Der jüngste Untersuchungsbericht der Burton-Group, laut dessen sich das Open Document Format (ODF) nur bedingt zum Einsatz in Großunternehmen eigne, wurde jetzt von der Open-Office-Gruppe als unwissenschaftlich abgeschmettert: „Das Ergebnis dieses Berichts sagt sehr viel über die persönliche Meinung des Autors aus, aber wenig über objektive und fundierte Untersuchungsergebnisse“, sagt John McCreesh, Europas Marketing-Chef der Open-Office-Gruppe. Seiner Ansicht nach basiert der vor einer Woche veröffentlichte Bericht nicht auf Forschungen, sondern enthalte nur Spekulationen und Vermutungen.

In dem Bericht behauptet der Verfasser, dass Großunternehmen weitestgehend auf das Office-Format Open XML (OXML) wechselten, weil es eine vollständige Kompatibilität gegenüber den bisherigen Office-Formaten .doc, .xls und .ppt biete, wogegen die ODF-Entwickler – allen voran IBM und Sun – eine solche Kompatibilität nicht als Prämisse ansähen: „Knapp gesagt, OXML ist mehr applikationsorientiert und ist Teil eines größeren Ökosystems; genau deshalb wird es von vielen Unternehmen gegenüber ODF bevorzugt“, heißt es in der Untersuchung.

Doch McCreesh verweist in diesem Zusammenhang unter anderem auf einen Bericht der British Educational Communication and Technology Agency (Bectra), die zu gegenteiligen Aussagen gekommen ist. „ODF ist sehr wohl für den Einsatz in Großunternehmen geeignet“, so sein Einwand.

Der Streit zwischen den beiden XML-Formatlagern ist erneut aufgeflammt, da Microsoft vorige Woche
alle Einwände um OXML ausgeräumt hat und jetzt darauf hofft, dass dieses Format im März zum ISO-Standard erklärt wird. Die ODF-Verfechter wollen dagegen diese Zertifizierung verhindern, damit Open Office auf diese Art eine Präferenz gegenüber Microsofts Office 2007 erhält, denn ODF wurde bereits im Jahr 2006 als ISO-Standard ausgezeichnet.

Harald Weiss/wg