Network Transformation in Deutschland 2021

IDC-Studie: Viele Netzwerke in bedenklichem Zustand

07. April 2021, 08:00 Uhr   |  Jörg Schröper

IDC-Studie: Viele Netzwerke in bedenklichem Zustand
© Wolfgang Traub

Viele Unternehmen in Deutschland unterschätzen die Relevanz programmierbarer, automatisierbarer und performanter Netzwerke für Digitalisierungs-Techniken wie IoT, Edge Computing oder Multi Cloud. Die Folge: Netzwerke, Netzwerk-Architekturen und das Netzwerk-Management sind weder den aktuellen noch den zukünftigen Anforderungen an Netzwerk-Performance und -Funktionalität gewachsen. Dies ergab die IDC-Studie „Network Transformation in Deutschland 2021“. Dennoch zeichne sich eine gewisse Dynamik ab.

Netzwerk-Verantwortliche und ihre Teams sind stark gefordert: Der Bedarf nach mehr Automatisierung und die damit verbundene Entlastung treibt wie das Thema Security auch die Netzwerkmodernisierung voran. Im Thema Software-Defined Networking (SDN) sehen viele Firmen offenbar die Lösung ihrer Probleme. Rund ein Fünftel optimiert Anwendungsbetrieb, Sicherheit und Compliance sowie die Kosten bereits mit SDN – Tendenz steigend. An Ambitionen mangelt es ebenfalls nicht. In den kommenden 24 Monaten wollen 64 Prozent der Organisationen über moderne, smarte Netzwerkarchitekturen verfügen – eine Zahl, die im Hinblick auf Digitalisierung und Innovationen hoffen lässt.

Die neue IDC-Studie „Network Transformation in Deutschland 2021“ gibt einen umfassenden Einblick in die IT-Netzwerke deutscher Unternehmen. Basis der Studie bildet eine primäre Marktbefragung, die IDC im Februar 2021 unter 158 deutschen Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern und mindestens fünf WAN-Verbindungen und kritischen Verbindungen in Public Clouds branchenübergreifend durchgeführt hat.

Die Corona-Pandemie dominiert aktuell die Entscheidungen und Aktivitäten vieler Unternehmen und verändert die Priorisierung von Plänen, Technikadaptionen und Investitionen maßgeblich. Gleichzeitig streben die Organisationen nach modernen Geschäftsmodellen und den entsprechenden technischen Voraussetzungen. Netzwerktechnik ist dabei sowohl im Kontext verbesserter Sicherheit als auch moderner Geschäftsmodelle ein essenzieller Baustein.

Dennoch wird der Stellenwert des Netzwerks offenbar sehr heterogen bewertet, wie die Studie zeigt. Während knapp die Hälfte der befragten Unternehmen das eigene Netzwerk als reine Kostenstelle verbucht und es auf Konnektivität reduziert, schreiben ihm die anderen 50 Prozent der Firmen einen transformierenden Charakter zu. Dort werde das Netzwerk als elementare Plattform für das Alltagsbusiness und als Innovations- und Business-Enabler gesehen.

Allen gemein sei, dass ihnen die Relevanz von Netzwerken gerade deutlich vor Augen geführt werde. Die verstärkte Nutzung des Home-Offices habe klar gezeigt, wo die Probleme der IT-Infrastruktur liegen. Die gute Nachricht: Rund ein Viertel der Firmen modernisiert seine Netzwerke aktuell, ein weiteres Drittel hat das bereits im letzten Jahr erledigt. „Dennoch sind Netzwerke, Netzwerk-Architekturen und das Netzwerk-Management in deutschen Unternehmen in einem bedenklichen Zustand und vielerorts weder den aktuellen noch den zukünftigen Anforderungen an Netzwerk-Performance und -Funktionalität gewachsen, denken wir etwa an IoT, Edge Computing oder Big Data“, sagt Marco Becker, Senior Consultant und Projektleiter bei IDC. „Veraltete Hardware, nicht mehr zeitgemäße Architekturen, intransparente Netzwerke und mangelnde Management-Funktionen sind die Bottlenecks in vielen Organisationen – auch in puncto Security, das zeigt die Studie ganz klar auf.“

Das Dauerthema Sicherheit ist aus Sicht der Befragten gleichzeitig der größte Treiber für Netzwerkmodernisierungen. Aber auch das Netzwerk-Management und dessen Automatisierung sorgen für Dynamik: Die Komplexität und die schiere Menge an Daten und Devices sei mit manuellen Ansätzen nur noch schwer beherrschbar und gleichzeitig stellt das manuelle Vorgehen wiederum ein Sicherheitsrisiko dar. Viele Probleme sind laut IDC also hausgemacht.

Ein Grund dafür ist, dass mehr als die Hälfte der Netzwerke hierzulande gewachsene Landschaften sind, die nur nach dem Best-Effort-Prinzip funktionsfähig gehalten werden oder zumindest Connectivity-Driven sind. Letztere sorgen immerhin für eine optimale End-to-End-Konnektivität, ohne dabei allerdings viel Wert auf die Qualität der Konnektivität zu legen. Die andere Hälfte verfolgt modernere Architekturansätze wie softwaredefiniertes, service-driven oder intent-based Networking, um über die Konnektivität hinaus von Programmierbarkeit, Automatisierung und Intelligenz der Netzwerke profitieren zu können.

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