP, bildeten diese Lösungen eine sofort einsatzbereite Architektur, mit der Telkos bestehende Infrastrukturen NFV- und SDN-fähig machen können.

 

NFV-Testumgebungen
Zur Unterstützung von TK-Anbietern und Softwarehäusern plant HP den Aufbau von Open NFV Labs sowie eines zugehörigen Partnerprogramms – laut HP-Angaben der branchenweit erste Versuch, eine Reihe von Marktteilnehmern zusammenzubringen, um NFV-Applikationen zu testen und zu validieren.

 

HP will seinen Partnern dazu einen Pool an gemeinsam genutzten, wiederverwendbaren Infrastruktur-Ressourcen für NFV-Umgebungen zur Verfügung stellen, um Anwendungen schnell implementieren und ausbringen zu können. Derzeit arbeite man mit Partnern an Machbarkeitsstudien für sofort einsatzbereite NFV-Lösungen wie Infrastructure as a Service (IaaS), Virtual Network Platform as a Service und Virtual-Core-Netzwerken.

 

Open NFV ist laut HP bereits weltweit verfügbar, die Preise richteten sich nach den jeweiligen Kundenspezifikationen. Die Open NFV Labs sollen in bestehenden HP-Einrichtungen weltweit angesiedelt sein, die Eröffnung sei für das Frühjahr geplant. Weitere Informationen finden sich unter www.hp.com/go/nfv.

 

 

Eines der zentralen Trendthemen auf dem Mobile World Congress 2014 war NFV. Bild: Stefan Mutschler