Deutscher TC-Hersteller distanziert sich vom Marketing-Hype

Igel: Zero Clients eine Nullnummer

01. Juni 2010, 06:12 Uhr   |  

Der Begriff "Zero Client" werde von den Anbietern für unterschiedliche Konzepte herangezogen und sei daher irreführend, so Igel-Geschäftsführer Heiko Gloge. "Zero" stehe mal für "kein lokales Betriebssystem", mal für "keine CPU, kein RAM", mal für "kein Management". Der Igel-Chef rügt, viele der proklamierten Eigenschaften seien aus technischer Sicht weder haltbar noch zukunftssicher. Letzteres treffe insbesondere auf dezidierte Hardware-Zero-Clients zu, die sich auf proprietäre Kommunikationsprotokolle stützen.

Mit dem Attribut "Zero OS" werden erstens Thin Clients versehen, die kein lokales Betriebssystem
(OS) besitzen. Nach dem Einschalten lädt der Zero Client per PXE (Preboot Execution Environment)
ein abgespecktes PC-Betriebssystem von einem Server oder PC über das Netzwerk in den
Arbeitsspeicher, zum Beispiel ein angepasstes Windows XP Professional. "Dieser Ansatz ist nicht
mehr zeitgemäß", so Heiko Gloge, denn die Hardware reiche nicht für Windows 7 aus. State-of-the-Art
der effizienten Windows-7-Bereitstellung sei VDI (Virtual Desktop-Infrastructure).

Zweitens findet man auf dem Markt CPU- und RAM-lose Zero-Clients, wie sie zum Beispiel Pano
Logic mit dem Pano Device anbietet. "Solche Ansätze erscheinen momentan sehr kostengünstig",
kommentiert Gloge. "Vor einer Investition in CPU-lose Endgeräte ist allerdings zu bedenken, dass
die Kommunikationslogik damit in Hardware gegossen ist. Die Geräte funktionieren folglich nur in
Verbindung mit einer proprietären Server-Lösung. Hinzu kommt die aktuelle Limitierung auf eine
bestimmte VDI-Lösung.“ Angesichts rasanten technischen Fortschritts böten „Zero CPU“-Clients damit
eine auf nur wenige Jahre beschränkte Zukunftssicherheit sowie ein begrenztes Einsparpotenzial (ein
Problem, das Wyse mit dem Update-fähigen Xenith zu umgehen versucht).

Drittens gibt es hardwarebasierte Zero Clients für das von Teradici entwickelte
Übertragungsprotokoll PCoIP (PC over IP). Diese dritte Gattung basiert auf Teradicis
Grafik-Chipsatz. Diese Thin Clients decodieren die Bildinformationen eines VMware-View-Desktops (ab
Version 4 mit PCoIP-Unterstützung) oder einer dedizierten physischen Workstation mit
Teradici-Host-Chipsatz (1:1-Verbindung).

Die Hersteller von PCoIP-Zero-Clients führen gerne einen besonders geringen Management-Aufwand
ins Feld ("Zero Management"), den Heiko Gloge allerdings in Frage stellt: "An diesen Geräten ist
überhaupt nichts ?zero?. Sowohl Teradici als auch die Hersteller von Hardware-Zero-Clients für
PCoIP bieten eigene Management-Lösungen mit Thin-Client-üblichem Konfigurationsumfang an.“ Dabei
fehle aber die Möglichkeit zur Erweiterung des Thin-Client-OS um zusätzliche Protokolle und
Software-Clients, was wiederum die Zukunftssicherheit in Frage stelle. Zudem beanspruche ein
Teradici-Client nach Messungen von Igel rund fünfmal so viel Server-Kapazität wie ein normaler
TC.

Igel setze deshalb auf technisch vielseitige „Universal Desktop“-TCs. Mit diesen sei der
herkömmliche TC-Betrieb, auf Wunsch aber auch das „Zero“-Konzept des OS-Streamings möglich. So
biete zum Beispiel der Igel One einen kostengünstigen, VDI-tauglichen Thin Client für kleinere
Installationen. Die Firmware der Universal-Desktop-Modelle aktualisiere Igel kontinuierlich und
kostenfrei.

Man muss Heiko Gloge insofern Recht geben, als die Anbieter von Zero Clients im Wesentlichen
lediglich das versprechen, was auch die TC-Hersteller generell schon seit Jahren propagieren:
zentralisiertes Client-Computing mit zentralisierter Verwaltung und Absicherung und damit
geringeren Management-Aufwand. Der Grabenkampf verläuft also entlang der Trennlinie, ab welchem
Punkt man auf Hardware setzt und was man in Software abbildet. Hier steht, wie immer in solchen
Fragen, die Effizienz hardwarebasierter gegen die Flexibilität softwarebasierter Lösungen – mit
einer großen, Marketing-umwölkten Grauzone dazwischen.

Man sollte also wohl in der Tat dem Marketing-Begriff „Zero Client“ nicht allzu viel Gewicht
beimessen und stattdessen die verschiedenen Ansätze zentralisierten Client-Computings
gleichberechtigt auf Eignung für den eigenen Bedarf hin abklopfen.

Weitere Informationen zu Igels Thin Clients gibt es unter
www.igel.com.

LANline/wg

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