Hersteller achten mehr auf Energieeffizienz, IDC-Studie bestätigt Bereitschaft deutscher Unternehmen zu Investitionen in "grüne" Technik

Interesse an Green IT wächst

27. November 2008, 23:58 Uhr   |  

IDC hat für das von Dell initiierte Green IT-Barometer erstmals 459 IT-Leiter europäischer Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern, darunter 80 aus Deutschland, zum Thema Green IT befragt. Laut der Studie verfügen 49 Prozent der deutschen Unternehmen bereits über eine Umweltstrategie, weitere 13 Prozent planen, eine solche Strategie innerhalb der nächsten zwei Jahre aufzusetzen.

Zu den wichtigsten Antriebskräften für Investitionen in Green IT gehören – wie andere
Marktbeobachter auch schon
berichteten
– vor allem erwartete Kosteneinsparungen (mit 70 Prozent), außerdem aber auch das Recycling und die
Erfüllung von Gesetzesvorschriften (Regulatory Compliance) mit jeweils 58 Prozent. Demgegenüber
spielen die Erwartungen von Kunden (48 Prozent) und von Mitarbeitern (49 Prozent) eine geringere
Rolle.

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Als wichtige Techniken und Maßnahmen für das Erreichen von IT-Umweltzielen nannten die
Studienteilnehmer das System- und Servermanagement (71 Prozent), den Einsatz von Software für die
Temperaturkontrolle in Rechenzentren (67 Prozent), Änderungen im RZ-Design (58 Prozent),
Virtualisierung (56 Prozent) sowie – ein wichtiger, aber mitunter gerne vergessener Faktor – das
Verhalten der Anwender (69 Prozent).

Als hauptsächliche Hürden bei der Umsetzung einer Green-IT-Strategie nannten die Befragten:
Zeitmangel (49 Prozent), fehlende verbindliche Standards und Benchmarks (43 Prozent), fehlendes
Know-how im Unternehmen (40 Prozent) sowie Konflikte mit anderen Unternehmensvorgaben (40
Prozent).

"Es ist davon auszugehen, dass in der nahen Zukunft Unternehmen ihre Green IT-Investitionen
steigern werden", so Thomas Meyer, Vice President der European System and Infrastructure Solution
Group bei IDC. "Deutsche Großkonzerne haben schon 3,9 Prozent ihres IT-Budgets in Green-IT-Projekte
investiert, und unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Green IT 4,8 Prozent der IT-Budgets in
zwei Jahren ausmachen wird."

Als Beispiel für die Bemühungen um ein umweltfreundlicheres Wirtschaften mittels IT und einen
energieeffizienteren Betrieb der IT sei Netzbetreiber BT Germany genannt: Der Service-Provider hat
bei sich im Hause eine Analyse der verursachten CO2-Belastung durchgeführt (Carbon Impact
Assessment). Die Analyse hat für das Jahr 2006 eine Baseline von zirka 31.400 Tonnen CO2-Ausstoß
ergeben. BT hat sich vorgenommen, seinen Gesamt-CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2010 um 80 Prozent zu
senken.

Den Großteil der geplanten CO2-Ausstoßreduktion hat BT laut eigenen Angaben bereits dieses Jahr
erreicht, indem man 2007 auf erneuerbare Energie aus Wasserkraft umgestiegen ist (deren CO2-Wert
vereinfachend als Null angenommen wird). Der Treibhausgasausstoß aufgrund von Reiseaktivitäten soll
um zehn Prozent sinken, der Ausstoß der Fahrzeugflotte um 20 Prozent. Dazu setzt BT unter anderem
auf den Einsatz von Telepresence-Lösungen (hochauflösende Videokonferenzen über IP).

Detaillierte Carbon Impact Assessments will der Service-Provider seinen Kunden künftig als
Beratungsdienstleistung auf Projektbasis anbieten.

Auf Anbieterseite sind nach wie vor die Serverhersteller sehr rege in ihrem Bemühen, ihre "grüne
Seite" ins rechte Licht zu rücken. So verkündete erst kürzlich IBM wieder stolz, in der
Green500-Liste (einer Auflistung der Supercomputer nach ihrer Energieeffizienz) nicht nur den
ersten Platz, sondern darüber hinaus 39 der Top-50-Plätze zu belegen (
LANline
berichtete
).

