Cisco Live 2022, Las Vegas

Alles auf Cloud

21. Juni 2022, 7:00 Uhr | Wilhelm Greiner

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Die Zukunft der Arbeit ist hybrid

Die zweite Keynote am Folgetag begann mit Ausführungen Chuck Robbins’ zu Ciscos sozialem und Umweltengagement. Er wiederholte, begleitet von einem Öko-Werbeclip, Cisco wolle Klimaneutralität („Net Zero“) für Scope 1 und 2 bis 2025 erreichen, für Scope 3 (also einschließlich der Lieferkette) bis 2040. Zudem verfolge man weiter das Ziel, eine Milliarde Menschen zu vernetzen und in Schulen zu investieren, etwa per Partnerschaft mit dem Projekt Yellow des Rappers Pharrell Williams.

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Jeetu Patel erläuterte das Cisco-Portfolio für das digital gestützte ortsunabhängige Arbeiten.
Jeetu Patel erläuterte das Cisco-Portfolio für das digital gestützte ortsunabhängige Arbeiten.
© Cisco

Danach stand die Präsentation ganz im Zeichen von Hybrid Work. Jeetu Patel und Tood Nightingale gestanden ein, dass das digital gestützte ortsunabhängige Arbeiten noch nicht so rund läuft, wie das wünschenswert wäre. Hürden liegen laut Patel vor allem im Umgang mit nonverbaler Kommunikation, Brainstorming-Sessions oder auch spontaner Whiteboard-Nutzung. Die beiden Cisco-Manager verwiesen hier auf Ciscos speziell auf Hybrid Work ausgelegte Endgeräte der Webex-Familie wie Webex Room Bar: Das digitale Whiteboard erlaubt die standortübergreifende Touch-Eingabe verteilter Nutzer, ebenso Drag and Drop. Neu: Webex versteht sich jetzt mit Apple CarPlay. Mit der Lösung Smart Workspaces, ebenfalls auf Meraki-Basis, lassen sich dabei die Office-Räumlichkeiten verwalten, von Telemetriedaten der WLAN- und Webex-Geräte bis hin zur Raumbuchung.

Patel erklärte, in Zukunft werden 98 Prozent aller Meetings mindestens einen Remote-Teilnehmer aufweisen. Entsprechend wichtig sei Interoperabilität der Webex-Lösungen mit Microsoft Teams, Zoom, Google etc. Eine Live-Demo des Versuchs, sich mit dem Cisco-Team in Oslo via Webex und Teams zu verbinden, scheiterte allerdings. So etwas kommt vor – Live-Demos (nicht nur Cisco-Live-Demos) sind immer ein Glücksspiel (nicht nur in Las Vegas). Unglücklicherweise sah der Event-Ablauf vor, dass die beiden Manager auf der Bühne anschließend die Webex-Integration in ThousandEyes End User Monitoring vorstellen mussten – eine Überwachungslösung, die genau solche Pannen verhindern soll.

Für Entwickler offeriert Cisco, wie Principal Engineer Tim Szigeti demonstrierte, neue kostenlose API-basierte Open-Source-Lösungen. Der Service-Mesh-Manager Calisti bietet den Überblick über Service Meshes und unterstützt Resilienztests. Die Cloud-native Security-Lösung Panoptica wiederum zeigt Sicherheitsdaten im Rahmen des Mitre Att&ck Frameworks, zudem unterstützt sie laut Szigeti die Behebung von Schwachstellen mit ein paar Mausklicks. Beide Open-Source-Tools sind ab sofort verfügbar.

Thimaya Subaiya, global verantwortlich für das Thema Customer Experience, stellte Ciscos Bemühungen vor, auch die Unterstützung von Kunden und Partnern in die Cloud zu bringen: CX Cloud soll ihnen einen „One-Stop Shop“ für alle benötigten Ressourcen liefern, von Telemetriedaten bis Best Practices. Cisco U wiederum biete eine personalisierte Online-Lernplattform für die On-Demand-Fortbildung und den Erwerb von Zertifizierungen.

Zurück in die Zukunft

Ein „Zurück zum Normalzustand“ wird nicht möglich sein, hatte CEO Chuck Robbins zu Beginn der ersten Keynote betont: „Es wird immer irgendeine Art Krise geben.“ Dennoch versprühte die Cisco Live 2022 den Charme von „endlich wieder eine normale Hausmesse wie vor der Pandemie“: Allzu bekannt war das Kernthema „Cloud“ auch schon aus Zeiten vor der Pandemie, allzu überschwänglich freuten sich die Keynote-Vortragenden darüber, endlich wieder vor echten Menschen auf der Bühne zu stehen. Von den Genannten nahm sich nur Todd Nightingale die Zeit, auch das Hybrid-Work-Publikum angemessen zu begrüßen, das (wie der Autor dieser Zeilen) die Veranstaltung im Live-Stream verfolgte.

Den Zwang eines pandemiebedingten „Online Only“ wünscht sich natürlich niemand zurück, aber wir werden in der Tat weiterhin in Krisenzeiten leben, vorrangig in Zeiten der Klimakrise. Die IT-Branche hätte während der Corona-Pandemie zwei Jahre Zeit gehabt, zwischen „Zwangs-Online-Konferenz“ und „Zurück zur guten alten Zeit“ einen neuen, klimafreundlichen Mittelweg für Hausmessen zu finden – einen, der keine 16.000 Flüge nach Las Vegas und 16.000 Rückflüge erfordert. Diese Chance ist verpufft. Selbst Cisco geht zwar mit seiner Wolkenbegeisterung „all-in“, wie man in Las Vegas sagt, hat aber offenbar noch keinen Weg entdeckt, auch Kundenveranstaltungen gewinnbringend in die Cloud zu hieven. Doch der Klimawandel wird eine neue Balance zwischen Präsenz- und Online-Event erzwingen.


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