Trendprognosen der Software AG für die Finanzbranche 2018

Software AG: Finanzdienstleister werden Blockchains nutzen

19. Dezember 2017, 13:19 Uhr | Von Dr. Jörg Schröper.
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Die Software AG hat Prognosen für das Business der Finanzdienstleister im Jahr 2018 veröffentlich. Demnach befinde sich die Branche im Umbruch. Im Rahmen der Digitalisierung drängen immer mehr Wettbewerber mit neuen Geschäftsmodellen auf den Markt. "Um zukunftsfähig zu bleiben, müssen sich etablierte Finanzdienstleister verstärkt mit innovativen Technologien und Möglichkeiten auseinandersetzen", erklärte Werner Rieche, Geschäftsführer der Software AG Deutschland.

In den letzten Jahren diskutiere man darüber, ob Blockchains die Banken überflüssig machen würden. Jetzt zeige sich: Das Gegenteil ist der Fall. Stattdessen setzen Finanzdienstleister die neue Technik selbst ein, um ihre eigenen Geschäftsprozesse effizienter zu machen. Erste Anwendungen in der Praxis gebe es bereits. Im Bereich Collateral-Management nutzen Unternehmen Blockchains zum Beispiel als Datenbank, um Sicherheiten zu verwalten. Eigentumsrechte lassen sich dann ganz einfach zwischen verschiedenen Banken transferieren. Auch im Bereich Corporate Actions und Trade Finance gebe es erste Ansätze, Blockchains einzusetzen.

Damit das Blockchain-Konzept funktioniert, müssen sich Banken laut der Software AG allerdings auf Standards einigen. Sie brauchen gemeinsame Lösungen, damit nicht zu viele Blockchains entstehen, mit denen man sich verbinden muss.

Zudem gewinnen offene Schnittstellen 2018 enorm an Bedeutung. Dies hat mehrere Gründe: Zum einen mache die PSD2-Verordnung (Payment Service Directive 2) es erforderlich, dass auch externe Partner auf ein Banksystem zugreifen können. Um dies gut zu bewerkstelligen, benötige man APIs. Zum anderen wollen viele Banken künftig "Instant Payment" anbieten. Bei einer Zahlung müssen sie dann dafür sorgen, dass das Geld innerhalb von zehn Sekunden auf das Konto des Empfängers transferiert wird. Solche schnellen Zahlungsprozesse sind wichtig, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Andernfalls laufen Banken laut der Prognose Gefahr, dass branchenfremde Unternehmen wie Amazon, Google, Apple oder Facebook selbst Finanzdienstleistungen entwickeln und ihnen so Kunden wegschnappen.

Über APIs lassen sich sowohl Instant Payments ansteuern als auch externe Partner anbinden. Kooperation statt Konfrontation heiße die Devise: Facebook könnte dann zum Beispiel ein Frontend für eine Zahlung anbieten, aber das Backend stellt weiterhin die Bank zur Verfügung. Klickt ein Kunde auf "Zahlung ausführen", wird über ein API eine Funktion bei der Bank aufgerufen.

Immer wichtiger werde somit auch der Aspekt der "API Governance". Viele Unternehmen sind bereits dabei, mit APIs zu arbeiten. Dies bedarf genauer Kontrolle, um einerseits einen Wildwuchs an APIs zu verhindern und andererseits den Zugriff auf APIs zu regeln beziehungsweise später auch zu monetarisieren.

Für die Absicherung des Unternehmens ist künstliche Intelligenz (KI) auf dem Vormarsch. Selbstlernende Systeme sind in der Lage, anhand von Datenanalysen unter Millionen von Vorgängen wiederkehrende oder verdächtige Verhaltensmuster aufzudecken - zum Beispiel, ob ein Hacker mehrmals und auf ähnliche Weise versucht hat, ein System zu knacken. Dank KI lernen die Security-Lösungen dazu und sind im Idealfall in der Lage, Bedrohungen zu erkennen, bevor es zu einem Sicherheitsvorfall kommt.

Je besser Sicherheitstechniken werden, desto mehr konzentrieren sich Hacker aber auch auf das am einfachsten zu erreichende Ziel: den Menschen. Mit Social Engineering können Cyberkriminelle die besten Security-Systeme aushebeln. Umso wichtiger werden in Zukunft Schulungen und Maßnahmen zur Mitarbeitersensibilisierung.

Viele moderne Security-Systeme arbeiten heute plattformbasiert. Auch um die anderen genannten IT-Trends umzusetzen, sind Plattformen laut der Prognose ideal. Deshalb werden sie 2018 eine tragende Rolle spielen. Mit Plattformen lassen sich laut Software AG zum Beispiel Blockchains komfortabel in die IT-Systeme im eigenen Haus integrieren. Außerdem ermöglichen sie es, externe Partner schnell und einfach anzubinden. So können Banken neue Geschäftsideen oder Kooperationen ausprobieren, ohne dafür eigene Lösungen zu programmieren. Dadurch gewinnen sie mehr Flexibilität und Agilität - und können besser mit innovativen Start-ups mithalten.

Bei aller modernen Technik müssen Banken ihre Digitalisierung jedoch vor allem an einem ausrichten: ihrem Kunden, so die Software AG. Werner Rieche fasst dies folgendermaßen zusammen: "Technologie ist immer nur Mittel zum Zweck und arbeitet im Hintergrund. Erfolgreich wird sein, wer seine Zielgruppe kennt und bei allen Maßnahmen den Mehrwert für den Kunden im Kopf behält und die eigenen Mitarbeiter mitnimmt."

Weitere Informationen stehen unter www.softwareag.com bereit.

Dr. Jörg Schröper ist Chefredakteur der LANline.

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