Server- und PC-Hersteller Dell wiederum engagierte sich nicht nur für die oben erwähnte
IDC-Studie, sondern bemüht sich in vielerlei Hinsicht um ein umweltfreundliches Image. So konnten
Anwender laut Dell mit den seit 2005 auf den Markt gebrachten Optiplex-Desktops weltweit bisher
geschätzte drei Milliarden Dollar an Stromkosten sparen und gleichzeitig den CO2-Ausstoß um rund 29
Millionen Tonnen reduzieren. Der neue Energy Smart Optiplex 960 Desktop verbrauche im Vergleich zum
Vorgängermodell Optiplex GX620 43 Prozent weniger Energie, zudem erfülle er bereits die
Energy-Star-5.0-Spezifikation der US-Umweltbehörde EPA.

Neben den Großen der Branche bietet der Green-IT-Markt aber auch Platz für Spezialisten: So
bietet zum Beispiel Trigem aus dem deutschen Buttenwiesen mit dem All-in-one-PC Averatec A1 einen
Rechner, der als integrierte Einheit mit 18,4-Zoll-Bildschirm und Intel-1,6-GHz-Atom-Prozessor laut
Hersteller nur 26,5 Watt verbraucht.

Auch bei den Netzwerkausrüstern finden Green-IT-Aspekte zunehmend Verbreitung. So hat zum
Beispiel D-Link schon seit geraumer Zeit unter dem Label "Green Ethernet" spezielle Mechanismen für
höhere Energieeffizienz in einigen Switches implementiert (
LANline
berichtete
). Dies dehnt der Anbieter nun nach und nach auf weitere Produktreihen aus.

So stattet er nun den Wireless-N-Parallelband-Router DIR-855 und den Wireless-N-Gigabit-Router
DIR-655 mit den Energiesparmechanismen aus. Aufgrund ausgeschalteter oder getrennter Endgeräte
nicht benötigte Ports werden automatisch in den Standby-Modus versetzt. Außerdem wird, ähnlich der
Vorgehensweise bei den LAN-Switches, die Sendeleistung bei Kabellängen unter 20 Meter reduziert, um
Strom zu sparen. Dies soll laut D-Link den Energieverbrauch im Schnitt um rund 21 Prozent
senken.

Auch Netzwerkausrüster Allied Telesis, bislang recht zurückhaltend in Sachen Green IT, hat das
Thema nun für sich entdeckt. Er kündigte jüngst "eine Reihe von Innovationen" an, die den
Stromverbrauch der Netzwerkgeräte reduzieren sollen, darunter die "Eco-Switch"-Technik, mit der
sich laut Hersteller die Geräte per Tastendruck in den Modus mit dem geringstmöglichen
Energieverbrauch schalten lassen.

Der Administrator könne zudem per Richtlinie vorgeben, dass Ports nachts automatisch
abgeschaltet werden, sodass ungenutzte Switches keine Energie vergeuden. Zudem werde, wie auch bei
D-Links Green-Ethernet-Geräten, die Länge der angeschlossenen Ethernet-Kabel gemessen und bei
kurzen Kabeln die Sendeleistung gesenkt. Das erste Gerät der neuen Familie von Allied Telesis ist
der Layer-2-Switch AT-9000/28.

Jörg Kracke, Zentraleuropachef bei 3Com, empfiehlt mehrere Maßnahmen, um Netzwerke möglichst
energieeffizient auszulegen:

– Umstieg auf SIP-basiertes Voice over IP und Video Conferencing;

– Wahl eines Netzwerkanbieters, der eine möglichst hohe Energieeffizienz auf Chip-, Speicher-
und Stromversorgungsebene bietet;

– Integration von Netzdiensten und -anwendungen, um unnötige Hardware und deren Energiebedarf zu
vermeiden;

– Optimierung der Netzwerkinfrastruktur: So könne der Austausch von älteren Switches wie dem
3Com Switch 4924 durch den 4200G in einem typischen Unternehmens-LAN mit 100 Ethernet-Switches und
2000 Netzwerkknoten genug Strom sparen, um rund 125 Häuser mit Licht zu versorgen;

– Nutzung eines Ethernets unter Berücksichtigung des Standards IEEE 802.3az (der allerdings erst
im Jahr 2010 verabschiedet werden dürfte).

Um den Unternehmen eine Hilfestellung auf dem Weg zu Green IT zu geben, hat die Europäische
Kommission Ende Oktober einen "Code of Conduct on Data Centres Energy Efficiency Version 1.0"
vorgestellt. Interessenten finden das Dokument
hier.

LANline/Dr. Wilhelm Greiner

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