LANline sprach mit Jörg Hesske, Vice President Germany, Austria and Switzerland bei NetApp, über aktuelle Entwicklungen bei Cloud-Data-Services, hyperkonvergente Infrastrukturen, Multi-Cloud-Umgebungen und den Trend zu softwaredefinierten IT-Landschaften.

LANline: Herr Hesske, wie entwickelt sich das Business von NetApp?

Jörg Hesske: Wir konzentrieren uns auf drei Bereiche: erstens klassische Infrastrukturen, hierbei insbesondere Flash Storage, zweitens Cloud-Infrastrukturen sowie drittens Cloud-Data-Services. Im Infrastrukturbereich, bei uns eine eigene Business Unit, haben wir uns in Deutschland einen Marktanteil von 48,3 Prozent erarbeitet, in Österreich sind es sogar 48,5 Prozent. Unser Fokus liegt dabei auf All-Flash-Systemen, in diesem Segment sind wir inzwischen in Europa die Nummer eins. Bei Cloud-Infrastrukturen sind wir letztes Jahr mit einem eigenen HCI-Angebot (Hyper-Converged Infrastructure, d.Red.) gestartet. Sehr gut läuft auch der dritte Bereich, das Geschäft mit Cloud-Data-Services. Hier arbeiten wir mit allen großen Hyperscalern zusammen. Das Schöne ist, dass die Cloud-Größen von sich aus bei uns anfragen. Denn unsere Data-Services arbeiten schneller, als das andere Lösungen am Markt nativ schaffen. Zugleich nehmen die großen Cloud-Anbieter unvorstellbar viel Geld in die Hand, um ihre Datacenter-Umgebungen weiter auszubauen.

LANline: Was lockt Ihrer Erfahrung nach die Unternehmen – darunter, wie man hört, zunehmend auch die deutschen – in die Cloud?

Jörg Hesske: Es gibt in letzter Zeit kein einziges Kundengespräch mehr, ohne dass die Cloud – in welcher Form auch immer – Thema ist. Microsoft holt hier mit Office 365 und seinen Azure-Angeboten viele klassische Enterprise-Kunden ab. Ich schätze, dass mindestens 99 Prozent unserer Anwenderunternehmen Microsoft-Lösungen wie etwa Microsoft Office im Einsatz haben. Das macht sie praktisch automatisch zu Azure-Kunden. AWS wiederum ist bei Entwicklern sehr beliebt als Plattform für schnell einzurichtende Testumgebungen. Der Einsatz von AI (Artificial Intelligence, künstliche Intelligenz, d.Red.) steht noch ziemlich am Anfang, aber auch diese rechenaufwendigen Workloads werden die Unternehmen sicher nicht lokal, sondern in der Cloud betreiben, zum Beispiel bei Google. Zugleich gibt es aber Workloads, die man im Hause behalten will. Die Hybrid Cloud ist damit das Design der Zeit. Da aber praktisch alle größeren Unternehmen mehrere Cloud-Provider, und dort jeweils zahlreiche Instanzen nutzen, geht der Weg eindeutig in Richtung Multi-Cloud-Umgebungen. Um unsere Kunden vor diesem Hintergrund bestmöglich zu unterstützen, entwickeln wir ständig unser Angebot im Bereich Daten-Management weiter.

LANline: Wie gehen Sie das Geschäft mit Cloud-Datendiensten an?

Jörg Hesske: Über die Service-Provider. Azure-Kunden zum Beispiel beziehen unsere Cloud Data Services über Azure, Microsoft vertreibt sie sozusagen für uns mit. Die Cloud-Service-Provider wiederum bekommen durch unsere Technologie zusätzliche Workloads in ihre Cloud-Umgebungen, es ist also eine Win-Win-Situation.

LANline: Warum setzen Cloud-Service-Provider und Unternehmen dabei gerade auf NetApp?

Jörg Hesske: Unser Storage-OS ist das meistgenutzte weltweit, mit großem Abstand. Denn wir bieten neben der erwähnten hohen Performance ein einheitliches Data-Services-Betriebssystem vom Datacenter bis zur Multi-Cloud, während andere Anbieter hier jeweils verschiedene Betriebssysteme nutzen. Dies ergänzen wir um HCI, wenn ein Unternehmen On-Premises-Services einsetzen will, können das aber nahtlos in die Cloud spiegeln. In dieser Form kann das sonst kein Mitbewerber abdecken.

LANline: Laut Analysten tritt derzeit das Edge Computing (Verarbeitung von Daten möglichst nahe an der Datenquelle, zum Beispiel in der Fabrikhalle) neben das Cloud Computing. Wie gut ist NetApp auf diese Entwicklung vorbereitet?

Jörg Hesske: Edge Computing ist ein Trend, den wir auf dem Radar haben. Wir werden uns in diesem Bereich vorrangig mittels Partnerschaften engagieren. Ein Beispiel dafür ist unsere Kooperation mit Nvidia.

LANline: Die Zukunft ist, da sind sich die Analysten einig, „Software-Defined“. Wie reagiert NetApp darauf, dass bei strategischen Entscheidungen die Hardware – auch die Storage-Hardware – aus dem Zentrum rückt, während Softwaresteuerung und Programmierbarkeit an erster Stelle stehen?

Jörg Hesske: Der verstärkte Fokus auf Software heißt für uns: Wir müssen unsere Vertriebsorganisation umorganisieren und die Mitarbeiter im Hardware-Sales entsprechend fortbilden und weiterentwickeln. Gerade in Deutschland haben wir hier ein mega-erfolgreiches Team.

LANline: An Bedeutung scheint vor allem die Integrierbarkeit der Services zu gewinnen, manche sprechen sogar von einer „API Economy“…

Jörg Hesske: Ja, APIs sind genau der springende Punkt. NetApp hat hier ein sehr großes Asset: die APIs, die es uns erlauben, unter unsere Daten-Services jede Hardware und jeden Provider zu setzen, um darauf die Applikationen nach Wahl laufen zu lassen. NetApp setzt durchgängig auf softwaregesteuerte Produkte und unterstützt damit den Trend zur automatisierten Infrastruktur, die sich dynamisch nach den Anforderungen der Anwendungen ausrichtet. So unterstützt Ontap über 1.500 API-Calls und ist über diesen Weg extrem automatisierbar. Unsere Solidfire-HCI-Systeme lassen sich ebenfalls komplett über APIs steuern, die Software wurde schließlich für hochskalierbare und automatisierbare Service-Provider-Umgebungen entwickelt. Und unsere Cloud-Services – also Cloud Volumes – schließlich lassen sich komplett über Restful APIs orchestrieren und automatisieren.

LANline: Herr Hesske, vielen Dank für das Gespräch.

Dr. Wilhelm Greiner ist freier Mitarbeiter der LANline.