Innovationszentrum Connected Living veröffentlicht Positionspapier

Klimaschutz durch Digitalisierung im Gebäudesektor

21. September 2018, 13:17 Uhr   |  Von Dr. Jörg Schröper. | Kommentar(e)

Klimaschutz durch Digitalisierung im Gebäudesektor

Das Innovationszentrum Connected Living hat nach eigenen Angaben gemeinsam mit seinen Mitgliedern ein Positionspapier zum Beitrag von Gebäudeenergiesystemen zur Energiewende und Erreichung der Klimaschutz-Ziele veröffentlicht. Die darin enthaltenen Thesen und Handlungsempfehlungen wurden am 13. September im Rahmen eines "parlamentarischen Frühstücks" Mitgliedern des deutschen Bundestages aus den Ausschüssen "Wirtschaft und Energie", "Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit" und "Digitale Agenda" vorgestellt und diskutiert.

Das von Mitgliedern des Innovationszentrums Connected Living entwickelte Positionspapier thematisiert demnach insbesondere die großen Energieeinsparpotenziale von Smart-Building-Lösungen, die - bei deutlich geringeren Investitionskosten im Vergleich zur klassischen Gebäudedämmung - nach Einschätzung von Connected Living einen wichtigen Beitrag zur Erreichung eines klimaneutralen Gebäudebestandes in Deutschland leisten können. Connected Living ist nach eigenen Angaben Deutschlands größte Open-Innovation-Plattform für das digital vernetzte Leben und sieht sich mit mehr als 65 Mitgliedsinstitutionen auch Sprachrohr der Mitglieder in die Politik.

Die dem Positionspapier zugrunde liegenden Connected-Living-Forschungsprojekte SHAPE und ProSHAPE sowie weitere großflächige Feldtest haben laut der Veröffentlichung bewiesen, dass sich durch den Einsatz digital vernetzter Technik rund 20 Prozent Heizenergie sowie CO2-Emissionen einsparen lassen und damit ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz entsteht.

Die Technik gebe Nutzern mehr Einfluss auf ihren Energieverbrauch und mache sie zu aktiven Teilnehmern der Energiewende, heißt es im Papier. Laut Dr. Manfred Riedel, Gründer und Geschäftsführer von Dr. Riedel Automatisierungstechnik und Mitglied von Connected Living, sei aktuell jedoch nicht einmal ein Prozent der rund 19 Millionen Wohngebäude in Deutschland erschlossen. Bei Neubauprojekten und Quartierssanierungen fände Smart-Building-Technik zwar schon Anwendung, um die Energiewende im Gebäudesektor zu beschleunigen, müsse jedoch auch die digitale Infrastruktur in Bestandsgebäuden ausgebaut werden. Für die flächendeckende Umsetzung solcher Systeme in Deutschland sei die Schaffung von gesetzgeberischen Rahmenbedingungen von großer Bedeutung.

Als eine mögliche politische Unterstützungsmaßnahme sieht das Innovationszentrum die Aufnahme digitaler Techniken in das geplante Gebäudeenergiegesetz (GEG), das die energetischen Anforderungen an Gebäude vereinheitlicht und einen Standard für Niedrigstenergiegebäude setzt. Die Gewährung eines Energiebonus für die Umsetzung von digitalen Systemen in Gebäuden könne zu mehr Nutzerakzeptanz gegenüber Smart-Building-Techniken und so zu einer erhöhten Verbreitung führen.

Auch die umlagefähige Aufnahme digitalisierter Systeme in die Betriebskostenverordnung wird im Positionspapier als mögliche politische Maßnahme aufgeführt. Hauptziel sei es dabei, das "Investor-Nutzer-Dilemma“, bei dem der Gebäudeeigentümer alleiniger Träger der Umsetzungskosten für Smart-Building-Lösungen ist und der Nutzer ohne Kostenbeteiligung von den Energieeinsparpotenzialen profitiert, zu vermeiden. Durch die Erfassung digitaler Techniken in der Betriebskostenverordnung könne hingegen die Finanzierung der Lösungen erfolgen, ohne den Eigentümer oder Mieter finanziell zu belasten, da sich die zusätzlichen Kosten für Smart-Building-Techniken durch geringere Heizkosten für die Bewohner ausgleichen würden, so Dr. Oliver Weinmann, Vorstandsmitglied von Connected Living und Geschäftsführer von Vattenfall Europe Innovation.

Darüber hinaus sieht das Innovationszentrum die Einführung einer staatlichen Investitionszulage für digitale Lösungen als eine wirksame politische Maßnahme, die insbesondere bei Gebäudeeigentürmern die Bereitschaft für den Einsatz derartiger Systeme erhöhen könne und sowohl für den Selbstnutzer (Mieter) als auch den Wohnungseigentümer eine gerechte Lösung böte.

Das Innovationszentrum Connected Living strebt nach eigenen Angaben auch in Zukunft einen engen Austausch zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik an, um die Digitalisierung im Gebäudesektor weiter voranzutreiben und so die Führungsrolle Deutschlands in der Energie- und Wärmewende auszubauen.

Das vollständige Positionspapier ist hier zum Download verfügbar: connected-living.org/content/4-information/4-downloads/5-positionspapiere/1-klimaschutz-durch-digitalisierung-im-gebaeudesektor-jetzt-hemmnisse-abbauen/20180919_positionspapier-connected-living.pdf.

Dr. Jörg Schröper ist Chefredakteur der LANline.

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