In Rom verkündete Huawei im Rahmen seiner Flaggschiffveranstaltung Eco-Connect Europe den Bau eines neuen europäischen OpenLabs mit den Schwerpunkten Industry 4.0 und Smart Manufacturing. Die Eröffnung ist bereits für das Ende des ersten Quartals 2019 vorgesehen. Der Standort liegt in Ismaning bei München, also in der Region, wo 2016 bereits das erste europäische OpenLab an den Start ging. 2017 folgte ein zweites Labor in Paris. Das autonome Fahren, beziehungsweise das Zusammenspiel zwischen Fahrzeug und Straße (Internet of Vehicles, kurz IoV), gehört zu den Feldern, für die in den europäischen Huawei OpenLabs intensiv an KI-unterstützten (künstliche Intelligenz) Lösungen gearbeitet wird (siehe Bild oben).  Passend dazu hat Huawei auf seiner Konferenz in Rom eine neue Version seiner KI-Plattform HiAI vorgestellt.

Huawei will sich erklärtermaßen bei der Förderung der Entwicklung einer digitalen und intelligenten Gesellschaft profilieren. Dafür arbeitet das Unternehmen mit Partnern aus den verschiedensten Bereichen und Branchen auf der ganzen Welt zusammen, um innovative Branchenlösungen zu entwickeln, die sowohl die digitale Transformation als auch die Entwicklung eines Branchenökosystems voran bringen. Aktuell hat Huawei weltweit elf OpenLabs in Betrieb. 2019 sind es dann insgesamt zwölf, davon drei in Westeuropa. Dort ist eine Gesamtinvestition von rund 50 Millionen Dollar geplant, um gemeinsame Innovationen und Lösungsansätze mit Kunden und Partnern zu stärken.

„HiAI 2.0 wird die Eintrittsbarriere für die KI-Entwicklung deutlich senken, so dass noch mehr Entwickler teilnehmen und aufregende neue Apps für Verbraucher entwickeln können“, erklärte Lu Wenyu, Chief AI Expert of Product Management Department, Huawei Consumer Business Group in Rom. Bild: Huawei

Der rote Faden, an dem sich diese neuen Lösungsansätze orientieren sollen, ist die KI-Technik. „In den nächsten drei bis fünf Jahren wird die KI-Technologie von Huawei für die Bild- und Videoanalyse in der Zusammenarbeit von Geräten mit der Cloud weit verbreitet sein“, so Wu Mo, Direktor der westeuropäischen OpenLabs. Als Beispiele nannte er das autonome Fahren im Szenario des Zusammenspiels zwischen Fahrzeug und Straße, die Digitalisierungsmöglichkeit riesiger Mengen an Terminals und digitale Städte, die auf der Grundlage aller messbaren Punkte in der Stadt einfach aufzubauen wären. „Die Mission der westeuropäischen OpenLabs ist es, eine digitale Plattform für Smart Cities, die Fertigungsindustrie und den Einzelhandel aufzubauen und die leistungsstarken ICT-Fähigkeiten von Huawei zu erschließen, um Partnern die Entwicklung umfangreicher und vielfältiger intelligenter Anwendungen in verschiedenen Branchen zu erleichtern, um eine vollständig vernetzte, intelligente Welt aufzubauen“, so Wu Mo weiter.

Bisher hat Huawei nach eigenem Bekunden in den zwei westeuropäischen OpenLabs mit mehr als 40 globalen Partnern gemeinsame Lösungen entwickelt und zur Marktreife gebracht. Neben bedeutenden Playern wie SAP und Accenture arbeitet das Unternehmen mit Startups wie Malong und Hanshow zusammen, um datengesteuerte neue Lösungen zu entwickeln. Kernziel der Lösungen sei immer, das Kundenerlebnis zu verbessern, den Umsatz zu steigern, die Betriebseffizienz zu verbessern und Kosten zu senken. Beispiele dafür seien auch eine auf Zusammenarbeit ausgelegte Simulationslösung für Forschung und Entwicklung (F&E), für die Huawei mit Altair zusammenarbeitet, sowie eine intelligente Lieferkettenlösung aus der Kooperation mit Wipro.

KI in allen Apps

Bereits im April 2018 stellte Huawei die erste Version seiner KI-Plattform „HiAI“ vor, welche die Entwicklung KI-integrierter Apps erleichtern soll. Auf der Eco-Connect Europe präsentierte der Hersteller nun HiAI 2.0. Die neue HiAI-Plattform bietet Entwicklern einen verbesserten Zugang zu den Fähigkeiten der hauseigenen Chipsätze, Geräte und der herstellereigenen Cloud. Dazu gehören die HiAI Foundation, HiAI Engine und HiAI Service, die zusammen arbeiten, um die Bedürfnisse der Entwickler zu erfüllen. Die HiAI-Plattform bietet Entwicklern ein offenes Ökosystem in Form frei zugänglicher Operatoren und APIs. Bei den Chips, Geräten und der Cloud ist die Plattform jedoch eng an Huawei gebunden — insofern ist der Begriff „offen“ als Attribut für das KI-System deutlich zu relativieren.

„HiAI 2.0 wird noch mehr Rechenleistung, umfangreichere APIs und bessere Unterstützung für eine größere Anzahl von Geräten mit sich bringen“, erklärte Lu Wenyu, Chief AI Expert of Product Management Department, Huawei Consumer Business Group in Rom. „Es wird die Eintrittsbarriere für die KI-Entwicklung deutlich senken, so dass noch mehr Entwickler teilnehmen und aufregende neue Apps für Verbraucher entwickeln können.“ Im Einzelnen bietet die HiAI Foundation Entwicklern Zugriff auf Chipsatzfunktionen wie die Unterstützung mehrerer Frameworks und Operatoren, sowie hohe Rechenleistungen. Die HiAI-Plattform nutzt die Fähigkeiten von Kirin 980 und seiner Dual-NPU, um eine doppelte Bilderkennungsgeschwindigkeit im Vergleich zu seinem Vorgänger oder um bis zu 4.500 Bilder pro Minute zu realisieren.

HiAI Engine bietet laut Huawei App-Entwicklern mehr Gestaltungsmöglichkeiten als in der ersten HiAI-Version. Die auf der Plattform bereitgestellten APIs ermöglichen es ihnen, wichtige Funktionen schnell in ihre Projekte zu integrieren. Eines der jüngsten Beispiele für die HiAI Engine im Einsatz findet sich auf der kürzlich vorgestellten hauseigenen Mate-20-Serie. Die in den Smartphones der Reihe integrierte Funktion „AI Spotlight Reel“ identifiziert Clips auf dem Gerät, in welchen eine bestimmte Person vorkommt und generiert daraus auf Wunsch eine bis zu zehn Sekunden lange Kollage. Die Funktion nutzt unter anderem die Gesichtserkennung der KI-Engine. HiAI Service soll schließlich eine Brücke zwischen den Bedürfnissen der Nutzer und den Diensten der HiAI Engine schlagen.

Bis heute arbeiten laut Aussage von Huawei mehr als 1.000 Partner und 450.000 Entwickler aktiv im HiAI-Ökosystem und unterstützen mehr als 300 Millionen Anwender mit KI-Funktionen. Im Rahmen des HiAI-Programms betreibt Huawei weltweit 13 Forschungs- und Entwicklungszentren und zwei OpenLabs, um mit lokalen Entwicklern bei der App-Entwicklung zusammenzuarbeiten. Diese Labs sollen auch als Sprungbrett für erfolgreiche Entwickler fungieren, um ihre Projekte weltweit zu starten.

Stefan Mutschler.