IBM-Hausmesse Think

Co-Creation mit Mainframe und KI

16. Mai 2022, 7:00 Uhr | Wilhelm Greiner
IBM Arvend Krishna und Sinead Bovell
© IBM

Wie schon kürzlich Dell (LANline berichtete), so wagte sich nun auch IBM nach zwei Jahren pandemiebedingten Online-only-Event-Geschehens wieder unters Kunden- und Partnervolk: Die Hausmesse Think fand dieses Jahr zwar weiterhin als Online-Live-Stream statt, zugleich aber hatte Big Blue laut Angaben seines CEOs Arvind Krishna auch 1.000 Gäste zur Teilnahme vor Ort geladen. Neben seinem neuen Mainframe z16 rückte der Konzern seine Quantencomputing-Fortschritte in den Fokus – und das Thema Partnerschaften.

Arvind Krishna erläuterte – statt einer Keynote – im Dialog mit der Futuristin Sinead Bovell (siehe oben), worauf es ihm bei den Themen Führung und Transformation ankommt. IT ist für den IBM-Chef dabei natürlich eine tragende Säule: „Technologie ist die Quelle eines grundlegenden Vorteils“, so Krishna. „Deshalb ist zu überlegen, wie man Technologie im Unternehmen in großer Skalierung implementiert bekommt.“ Zweitens sei wichtig: „Show, don’t tell“ – also Möglichkeiten aufzuzeigen, statt nur darüber zu reden. „Die Menschen wollen jemanden, der mit ihnen zusammen kreiert“, meint der Konzernlenker. Denn es gehe drittens um Teamwork und darum, alle an Bord zu holen, sodass alle gemeinsam am Erfolg arbeiten können. „Und das ist eine große kulturelle Veränderung“, so Krishna.

Angesichts aktueller Verwerfungen – von der „Great Resignation“ (der großen Kündigungswelle in den USA im Umfeld der Pandemie) bis hin zum Krieg – ist laut Krishna die größte Herausforderung auf Kundenseite: „Helfen Sie mir dabei, mein Business zu skalieren!“ Hier gehe es um Fragen, wie sich Automation oder KI zum Ausbau des Geschäfts nutzen lassen, ohne dass die Kosten eskalieren. Für Lösungsansätze verweist er auf das IBM-Portfolio: Bei der neuen Mainframe-Generation z16 seien Sicherheit, Resilienz und KI direkt in die Plattform integriert, zudem betreibe IBM einen 127-Qubit-Quantenprozessor in der Cloud. Zugleich arbeite man an Software, um IT-Ressourcen leichter zum Einsatz zu bringen, von AIOps (KI-gestützter IT-Betrieb) bis zu Watson Assistant für die ebenfalls KI-gestützte Online-Auftragsannahme. Ein derartiges Projekt hatte IBM letzten Herbst zusammen mit McDonald’s verkündet.

„Der Akt des Schaffens sollte immer gemeinsam erfolgen“, sagt IBM-Chef Arvend Krishna.
„Der Akt des Schaffens sollte immer gemeinsam erfolgen“, sagt IBM-Chef Arvend Krishna.
© IBM

Schlaglicht auf Partnerschaften

Die zunehmende Bedeutung von Partnerschaften in der modernen Cloud- und KI-gestützten Geschäftswelt ist auch der Kontext zu IBMs aktueller „Let’s create“-Branding-Kampage. IBM wolle damit kundtun, so Krishna, dass man offen sei für Partnerschaften: „Es geht immer um Co-Creation, Kreativität und Innovation“, so der Konzernlenker. „Der Akt des Schaffens sollte immer gemeinsam erfolgen.“ Als Beispiel dafür durfte Bryan Young sein Startup-Unternehmen Home Lending Pal vorstellen: Der Online-Finanzdienstleister aus Florida will mittels KI und Blockchain – im Finanzgewerbe darf das Schlagwort „Blockchain“ natürlich nicht fehlen! – Baufinanzierungen einfacher und gerechter machen, indem Anonymisierung Vorurteile aus dem Genehmigungsprozess entfernt – gerade in den von Rassismus geprägten USA ein heikles Thema.

Beim Vorhaben, aus Datenmassen sinnvolle Ergebnisse zu extrahieren, spielt auch die Hybrid Cloud eine wichtige Rolle, betonte Ric Lewis, SVP Infrastructure bei IBM. Denn die Daten seien heute überall und damit , ebenso wie die Anwendungen, weit verstreut. IBMs hybrider Multi-Cloud-Ansatz rund um Red Hat OpenShift und containerisierte Applikationen ermögliche es, die Kunden dort abzuholen, wo sie es wollen. IBM, so Lewis, bringe hier nicht nur einen vollständigen IT-Stack in Projekte ein, sondern auch Services bis hin zum Consulting.

Zur Think stellte IBM seine erweiterte Quantencomputing-Roadmap vor.
Zur Think stellte IBM seine erweiterte Quantencomputing-Roadmap vor.
© IBM

Quantencomputing-Roadmap

Zur Think-Konferenz stellte IBM seine erweiterte Quantencomputing-Roadmap vor. Ziel ist die Entwicklung hochskalierender, praxisgerechter Quantencomputer. Zunächst geht es dabei um größere Qubit-Zahlen – bis zu Hunderttausende von Qubits sollen laut IBM in Zukunft möglich sein. Angesichts exponentiell wachsender Leistung von Quantencomputern entspräche dies bislang ungekannter Rechenpower.

Das Vorhaben, eine Ära des praktischen Quantencomputings einzuläuten, stützt sich laut IBM auf drei Säulen: robuste und skalierbare Quantenhardware, innovative Quantensoftware – der Konzern plant den Aufbau einer zunehmend intelligenten Software-Orchestrierungsschicht zur effizienten Verteilung von Arbeitslasten und zur Abstraktion von Infrastrukturproblemen – sowie ein breites globales Ökosystem. Bei Letzterem scheint wieder IBMs neues Lieblingsthema „Partnerschaften“ durch.

IBM arbeitet daran, die Ära des praktischen Quantencomputings einzuläuten.
IBM arbeitet daran, die Ära des praktischen Quantencomputings einzuläuten.
© IBM

„Mit unserer Qiskit-Runtime-Plattform und den in unserer Roadmap skizzierten Fortschritten bei Hardware, Software und Theorie wollen wir eine Ära quantenzentrierter Supercomputer einläuten, die unserer Entwicklergemeinschaft, unseren Partnern und Kunden große und leistungsstarke Rechenräume eröffnen“, so Darío Gil, Senior Vice President und Director of Research bei IBM.

Der Konzern hat seine Quanten-Roadmap ursprünglich 2020 vorgestellt und seither die gesetzten Ziele im Zeitplan erreicht. Dazu zählt der Eagle, ein 127-Qubit-Prozessor mit Quantenschaltkreisen, die sich auf einem klassischen Computer nicht zuverlässig simulieren lassen, und dessen Architektur den Grundstein für Prozessoren mit immer mehr Qubits legen soll. Zudem habe man die Simulation eines Moleküls mit der Qiskit Runtime im Vergleich zu einem früheren Experiment aus dem Jahr 2017 um das 120-fache beschleunigt. Noch dieses Jahr will IBM den 433-Qubit-Prozessor Osprey enthüllen. Bis 2025 sieht die Roadmap einen Ausbau auf über 4.000 Qubits vor.


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