Selbst im zögerlichen Deutschland bewegen sich die Unternehmen verstärkt in Richtung Public Cloud, so eine Umfrage von ISG. Dieser Trend betrifft laut den Marktforschern schon länger CRM- und UC-Anwendungen (Customer-Relationship-Management, Unified Communications), letzthin aber auch Kernsysteme wie ERP-Applikationen (Enterprise Resource Planning).

ERP-Systeme zog die Mehrheit der Anwender für ein Public Cloud-Hosting bis vor Kurzem noch nicht in Betracht, so ISG in seinem neuen Report „ISG Provider Lens Public Cloud – Solutions and Service Partners Germany 2019“. Weltweit betrug das Jahreswachstum der globalen IaaS- und SaaS-Märkte laut den Analysten 14 Prozent, in Deutschland sogar 25 Prozent. Als einen Grund für die steigenden Cloudausgaben erachtet ISG die rasch wachsende Datenmenge in den Unternehmen und aus dem IoT (Internet of Things). Denn cloudbasierte Analysewerkzeuge könnten den Unternehmen helfen, diese Daten zu erfassen und auszuwerten.

Die Studie habe gezeigt, dass deutsche Unternehmen bei der Auswahl von Cloudanbietern besonderen Wert auf den RZ-Standort, den Managed-Services- oder Partner-Support und die Vertragsflexibilität legen, hingegen weniger auf das Portfolio der angebotenen Funktionen. Besondere Bedeutung komme hierzulande den Datenschutzgesetzen zu, die eine lokale Speicherung bestimmter Daten vorschreiben. Als letzter großer Anbieter zog hier Microsoft nach: Der US-Konzern bietet seit 2019 Azure-Services direkt aus Deutschland (und ohne Umweg über T-Systems als Treuhänder). Office 365 und weitere Services sollen 2020 folgen.

„Die Qualität der Public-Cloud-Anbieter und ihrer Service-Partner hat mittlerweile ein beachtliches Niveau erreicht“, so ISG-Analyst Heiko Henkes. Bild: ISG

„Die Leistungen der Public-Cloud-Anbieter und ihrer Service-Partner haben mittlerweile ein beachtliches Niveau erreicht“, so Heiko Henkes, Director und Principal Analyst bei ISG und Hauptautor der Studie. Dies treffe auf die angebotenen Werkzeuge ebenso zu wie auf die Plattformen, Services und SLA (Service-Level-Agreements).

Ein weiterer Trend ist laut dem Analystenhaus der Parallelbezug von Cloud-Services mehrerer Provider: „Multi-Cloud Computing nimmt zunehmend an Fahrt auf“, so Henkes. „Auch deshalb werden die Interoperabilität und Offenheit der angebotenen Lösungen immer wichtiger.“

Der Anbietervergleich deckt sechs Marktsegmente mit 77 Providern in Deutschland ab. Man finde immer wieder neue Anbieter, so ISG, darunter auch Ausgliederungen von Konzernen, die sich auf Cloudbereiche spezialisieren.

Im Marktsegment „IaaS – (Hyperscale) Infrastructure as a Service“ untersuchte der Report die Fähigkeiten von zwölf Providern. Marktführer sind laut ISG-Bewertung die „üblichen Verdächtigen“ AWS, Microsoft und Google sowie der Lokalmatador Deutsche Telekom (siehe Bild oben). Zu den Wettbewerbern zählen 1&1 Ionos (von ISG als „Rising Star“ eingestuft), Alibaba, CloudSigma, DigitalOcean, Exoscale, IBM, Oracle und OVH. Weitere untersuchte Marktsegmente sind „Public Cloud Transformation Services“ und „Managed Public Cloud Services“ jeweils für mittelgroße und große Unternehmen sowie „PaaS – Application Development Platforms (aPaaS)“.

Der Bericht führt Deutsche Telekom (TSI) in drei Quadranten als „Leader“. Accenture, Arvato Systems, Atos, AWS, Axians, Cancom, Capgemini, Deutsche Telekom (TDG und TSI), DXC, IBM, Microsoft, Reply und Wipro sind „Leader“ in zwei Quadranten. All for One Group, Claranet, Computacenter, Deutsche Telekom, Fujitsu, Google, Nordcloud, NTT, PlusServer, QSC, Rackspace, Red Hat und tecRacer sind jeweils in einem Quadranten als „Leader“ eingestuft.

Weitere Informationen finden sich unter research.isg-one.com/reportaction/Quadrant-PC-Germany-2019-DE/Marketing .

Dr. Wilhelm Greiner ist freier Mitarbeiter der LANline.