Avast: So schützen Sie sich vor dem Telnet-Leak

500.000 Telnet-Anmeldedaten könnten frei zugänglich sein

27. Januar 2020, 08:53 Uhr   |  Von Dr. Jörg Schröper.

500.000 Telnet-Anmeldedaten könnten frei zugänglich sein

Vor wenigen Tagen hat ein Hacker eine Liste mit Telnet-Anmeldedaten für mehr als 500.000 Server, Router und IoT-Geräte veröffentlicht. Neben der jeweiligen IP-Adresse enthält sie auch Nutzernamen und Kennwörter für den Telnet-Dienst. Telnet ist ein Netzwerkprotokoll, das bereits 1969 entwickelt wurde, um den Fernzugriff auf Geräte und Server zu ermöglichen. Heute ist es in einem Großteil der IoT-Geräte enthalten, wie beispielsweise IP-Kameras. Marko Zbirka, IoT Threat Researcher beim Security-Anbieter Avast, erklärt, woran Nutzer erkennen, ob der Telnet-Port ihrer Geräte freiliegt, wie sie ihre Telnet-Anmeldeinformationen ändern können und was Hacker mit solchen Zugangsdaten anstellen können.

Mit einem Wi-Fi-Inspektor, wie beispielsweise von Avast, können Nutzer überprüfen, ob der Telnet-Port ihrer Geräte freiliegt. Dieser scannt das Netzwerk und sucht nach Geräten, die Telnet verwenden, sowie nach leeren, standardisierten oder schwachen Kennwörtern und warnt die Benutzer, damit sie Änderungen zur Sicherheit ihres Netzwerks vornehmen können. Er sucht auch nach Kennwörtern, die in der Vergangenheit von Malware-Botnets, einschließlich des Mirai-Botnets, verwendet wurden.

Darüber hinaus können Nutzer, indem sie sich bei der Verwaltungsoberfläche ihres Routers anmelden, feststellen, ob Telnet auf ihrem Router aktiviert ist. Wenn Telnet nicht aktiv genutzt wird, sollten Benutzer es vollständig deaktivieren. Dasselbe gilt für Port-Weiterleitung und UPnP. Wenn diese nicht wissentlich verwendet werden, sollten sie sie ebenfalls deaktivieren.

Die Anmeldeinformationen sind von Gerät zu Gerät verschieden, in jedem Fall sollten Nutzer jedoch die Standard-Anmeldeinformationen bei der Installation eines neuen Geräts ändern. Einige Geräte haben separate Telnet-Anmeldeinformationen, während bei anderen Geräten der Telnet-Port einfach durch die Anmeldung am Gerät zugänglich ist. Viele Benutzer melden sich nur einmal bei der Einrichtung ihrer Geräte an und dann nie wieder.

Laut einer Umfrage von Avast wissen 23 Prozent der Befragten nicht, dass ihr Router eine Web-Administrationsschnittstelle hat, über die sie sich einloggen können, um die Einstellungen ihres Routers anzuzeigen und zu ändern. Auch sollten es Anwender vermeiden, denselben Benutzernamen und dasselbe Passwort auf mehreren Geräten und Konten zu verwenden. Sobald Cyberkriminelle ein Gerät gehackt haben, versuchen sie oft, weitere Konten zu hacken. Die Angreifer wissen sehr wohl, dass viele Benutzer dieselben Anmeldeinformationen für mehrere Konten und Geräte verwenden. 40 Prozent der Deutschen nutzen dasselbe Passwort für mehrere Konten. Neben dem Ändern der Anmeldeinformationen sollten Firmware und Software der Geräte regelmäßig aktualisiert werden, um Schwachstellen zu beheben.

Sobald ein Hacker Zugriff auf den Telnet-Port hat, kann er Malware herunterladen, installieren und das Gerät missbrauchen. In den meisten Fällen verwenden Hacker angeschlossene Geräte, um ein Bot-Netz herzustellen, das sie dann für DDoS-Angriffe auf beliebte Websites, für Crypto-Mining und zum Scannen des Internets und des Netzwerks, an dem das infizierte Gerät angeschlossen ist, verwenden können, um andere Geräte zu infizieren und anzugreifen. Dass ihr Gerät Teil eines Bot-Netzes geworden ist, erkennen Nutzer an verdächtigem Datenverkehr und daran, dass ihr Gerät langsamer als gewöhnlich reagiert.

Um derartige cyberkriminelle Aktivitäten abzufangen und die Angriffsmethoden zu untersuchen, hat Avast nach eigenen Angaben weltweit 500 Honeypots, die mit offenen Ports programmiert wurden. Dazu gehört zum Beispiel das Telnet-Protokoll auf Port 23, das in IoT-Geräten zu finden sind. Am 19. Januar 2020 beispielsweise haben Cyberkriminelle 347.476 Mal versucht, auf den entsprechenden Port des Honeypots von Avast zuzugreifen.

Weitere Informationen sind unter www.avast.com in den Ergebnissen der Avast-Umfrage zu schwachen Passwörtern sowie dem Avast Smart Home Report zu finden.

Dr. Jörg Schröper ist Chefredakteur der LANline.

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