Nutanix hat im Rahmen seiner .Next-Konferenz in New Orleans mit dem SaaS-Angebot (Software as a Service) „Beam“ für Multi-Cloud-Governance, der SDN-Lösung (Software-Defined Networking) „Flow“ für Multi-Cloud-Umgebungen sowie mit dem PaaS-Angebot (Platform as a Service) „Era“ zur Automatisierung von Datenbankoperationen drei Neuheiten für den Einsatz in Multi-Cloud-Infrastrukturen vorgestellt. Damit will der HCI-Pionier (Hyperconverged Infrastructures) seine Ambitionen unterstreichen, sich weiter als Anbieter von Enterprise-Cloud-Software zu positionieren. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Hersteller angekündigt, nach der Vereinfachung und Automatisierung der Infrastruktur im Rechenzentrum mittels HCI-Lösungen diese Funktionaltität nun auch über verschiedene Cloud-Plattformen hinweg verfügbar machen zu wollen (LANline berichtete). Im Zentrum der Bemühungen steht das herstellereigene Betriebssystem Enterprise Cloud OS, das Nutanix inzwischen losgelöst von seinen Hardware-Bundles als Softwaresuite anbietet. Sie soll für den Nutzer verschiedene Cloud-Plattformen oder -Infrastrukturen zu einer Cloud beziehungsweise Cloud Fabrik zusammenführen. Die in New Orleans vorgestellten Produkte erweitern nun das Multi-Cloud-Portfolio.

Beam (Bild oben) visualisiert, prognostiziert und steuert nach Bekunden des Herstellers die Kostenentwickelung und bewertet die Einhaltung von Sicherheits- und Compliance-Richtlinien in verschiedenen Clouds. Unternehmen haben mit dem SaaS-Angebot die Möglichkeit, ihre Ausgaben, Sicherheit und die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften über nahezu jede Cloud-Plattform verwalten zu können. Beam basiere auf dem kürzlich von Nutanix erworbenen Botmetric-Service von Minjar. Damit lassen sich schon jetzt Cloud-Ausgaben von mehr als einer Milliarde Dollar in AWS und Microsoft Azure verwalten, so der HCI-Pionier.

Mit dem hauseigenen Enterprise-Cloud-Betriebssystem seien Unternehmen in der Lage, private, öffentliche und verteilte Clouds zu einem gemeinsamen IT-Betriebsmodell für ihre durchgängige Infrastruktur zusammenzuführen und auf diese Weise die Komplexität ihrer Multi-Cloud-Architekturen zu reduzieren. Mit Beam bietet Nutanix nach eigenen Angaben nun erstmals eine SaaS-Lösung an, die eine detaillierte Transparenz und umfangreiche Analysen darüber bietet, wie Nutzer die Public Cloud nutzen.

ML-basierte (Machine Learning) Empfehlungen sollen der IT-Abteilung zudem die Möglichkeit geben, ihre Cloud-Ausgaben zu optimieren sowie die Sicherheit zu erhöhen und die Cloud-übergreifende-Compliance zu verbessern. Administratoren erhalten mit Beam einen Überblick zu all ihren Public-Cloud-Implementierungen, sodass sich unerwartete Kosten und potenzielle Sicherheitslücken frühzeitig adressieren lassen.

Als Hauptfunktionen von Beam nennt der Hersteller:

  • Kostenoptimierung und Sichtbarkeit in der Cloud: IT-Abteilungen erhalten vollständige Transparenz über ihre gesamten Cloud-Kosten. Sie sollen ihre Ausgaben optimieren können, indem sie ungenutzte und nicht ausgelastete Ressourcen schnell identifizieren und für jede Anwendung die im Hinblick auf Größe und Kosten passendere Cloud-Ressource auswählen.
  • Zentralisierte Steuerung der Finanzen: Unternehmen erhalten laut Hersteller eine größere Transparenz ihres gesamten Cloud-Footprints, sodass IT-Verantwortliche den Verbrauch von Cloud-Ressourcen nach Abteilung und Gruppe ordnen, datengestützte Entscheidungen treffen und dabei IT-Anforderungen und Kostenbeschränkungen ausgleichen sowie Richtlinien basierend auf zugewiesenen Budgets durchsetzen können.
  • Kontinuierliche Cloud-Sicherheit und Einhaltung gesetzlicher Vorschriften: Anwender können benutzerdefinierte Health-Check-Richtlinien für Compliance-Audits definieren und aktiv Cloud-Sicherheitsoperationen analysieren, während Echtzeit-Scans für Cloud-Compliance Risiken und Verstöße identifizieren, so Nutanix.

