HP hat zusammen mit fünf Partnern – Accton, Arista, Broadcom, Intel und VMware – das neue Netzwerk-Betriebssystem (Network Operating System, NOS) und damit zusammenhängend die ebenfalls neue Openswitch-Entwickler-Community vorgestellt. Die offene Plattform soll es Entwicklern erlauben, Datacenter-Netzwerke an den eigenen Bedarf anzupassen, für schnellere Innovation im Netzwerk zu sorgen und dabei die Abhängigkeit vom Switch-Hersteller zu minimieren.

Anders als zum Beispiel Server sind Switches in aller Regel nach wie vor integrierte Systeme aus proprietärer Hardware, ebenfalls proprietärem Switch-OS und den jeweils darauf laufenden Services. Damit ist das Innovationstempo auf Softwareseite von den Entwicklungszyklen des jeweiligen Switch-Hardwarelieferanten abhängig – ein Zustand, dem große Teile der Netzwerkbranche unter der Überschrift SDN (Software-Defined Networking) dieser Tage entgegenzuwirken suchen.

 

Vor diesem Hintergrund wollen HP und seine Partner nun mit der Openswitch Community eine, so HP, „virtuelle Innovationszone“ schaffen und damit Entwicklern Zugang zum Switch-Betriebssystem geben, um die Netzwerkinfrastruktur den jeweiligen Anforderungen anpassen zu können. Das Open-Source-NOS soll auf offenen Standards basieren und damit Interoperabilitäts- ebenso wie Lizenzierungsprobleme vermeiden helfen. Nicht zuletzt wollen HP und seine SDN-Partner damit sicher der nach wie vor erheblichen Marktdominanz von Cisco eine offene Alternative entgegenstellen.

 

Das Openswitch-NOS ist laut HP-Verlautbarung ein vollumfängliches Netzwerk-OS mit Unterstützung der gängigen Layer-2- wie auch Layer-3-Protokolle. Es nutze eine Open-Source-Datenbank für persistente wie auch flüchtige Konfigurationen, die gesamte Kommunikation zwischen den Modulen laufe über die Systemdatenbank. Ansprechen lassen soll sich das NOS per CLI und REST-APIs ebenso wie über die Orchestrierungs-Tools Puppet, Chef und Ansible.

 

Das Openswitch NOS will HP auf seinen Switches der Altoline-Serie betreiben. Die Hardware dieser Whitebox-Switches stammt von Accton, HP nutzte hier als OS bislang die Software des SDN-Spezialisten Cumulus Networks. HP Technology Services sollen für Service und Support sorgen, um den risikofreien Betrieb in Produktionsumgebungen zu gewährleisten.

 

Dass Wettbewerber Arista als Partner mit an Bord ist, kann als Indiz dafür gelten, dass es sich bei Openswitch NOS wirklich um eine herstellerübergreifende Initiative handelt, läuft doch auf Aristas Datacenter-Switches mit EOS ebenfalls ein SDN-fähiges Betriebssystem. VMware wiederum unterhält mit NSX eine eigene Netzwerk-Virtualisierungslösung und ist damit angesichts seiner Marktmacht im Datacenter der derzeit wohl prominenteste Cisco-Konkurrent in Sachen SDN.

 

Die Openswitch Community ist zu finden unter www.openswitch.net, ein erstes Developer-Release von Openswitch NOS ist laut HP ab sofort verfügbar. Weitere Informationen zu HPs Netzwerklösungen sind erhältlich unter www.hp.com.

 

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Auf den Switches der Altoline-Familie – im Bild das Modell 6700 – will HP das neue Openswitch NOS betreiben. Bild: HP