In der mobilen Welt ist die Energieversorgung immer ein besonders kritisches Thema, denn die vielen spannenden Funktionen der hippen Geräte fressen auch modernste Akkus schnell leer. Das einfache Laden unterwegs – womöglich gar mit unerschöpflicher mobiler Energiequelle – steht bei Anwendern ganz oben auf der Wunschliste. Zu diesem und einigen weiteren Themen aus dem mobilen Leben haben wir uns auf dem MWC umgesehen.

Drahtloses Schnellladen mittels Qi-Technik (gestützt durch das Wireless Power Consortium) gehört inzwischen bei vielen mobilen Geräten zum Standard. Auf dem MWC reihte sich beispielsweise Sony mit seinem neuen Top-Smartphone Xperia XZ2 in die Riege der Unterstützer ein.

Während Qi der Durchbruch in den Massenmarkt bereits gelungen ist, stecken andere Techniken für die drahtlose Energieübertragung noch in den Kinderschuhen. Bestes Beispiel hierfür ist das US-Unternehmen Energous mit seiner Fernladetechnik Watt Up.

„Fern“ ist hier relativ zu sehen: Bei Qi müssen die Geräte direkt auf der Ladefläche platziert sein. Insofern sind einige Meter, die eine der drei Watt-Up-Ladevarianten bei freier Sichtlinie überbrücken soll, tatsächlich ein großer Sprung. Größere Akkus lassen sich allerdings nur über die Varianten im näheren Umfeld (bis maximal etwa einem Meter) laden, das Laden im Raum ist eher für Kleinverbraucher wie Fitness-Armbänder gedacht.

Nach fast zweijähriger Verzögerung hat Energous im Herbst letzten Jahren nun die Zulassung seiner Technik durch die amerikanischen Behörden erhalten. Erste Produkte sollen ab Mitte dieses Jahres in den US-Handel kommen.

Wie es mit der Technologie weitergeht, wird aber nicht zuletzt von der 2015 aus dem Zusammenschluss der Alliance for Wireless Power (A4WP) und der Power Matters Alliance (PMA) hervorgegangenen Airfuel Alliance abhängen, bei der Energous Mitglied ist. Der MWC war dieser etwa 150 Mitglieder umfassenden Organisation keine Reise wert, letzter nennenswerter Auftritt war die Consumer Electronics Show in Las Vegas Anfang dieses Jahres.

Wie auch schon in den vergangenen Jahren in Barcelona zugegen war der schwedische Brennstoffzellenhersteller myFC. Im Gepäck hatte er diesmal das neue JAQ Hybrid, das nach eigener Aussage weltweit kleinste Brennstoffzellen-Ladegerät für Smartphones und Tablets (Bild oben). Basis ist die im vergangenen Jahr vorgestellte Plattform Lamina.

„Wir stolz darauf, unser erstes kommerzielles Produkt auf der Lamina-Plattform, JAQ Hybrid, zu präsentieren. Es gibt buchstäblich kein vergleichbares Produkt auf der Welt“, so Björn Westerholm, CEO von myFC.

JAQ Hybrid ist ein Brennstoffzellen-Ladegerät im Brusttaschenformat, das mit der Koexistenz von Batterie und Brennstoffzelle sowohl Energie produzieren als auch speichern kann. Es kann mit dem von myFC patentierten, „grünen“ Treibstoff auf Salz- und Wasserbasis (in Form einfach aufzubewahrender, dünner Plättchen) sowie über eine normale Steckdose aufgeladen werden. Unendliche Energie in der Tasche, so das Versprechen – leere Smartphone-Akkus sollen der Vergangenheit angehören.

Sicherheit
In Sachen Sicherheit fühlen sich die Aussteller auf dem MWC naheliegenderweise vor allem für den Schutz mobiler Geräte und Infrastrukturen zuständig. Seit einigen Jahren rückt vor allem das Internet of Things (IoT) immer mehr in den Fokus. Und genau hier schlug pünktlich zur Messe der Security-Anbieter ESET in die Kerbe: Aktuelle Tests im Hause des europäischen Players stellen typischen Smart-Home-Geräten schlechte Zeugnisse aus.

So wiesen die Geräte zum Teil deutliche Sicherheitsmängel auf. Einige von ihnen sammelten zudem unerlaubt Daten. Insgesamt prüften die Experten elf Produkte von sieben Anbietern, unter anderem von Amazon, D-Link, Sonos und Nokia. Am problematischsten sei – wenig überraschend – der digitale Sprachassistent. Bei diesem Gerät stehe zu befürchten, dass die erhobenen Informationen weiterverbreitet und kommerziell genutzt werden. Zudem sei der Schutz der gespeicherten personenbezogenen Daten unzureichend. Das vollständige Whitepaper stellt ESET hier zur Verfügung.

Auf das Sicherheitsbewusstsein mobiler Anwender zielt auch ein neuer Mobile Threats Report, den McAfee auf dem MWC vorstellte. Dieser konstatiert, dass sich die Zahl der mit Malware befallenen mobilen Geräte allein im dritten Quartal 2017 auf über 16 Millionen belief. Damit seien doppelt so viele Geräte infiziert wie im Jahr davor.