Flow setzt anwendungsspezifische Richtlinien zur Steuerung der Kommunikation zwischen einzelnen Anwendungsdiensten durch. Bild: Nutanix

Mit Flow hat der HCI-Hersteller eine weitere Lösung für den Einsatz in Multi-Cloud-Umgebungen auf der .Next in New Orleans vorgestellt. Die SDN-Lösung soll eine anwendungszentrierte Sicherheit zum Schutz vor Bedrohungen bieten, die herkömmliche Perimeter-orientierte Sicherheitslösungen nicht erkennen. Die Flow-Funktionen seien vollständig in die hauseigene Acropolis-Software integriert und sollen künftig durch die Technik zur Echtzeit-Anwendungssichtbarkeit und –Erkennung ergänzt werden, die Nutanix durch die jüngst erfolgte Übernahme von Netsil zur Verfügung steht.

Cloud-basierte Infrastrukturen bestehen heutzutage aus vielen unterschiedlichen, aber miteinander verbundenen Diensten. Um diese zu schützen, benötige man eine Lösung wie Flow, das anwendungsspezifische Richtlinien zur Steuerung der Kommunikation zwischen einzelnen Anwendungsdiensten durchsetzt, so Nutanix weiter. Außerdem will der Hersteller die Stream-Processing-, Application-Discovery- und Mapping-Technologie von Netsil nutzen, um die Definition von Sicherheitsrichtlinien für Anwendungen sowohl in öffentlichen als auch in privaten Clouds zu vereinfachen.

Flow umfasst als Bestandteil des herstellereigenen Enterprise Cloud OS laut Nutanix folgende Funktionen:

  • Netzwerkvisualisierung: Sie soll Anwendungsverantwortlichen einen sofortigen Überblick über Netzwerkleistung und Verfügbarkeit pro Anwendung ermöglichen.
  • Anwendungszentrierte Mikrosegmentierung: Dadurch biete Flow eine granulare Kontrolle und Steuerung für den gesamten Anwendungsverkehr, um sensible Workloads und Daten zu schützen.
  • Einfügen und Verketten von Diensten: Dadurch integriere man zusätzliche Netzwerkfunktionen verschiedenster Partnerunternehmen, die Teil des „Network Ready Ecosystem“ sind, in eine einzige Netzwerkrichtlinie, so Nutanix.
  • Netzwerkautomatisierung: Sie optimiere und automatisiere häufige Änderungen der Netzwerkkonfiguration, beispielsweise Änderungen an der VLAN-Konfiguration oder an Load-Balancer-Richtlinien – auf Basis von Anwendungslebenszyklus-Ereignissen für virtuelle Maschinen, die auf Nutanix AHV ausgeführt werden.

Bei Era handelt es sich um eine Reihe neuer PaaS-Angebote zur Rationalisierung und Automatisierung von Datenbankoperationen. Bild: Nutanix

Zudem hat der HCI-Anbieter in New Orleans unter dem Namen „Era“ eine Reihe neuer PaaS-Angebote zur Rationalisierung und Automatisierung von Datenbankoperationen präsentiert. Die Lösung erweitere den Software-Stack des hauseigenen Enterprise-Cloud-Betriebssystems über die zentralen IaaS-Funktionen (Infrastructure as a Service) für Private-Cloud-Umgebungen hinaus auf Plattform-Layer-Services, die das bekannte Ein-Klick-Prinzip für Datenbankoptimierung ermöglichen. Die erste Version der Lösung umfasse umfangreiche Copy-Data-Management-Dienste. Diese sollen der zunehmenden Komplexität und den hohen Kosten entgegenwirken, die mit der Verwaltung mehrerer Datenbankkopien in einem Unternehmen verbunden sind.

Der Copy-Data-Management-Service von Era unterstütze zunächst Oracle- und Postgres-Datenbank-Engines, die Unterstützung weiterer gängiger Datenbanken sei jedoch geplant. Auf Basis der herstellereigenen Snapshot-Technik wird Era auch neue Time-Machine-Funktionen zusammen mit anwendungsspezifischen APIs zur Erstellung von Point-in-Time-Datenbankkopien integrieren, so der Hersteller. Anwendungsentwickler seien so in der Lage, in kurzer Zeit genau die jeweils benötigte Datenbankkkopie auszuwählen, während Datenbankadministratoren beliebige Datenbankinstanzen wiederherstellen oder aktualisieren können.

Weitere Informationen finden sich unter www.nutanix.com.

Timo Scheibe ist Redakteur bei der LANline.