VSC-4: Österreichs neuer Supercomputer bricht die Petaflop-Schallmauer

Forscher nehmen in Wien neuen Supercomputer in Betrieb

17. Juli 2019, 12:27 Uhr   |  Von Dr. Jörg Schröper.

Forscher nehmen in Wien neuen Supercomputer in Betrieb

Als Gemeinschaftsprojekt mehrerer Universitäten geht derzeit Österreichs größter Computer an den Start: Der VSC-4 schafft es auf Platz 82 der Weltrangliste. Der "Vienna Scientific Cluster 4" (VSC-4) ist der leistungsfähigste Computer, der je in Österreich in Betrieb genommen wurde. Es handelt sich dabei um ein Gemeinschaftsprojekt von fünf österreichischen Universitäten - TU Wien, Universität Wien, Universität für Bodenkultur Wien, TU Graz und Universität Innsbruck. Das Supercomputer-Projekt ist finanziell maßgeblich unterstützt durch das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung. Installiert wurde der Großrechner an der TU Wien. Nun ist er funktionstüchtig, bis der Abnahmeprozess vollständig abgeschlossen ist, werden allerdings noch einige Wochen vergehen, so die künftigen Betreiber.

Im Spätherbst soll der Großrechner von Lenovo dann für wissenschaftliche Berechnungen zur Verfügung stehen. Mit einer Leistung von 3,7 Petaflops (eine Million Milliarden Rechenoperationen pro Sekunde) ist der VSC-4 mehr als fünfmal so leistungsstark wie das Vorgängermodell VSC-3. Damit habe man erstmals in Österreich die Petaflop-Schallmauer durchbrochen, so die Betreiber. In der Weltrangliste der Supercomputer schafft es der VSC-4 damit auf Platz 82.

"Die Strategie der VSC-Partneruniversitäten, gemeinsam einen Supercomputer auf internationalem Spitzenniveau zu betreiben, hat sich in den vergangenen Jahren bestens bewährt", freuen sich Frau Prof. Regina Hitzenberger, Vizerektorin für Infrastruktur an der Universität Wien, und Prof. Johannes Fröhlich, Vizerektor für Forschung und Innovation an der TU Wien, als Vertreter der VSC-Eigentümer. "Mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums können wir gemeinsam unseren Forschungsgruppen ausgezeichnete Infrastruktur im Bereich High-Performance-Computing zur Verfügung stellen. Für eine Universität alleine wäre das in dieser Qualität nicht möglich."

"Mit dem VSC-4 ist sichergestellt, dass die Forschung am Wissenschaftsstandort Österreich im Bereich High-Performance-Computing auch in Zukunft einen internationalen Spitzenplatz einnehmen kann", sagt Bundesministerin Iris Rauskala. Den VSC-4 habe man im Dezember 2018 bestellt und am 18. Juni 2019 vorläufig in Betrieb genommen. "Er ist nun im Prinzip funktionstüchtig, allerdings dauert es bei solchen Großrechnern immer einige Zeit, bis die Abnahme fertig durchgeführt ist und das Gerät den Regelbetrieb aufnehmen kann", sagt Professor Herbert Störi, Leiter des VSC-Research Centers. "Die Abnahme macht sehr gute Fortschritte. Wir sind sehr zuversichtlich, dass der VSC-4 wie geplant ab Herbst für wissenschaftliche Berechnungen genutzt werden kann."

Benchmark-Tests gab es bereits - und die Resultate seien sehr erfreulich. Insgesamt verfügt der VSC-4-Supercomputer über 790 Knoten zu je zwei Prozessoren mit je 24 Kernen - also insgesamt 37.929 Prozessorkerne. Damit erreicht der VSC-4 eine Spitzenleistung von 3,7 Petaflops (im Dauerbetrieb 2,7 Petaflops). Um Energie zu sparen erhielt der VSC-4 eine speziell designte effiziente Wasserkühlung.

Vom Urknall bis zur Medizin

Wie schon seine Vorgänger VSC, VSC-2 und VSC-3 soll auch der VSC-4 für eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Forschungsbereiche dienen: Für Simulationen des frühen Universums kurz nach dem Urknall soll der Supercomputer genauso eingesetzt werden wie für Bioinformatik oder medizinische Simulationen. Quantenphysikalische Berechnungen für die Entwicklung neuer Materialien spielen laut Plan dann ebenso eine Rolle wie Modelle zum optimalen Management öffentlicher Verkehrsmittel. In vielen verschiedenen Forschungsbereichen sind Großrechner mit extrem hoher Rechenleistung heute unverzichtbar.

Weitere Informationen stehen unter www.lenovo.com und zid.univie.ac.at/vsc/ zur Verfügung.

Dr. Jörg Schröper ist Chefredakteur der LANline.

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