Nachhaltigkeit gewinnt an Bedeutung

Green IT kann mehr

03. Dezember 2009, 09:26 Uhr   |  

Die Green-IT-Debatte konzentrierte sich lange auf die Verbesserung der Energiebilanz von IT-Equipment. Immer stärker rückt in den Fokus, dass IT andere Industriezweige effizienter und damit umweltfreundlicher machen kann. Google geht nun noch einen Schritt weiter: Mit Google Earth will die Softwareschmiede die Mächtigen der Welt zum Handeln bewegen. "Die Wirtschaftslage hat den Bedarf erhöht, die Kosten für die Stromversorgung und Kühlung der Rechenzentren zu senken", bringt Ben Grimes, CTO des RZ-Management-Spezialisten Avocent, die primäre Green-IT-Motivation auf den Punkt. Grimes plädiert deshalb für den Einsatz von Tools, die es erlauben, sämtliche IT- und Nicht-IT-Bestände eines RZs komplett zentral zu überwachen und somit deren Nutzung zu optimieren. Die Branche ist sich einig, dass so enorme Kostensenkungen möglich sind. Einige Fachleute wie Dennis Pamlin vom WWF weisen schon seit Jahren darauf hin, dass der IT-Einsatz als Mittel zur Prozessoptimierung in anderen Industriebereichen (Produktion, Handel, Logistik etc.) ein noch weit größeres Optimierungspotenzial birgt. Dessen nehmen sich die IT-Anbieter immer stärker an, so zum Beispiel IBM im Rahmen seiner "Smarter Planet"-Initiative oder auch Cisco. Der Netzwerkausrüster hat ein "Converged Building Systems"-Konzept für das netzwerkbasierte, energieoptimierte Gebäude-Management vorgestellt, zudem kooperiert er - wie auch andere Branchengrößen - mit Energieversorgern, um "Smart Grids" (intelligente Stromversorgungsnetze) zu realisieren. So hat Cisco Deutschland zusammen mit Yello Strom ein Smart-Grid-Pilotprojekt gestartet. "Bis zu 70 ausgewählte Haushalte und Betriebe", hieß es, will man mit innovativer IP-Technik zur Verbrauchssteuerung von Elektrogeräten sowie zur Steuerung dezentraler Energieerzeugung mittels Photovoltaik, Blockheizkraftwerken oder Wärmepumpen ausstatten. Online-Stromzähler sollen den Kunden den eigenen Stromverbrauch viertelstündlich aktualisiert anzeigen. Energie-Management-Systeme und Smart Plugs zur Steuerung der Energieverbraucher und der dezentralen Energieerzeuger sollen helfen, den Stromverbrauch um zirka zehn Prozent zu senken und um weitere 15 Prozent zeitlich zu verschieben. Dies verringert die Last in Spitzenzeiten. Eine spannende neue Green-IT-Facette bringt Google ins Spiel: Pünktlich zum Klimagipfel der Vereinten Nationen von 7. bis 18. Dezember 2009 in Kopenhagen (COP15) will der Anbieter seine beliebte Geografiesoftware Google Earth um -Features zur Visualisierung und Simulation des Klimawandels erweitern. Dies ist einem Video zur Ankündigung der neuen Funktionen (siehe Kasten) zu entnehmen, für das Google den Ex-US-Vizepräsidenten und renommierten Umweltaktivisten Al Gore gewonnen hat, dessen Buch "An Inconvenient Truth" zumindest einen Teil seiner Landsleute wachgerüttelt hat. "In Zusammenarbeit mit der dänischen Regierung und anderen launchen wir eine Reihe von Google-Earth-Layers und -Touren, die es ermöglichen, die potenziellen Auswirkungen des Klimawandels auf unseren Planeten und die Lösungen für den Umgang damit zu erforschen?, hieß es dazu auf Googles offiziellem Blog. Das Video "Confronting Climate Change? (Der Umgang mit dem Klimawandel) mit Al Gore sei nur das erste einer Reihe ähnlich gelagerter Filme, die in den nächsten Wochen folgen sollen. Zudem plane Google mit der dänischen Regierung den "Youtube COP15 Channel". Dort könnten Mitbürger ihre Gedanken und Fragen zum Thema beisteuern. Die bestbewerteten Beiträge sollen am 15. Dezember in einer CNN/Youtube-Debatte weltweit ausgestrahlt werden. Wie im Al-Gore-Video zu sehen, wird die neue Funktionalität den Betrachtern die drohenden Auswirkungen des Klimawandels plastisch vor Augen führen. Dies soll bei ausreichender Verbreitung helfen, die Regierungschefs über schöne Worte hinaus in Zugzwang zu bringen - selbst die USA. Dr. Wilhelm Greiner

Weblinks

Klimagipfel der UN: en.cop15.dk

Google Earth: earth.google.com/intl/de

Al Gore: www.algore.com

Google Earth Climate Intro kurz: www.youtube.com/watch?v=jPIo7lteCZk

Google Earth Climate Intro lang: www.youtube.com/watch?v=J7ygf-puKm0

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