Storage- und Daten-Management-Anbieter NetApp will der Multi-Cloud den Weg ebnen, also der Parallelnutzung mehrerer Private- und Public-Cloud-Umgebungen. Als Mittel der Wahl empfiehlt NetApp hier seine Hybrid-Cloud-taugliche Data Fabric,  eine neue SaaS-basierte Infrastruktur-Monitoring-Lösung namens Cloud Insights und eine Open-Source-Schnittstelle für die persistente (dauerhafte) Datenhaltung in dynamischen Containterumgebungen. Dies soll selbst den Umgang mit Massen unstrukturierter Daten in der Multi-Cloud ermöglichen, wie sie im Digitalisierungszeitalter etwa durch KI-Auswertungen (künstliche Intelligenz) anfallen.

Die digitale Transformation – da ist sich NetApp mit allen führenden IT-Ausrüstern einig – schreitet flott voran. Als Beispiel dafür nannte Jörg Hesske, NetApps Vice President für die DACH-Region, die vernetzte Landwirtschaft. Hier könne man heute schon per Sensorik und Cloud die Bodenverdichtung durch den Reifendruck eines Fahrzeugs berechnen. Ein neutraler Beobachter möchte sich an dieser Stelle fast schon ein wenig wundern, warum Bundesforschungsministerin Anja Karliczek meint, 5G-Mobilfunk sei „nicht an jeder Milchkanne“ erforderlich.

Als weiteres Digitalisierungsbeispiel führte Peter Wüst, bei NetApp zuständig für die Cloud-Infrastruktur und -Datendienste in Europa, WuXiNextCODE an. Das ursprünglich aus Island stammende Genomforschungsunternehmen gehört inzwischen zum chinesischen Pharmakonzern WuXi AppTec. Mit der Auswertung unstrukturierter Daten in extremer Größenordnung, wie es heute in der Genomforschung üblich ist, wären Public-Cloud-Anbieter wie AWS laut Wüst ohne NetApp-Hilfe überfordert.

Deshalb finde der hauseigene Ansatz hochperformanten Datei-Managements mittels Cloud Volume Services bei den Public-Cloud-Providern großen Anklang. Dank dieser Services sei es möglich, in allen drei führenden Clouds Datenspeicher mit dem gleichen Code standardisiert aufzusetzen. WuXiNextCODE könne so innerhalb von Minuten eine neue Gen-Sequencing-Datenbank in Amazon AWS, Microsoft Azure oder Google Cloud Platform hochfahren.

Bei File-based Storage sieht NetApp starkes Wachstumspotenzial. Wüst verwies auf Analystenzahlen von IDC: Dateibasierte Speicherung soll gegenüber 2017 bis 2022 in der Public Cloud um 38 Prozent wachsen, in der Private Cloud um 29 Prozent, in traditionellen lokalen Umgebungen hingegen nur um 20 Prozent. Die Cloud sei (ebenfalls laut IDC) bei 48 Prozent der Unternehmen Teil der Unternehmensstrategie, bei 42 Prozent Teil der IT-Strategie – ein Schelm, wer aus der Differenz der beiden Werte Konfliktpotenzial zwischen IT- und Fachabteilungen herausliest.

Besonders stolz zeigte sich NetApp auf seine noch relativ junge (seit 2018 erhältliche) Cloud-basierte Monitoring-Lösung Cloud Insights. Sie soll es erlauben, Telemetriedaten aus dem unternehmenseigenen RZ und Public Clouds zusammenführen und per Dashboard zu präsentieren. Die Telemetriedaten reichen von Compute-Instanzen über Storage-Nutzung und -I/O bis hin zur Zahl der verwendeten Switches.

Auf Basis der Dashboards könne ein Unternehmen dann für Business Analytics eigene Auswertungen erstellen, so Wüst. Eine Automation über Skripte sei möglich, dank API-Support eigne sich das Tool auch für den Einsatz ohne grafisches Interface. Die SaaS-Lösung sei vom restlichen NetApp-Geschäft unabhängig und damit ein „zusätzliches Geschäftsmodell“.

Ziel von Cloud Insights ist es laut NetApp, Workloads über Clouds hinweg „wie Legosteine“ verteilen und managen zu können. Ein Service lasse sich dabei beliebig – also ohne Rücksicht auf die einzelnen Compute- und Storage-Instanzen – skalieren, indem man Minimalwerte für Ressourcen garantiert.

Auch den Trend zu Containern statt Virtual Machines hat NetApp auf dem Radar. Während eine herkömmliche HCI (Hyperconverged Infrastructure) auf Virtualisierung aufbaut, komme NetApps HCI auch ohne Virtualisierung klar. Das eigene HCI-Angebot wollte der Hersteller deshalb lieber als „Hybrid Cloud Infrastructure“ denn als hyperkonvergente Infrastruktur verstanden wissen.

Container könne man mittels NetApp-Technik beliebig zwischen Clouds verschieben. Für die Datenpersistenz in Containern sorge man mittels Trident-API. Diese als Open Source vorliegende Schnittstelle ermögliche den Containern den Zugriff auf extern – und dort eben persistent – vorgehaltene Datenbestände. Als einzige HCI-Lösung sei die hauseigene hyperkonvergente/Hybrid-Cloud-fähige Infrastruktur „Container-ready“ und eigne sich damit als „Brückenkopf in die Multi-Cloud“, so der Anbieter.

Auf der Hannover Messe will NetApp unter der Überschrift „Shop Floor 4.0“ (Fabrikhalle 4.0) zusammen mit der Fraunhofer Gesellschaft zeigen, wie sich die Digitalisierung im Industriekontext verwirklichen lässt – nämlich mittels Containern, Cloud und einer Normierung der beteiligten Sprachen per BaSys 4.0.

Weitere Informationen finden sich unter www.netapp.com.

Dr. Wilhelm Greiner ist freier Mitarbeiter der LANline.