Das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) gehört stets zu den größten Themenschwerpunkten auf dem Mobile World Congress in Barcelona. Auch in diesem Jahr waren wieder die Anwendungen und Lösungen aus der „smarten“ Welt (Heim, Städte, Gesundheit, Verkehr etc.) besonders prominent in Szene gesetzt. Die Technologieunternehmen für die dahinter stehenden Netzwerkdienste und die Plattformanbieter von Entwicklungsumgebungen buhlen ein wenig dezenter um Aufmerksamkeit. Klar ist auf jeden Fall: Hier entsteht gerade ein eigenes, extrem dynamisches IT-Universum, das die Kapazitäten der Messe schon bald sprengen könnte.

Low-Power WAN
Ein internationales Diskussionspanel aus IoT-Service-Anbietern kam am ersten Messetag darin überein, dass die kommenden zwölf Monate voraussichtlich eine sehr aktive Periode für mobile IoT-Technik sein werden, mit vielen neuen Netzwerkinstallationen und dem laufenden Aufbau eines lebendigen Ökosystems als Wachstumstreiber. Die Teilnehmer besprachen in der Runde auch das Thema NB-IoT vs. LTE-M (Narrow Band IoT, Long-Term Evolution for Machines), beides als Niedrigenergie-WAN-Techniken (Low-Power Wide Area Network, LPWAN) als Vorstufe für 5G hoch gehandelt.

Die Teilnehmer kamen zu dem Ergebnis, dass NB-IoT und LTE-M nicht im Wettbewerb zueinander stehen und beide erforderlich sind, da sie unterschiedliche Anwendungsfälle bedienen – zum Beispiel geringere Energieanforderungen bei NB-IoT. Nur auf eine der beiden Techniken zu setzen sei nicht ratsam, da das Potenzial gegenwärtig weder im einen noch im anderen Fall voll ermessbar sei. Auch bei den Herausforderungen in Bezug auf Kosten, Roaming, Skalierbarkeit, Vereinfachung von Diensten und Geräten sowie Sicherheit sei in beiden Fällen noch viel zu forschen.

„Es bleibt noch viel zu tun, um zu verstehen, wie diese Technologien optimal funktionieren können“, so Lory Thorpe, Head of Innovation and Prototyping bei der Vodafone Group. „Wir sehen sie nicht konvergieren“, so Thorpe weiter. Für Johannes Kaumanns, Vice President IoT Strategie- und Geschäftsentwicklung bei der Deutschen Telekom, ist der Blick auf die Technik eher sekundär. Für ihn sei es vielmehr entscheidend, gute Services zu entwickeln und dabei an die Kunden zu denken.

Urknall für IoT-Services
Wie praktikable IoT-Services aussehen können, war mit Hunderten von Anbietern einer der Ausstellungsschwerpunkte auf dem MWC. Einer davon ist etwa das Münchener Unternehmen Mozaiq, ein „Kind“ von ABB, Bosch und Cisco.

Kenneth Malmberg, Regional Sales Director bei Mozaiq (rechts), erklärt den Emergency Assistant Use Case. Bild: Mozaiq/Christoph Penter

Kenneth Malmberg, Regional Sales Director bei Mozaiq (rechts), erklärt den Emergency Assistant Use Case. Bild: Mozaiq/Christoph Penter

Auf dem MWC verkündete Mozaiq neue Partnerschaften mit Bitwards, Bosch Healthcare Solutions, Crowdloc, Egardia, Eagle Eye Networks, Sensative, Skyresponse und Yepzon. Die Produkte und Lösungen dieser Unternehmen sollen künftig über Mozaiqs Plattform verfügbar sein.

Auf der Messe zeigten die Münchner etwa einen Notfallassistenten, Sicherheitsgeräte und -Services sowie im Rahmen von Ambient Assisted Living die Kopplung eines Touch-Screens mit einem Liefer-Service als Dienstleistung für Senioren. Der Notfallassistent soll die Arbeit von Rettungskräften erleichtern. Verschiedene Wearables, intelligenten Lampen, Türschlösser, Rauchmelder, Kameras und andere Geräte sind hier über eine Plattform verbunden und alarmieren in einem Notfall einen Sicherheitsbediensteten, der sich über eine Kamera einen Überblick der Lage verschaffen oder die Tür öffnen kann, um Notärzten oder Feuerwehr Einlass zu gewähren.

Die SoftBox soll mithilfe einer globalen SIM-Karte von AT&T und einer IoT-Plattform wie AT&Ts Control Center Diagnosen beschleunigen und medizinische Hilfe selbst in abgelegene Gegenden bringen. Bild: AT&T

Die SoftBox soll mithilfe einer globalen SIM-Karte von AT&T und einer IoT-Plattform wie AT&Ts Control Center Diagnosen beschleunigen und medizinische Hilfe selbst in abgelegene Gegenden bringen. Bild: AT&T

Connected Health war auf dem diesjährigen MWC auch bei AT&T ein großes Thema. An seinem Stand zeigte das Unternehmen einige sehr bemerkenswerte Lösungen zur Verbesserung der weltweiten Gesundheitsfürsorge. Darunter war zum Beispiel ein von WaveGuide entwickeltes Gerät, das dank der verwendeten NMR-Spektroskopie (Kernspin-Resonanzspektroskopie) ansteckende Krankheiten wie TBC oder verschiedene Krebsarten innerhalb von 20 Minuten erkenntlich machen soll.

Auch der DOT Telemedicine Backpack by swyMed sowie die SoftBox waren am AT&T-Stand zu sehen. Beide sollen mithilfe einer globalen SIM-Karte von AT&T und einer IoT-Plattform wie AT&Ts Control Center Diagnosen beschleunigen und medizinische Hilfe selbst in abgelegene Gegenden bringen können.

Den „Best Mobile Service for the Connected Life Glomo 2018″-Preis hat auf dem MWC allerdings das chinesische Unternehmen ZTE abgeräumt. Titelheld ist das Smart Parking System von ZTE, das auf NB-IoT basiert. ZTE investiert in großem Umfang Ressourcen in IoT-Anwendungen und den Aufbau eines Ökosystems. Das Unternehmen wirbt damit, alles selbst zu entwickeln, vom Chip über das Netz bis zur Cloud. ZTE hat außerdem die sogenannte Global IoT Alliance (GIA) aufgelegt, der schon mehr als 200 Partner aus über 30 verschiedenen Branchen angehören. Ziel ist die effektive Unterstützung der reifenden IoT-Branche.

Stefan Mutschler.