Offenbar sind die zahlreichen Tools, die für mobile Geräte auf dem Markt sind, nicht wirksam genug gegen findige Hackerangriffe. McAfee will dieses Problem durch einschlägige Partnerschaften lösen, um so Geräte- und Netzwerkübergreifende Sicherheit zu bieten.

MobileIron gliederte seinen MWC-Auftritt in Desktop Security, Threat Defense und Cloud Security. Die neue Threat-Defense-Lösung von MobileIron ist erstes Resultat einer Partnerschaft, die das Unternehmen im vergangenen Jahr mit Zimperium eingegangen ist. Deren auf maschinellem Lernen aufbauende Gefahrenerkennung ist nun in die Sicherheits- und Compliance-Engine von MobileIron integriert und soll in Kürze als kombinierte Lösung auf den Markt kommen.

Geräte und Komponenten
AVM nutzt den MWC traditionell sehr intensiv nicht zuletzt auch für die Präsentation neuer Produkte. Diesmal hatten die Berliner einen ganzen Strauss neuer FRITZ!Box-Modelle für Breitbandanschlüsse mit Gigabit-Geschwindigkeit dabei. Außerdem zeigten sie das neue WLAN Mesh live im Einsatz.

Zu den neuen Boxen gehört die FRITZ!Box 7583 für G.fast mit 212 MHz und VDSL inklusive Supervectoring 35b. Das neue Modell soll auch VDSL-Bonding für gebündelte Geschwindigkeiten unterstützen. Für den Gigabit-Ausbau in den Kabelnetzen brachte AVM die FRITZ!Box 6591 Cable mit DOCSIS 3.1 mit, für den Glasfaseranschluss mit der FRITZ!Box 5491 und 5490 zwei Endgeräte für passive und aktive Glasfasertechnik. Die im letzten Jahr vorgestellte FRITZ!Box 6890 LTE für schnelles Internet über Mobilfunk und DSL erhielt zum MWC ein Leistungs-Update. Sie lässt sich nun gleichzeitig am DSL-Anschluss und über LTE einsetzen.

Auf dem MWC zeigte AVM seine neuesten FRITZ!Box-Modelle mit Gigabit-Geschwindigkeit. Bild: AVM

Auf dem MWC zeigte AVM seine neuesten FRITZ!Box-Modelle mit Gigabit-Geschwindigkeit. Bild: AVM

Ähnlich wie AVM ist auch D-Link in Barcelona gerne sehr aktiv. In diesem Jahr gab es zahlreiche neue mobile Kommunikations- und Verbindungslösungen für Endverbraucher, Unternehmen, Service-Provider sowie den öffentlichen Sektor. Premiere feierten etwa Mobillösungen und Services zur Bereitstellung lokaler LTE-Netze, zur Vernetzung im öffentlichen Nahverkehr sowie für Smart-Parking- oder Smart-Retail-Szenarien.

Mit dem Edge-as-a-Service-Angebot von D-Link können sich Unternehmen vor Ort ihr eigenes LTE-Netz aufbauen. Der Dienst richtet sich beispielsweise an Fertigungsunternehmen zur hohen Sicherung ihrer Industrial-IoT-Umgebungen. Grundlage bildet eine energieeffiziente und skalierbare LTE-Kleinzellen-Basisstation.

Die Smart-Parking-Lösung besteht im Wesentlichen aus einem neuen LTE-VPN-Router, der mit Netzwerk-Videorekordern sowie Analyse-Tools zusammenarbeitet. Das Gerät unterstützt so zentralisiertes Management, Datenerfassung und Datenaufbereitung für das vernetzte Parken.

In Sachen Flash-Speicher für mobile Geräte zeigte Western Digital auf dem MWC, wo es lang geht. Mit der 400GByte fassenden „SanDisk Extreme UHS-I microSDXC“-Karte stellte das Unternehmen die angeblich schnellste UHS-I-Flash-Speicherkarte der Welt vor. Western Digital sieht die Zukunft der Flash-Speicherkarten in der Unterstützung von PCIe (Peripheral Component Interconnect Express): Nur diese verfügten über das Leistungsvermögen, das erforderlich sei, um die nächste Welle an daten- und inhaltsreichen Anwendungen zu meistern.

Fujitsu inszenierte sich auf dem MWC in erster Linie als Partner für digitale Transformationsprojekte in der Automobilbranche, der Fertigungsindustrie und dem Transportsektor. Daneben brachte das Unternehmen aber auch eine spannende technische Neuheit: Quantencomputing ohne Quantenrechner. Basis ist die Digital-Annealer-Architektur von Fujitsu, die herkömmliche Halbleitertechnik im Verbund mit flexiblen Schaltungskonfigurationen nutzt.

Der Chip soll so eine große Bandbreite an Problemen bewältigen, vor allem auch kombinatorische Problemlösungsszenarien, wie sie etwa bei der Erforschung neuer Medikamente zum Vergleich molekularer Ähnlichkeiten oder zur Optimierung von Anlageportfolios erforderlich sind. Digital Annealer arbeite ohne separate Kühlung im Umfeld der existierenden Infrastruktur.

Stefan Mutschler.