Lünendonk: Fehlendes Know-how erschwert Blockchain-Einsatz

Unternehmen bestätigen Potenzial von Blockchain-Technik

31. Oktober 2018, 07:30 Uhr   |  Von Dr. Jörg Schröper.

Unternehmen bestätigen Potenzial von Blockchain-Technik

Sie gehört zu den aktuellen Hype-Themen im Umfeld der Digitalisierung: die Blockchain-Technik. Ihre Faszination liegt vor allem in dem enormen Potenzial begründet, bestehende Prozesse zu verändern und zu vereinfachen, aber auch ganze Branchen wie beispielsweise den Banksektor zu bedrohen. Wenig überraschend ist es daher, dass sich gerade die Finanzdienstleistungsbranche bereits sehr intensiv mit der Blockchain beschäftigt - zum einen, um Transaktionen zukünftig fälschungssicher zu gestalten; zum anderen, um ihre Rolle als Intermediäre für bestimmte Geschäftsvorfälle zu sichern und somit die Bedrohung zur Chance zu machen. Dies sind Ergebnisse einer Studie zum Status quo von Blockchain-Techniken in großen Unternehmen und Konzernen, die Lünendonk gemeinsam mit NTT Data in der Sonderanalyse "Blockchain - Realität? Hype? Oder beides?" veröffentlicht hat. Sie steht unter www.luenendonk-shop.de kostenfrei zum Download zur Verfügung.

Von den Unternehmen, die sehr große Chancen in der Nutzung von Blockchain-Technik sehen, rollen aktuell 51 Prozent bereits entsprechende Anwendungen aus. 49 Prozent der Befragten gaben an, derzeit noch mögliche Anwendungsfälle zu identifizieren. In weiteren elf Prozent der befragten Unternehmen sind entsprechende Use Cases bereits identifiziert und erste Prototypen in der Entwicklung.

"Besonders viele Use Cases werden aktuell von den Finanzdienstleistern entwickelt, was auf einen hohen Druck in diesem Sektor für Veränderungen hindeutet", analysiert Mario Zillmann, Partner bei Lünendonk & Hossenfelder. "So steigt der Druck durch Fintechs und Online-Banken auf traditionelle Institute, da diese mit Hilfe neuer Technologien die Kundenanforderungen an digitales Banking teilweise besser abdecken können."

Aber auch zur Automatisierung von Geschäftsprozessen eigne sich die Blockchain: So nutzen bereits 36 Prozent der untersuchten Banken im Bereich Clearing von Transaktionsprozessen sehr stark die Blockchain, um beispielsweise die Abrechnung von Handelstransaktionen zu vereinfachen. Von den Versicherungen, in denen die Blockchain bereits relevanter Teil der Unternehmensstrategie ist, setzen 31 Prozent die Technik sehr intensiv zur Absicherung von Wetter- und Ernterisiken ein. Die Optimierung des Schadens-Managements sei ein weiteres spannendes Einsatzgebiet der Blockchain, um Versicherungsbetrug künftig auszuschließen.

Dagegen sehen nur fünf von zwölf befragten Automobilunternehmen (OEMs und Zulieferer) aktuell und in naher Zukunft eine strategische Relevanz in der Blockchain. In der Industrie berichten einige der befragten Manager bei der Optimierung der Supply Chain von konkreten Einsatzfällen der Blockchain, während Themen wie Field Services oder Machine-to-Machine-Kommunikation perspektivische Anwendungsbereiche mit hohem Potenzial zu sein scheinen.

Aus Sicht der Mehrheit der befragten Manager kann Blockchain-Technik maßgeblich dazu beitragen, dass Unternehmen komplett neue Geschäftsmodelle und Formen der unternehmensübergreifenden Zusammenarbeit aufbauen. 53 Prozent der befragten Manager sehen für die Unterstützung beim Aufbau von Ökosystemen im Rahmen digitaler Geschäftsmodelle einen großen Vorteil, die Blockchain zu nutzen.

Vor allem im Umfeld von IoT entwickeln Unternehmen immer mehr neue Geschäftsmodelle, beispielsweise zur Vernetzung von Haushaltsgeräten, im Bereich der Produktionssteuerung, der Elektromobilität oder zur Vernetzung von Fahrzeugen mit Internetangeboten. Folglich sehen ähnlich viele Befragte (49 Prozent) die Vorteile der Blockchain darin, Kooperationspartner besser in ihre Geschäftsmodelle einzubinden beziehungsweise den notwendigen Datentransfer (rechts-)sicher und konform zu den eigenen Compliance- und Security-Anforderungen sowie zu denen der Aufsichtsbehörden zu gestalten.

Ein konkretes Beispiel ist das Aufladen von Elektrofahrzeugen mittels Induktion an Ampeln. Die Übertragung der Abrechnungsdaten erfolgt durch Sensoren am Fahrzeug in die Blockchain und als Währung dient ein Bitcoin- oder Etherium-Kundenkonto. Für die Akzeptanz von so genannten Smart Contracts sind sichere Prozesse notwendig, bei denen die Kundendaten nicht manipulierbar sind.

Die Befragten sehen jedoch auch Faktoren, die eine Anwendung von Blockchain behindern. Ein wichtiger Grund ist das in jedem zweiten untersuchten Unternehmen fehlende Fach-Know-how - wobei auch hier die Finanzbranche besser aufgestellt ist. Nur bei 28 beziehungsweise 35 Prozent der Banken und Versicherungen fehlt es an Blockchain-Experten. Dagegen ist der Mangel an Know-how in den untersuchten Telekommunikationsunternehmen (70,6 Prozent), Logistikunternehmen (66,7 Prozent) sowie im Handel (61,5 Prozent) besonders hoch.

Die Sonderanalyse "Blockchain - Realität? Hype? Oder beides?" ist Bestandteil der Lünendonk-Studie 2018 "Der Markt für IT-Beratung und IT-Service in Deutschland", die unter www.luenendonk-shop.de kostenfrei zur Verfügung steht.

Dr. Jörg Schröper ist Chefredakteur der LANline.

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