Nur wenige Monate nach der amerikanischen Mutterveranstaltung eröffnete die europäische Ausgabe der VMworld auf dem neuen Messegelände in Barcelona. Sachlich gab es neu akzentuierte Ankündigungen dessen, was schon aus den USA bekannt war (LANline berichtete). In Barcelona gab es aber auch Neues zu sehen, etwa aus dem Umfeld von hybriden Multi-Clouds, Containern und Kubernetes.

Stand auf der amerikanischen VMworld beziehungstechnisch die Kooperation mit AWS im Vordergrund, dominierte in Barcelona die neu erweiterte Bande mit IBM. So zeigte das Unternehmen unter anderem die Beta-Version des Projekts Dimension. Dimension führt die im Projekt Skyline begonnenen, analytischen Fähigkeiten der VMware-Cloud in einen selbststeuernden Service in Sinne eines sich automatisch korrigierenden Rechenzentrums weiter. Möglich wird das durch den Anschluss der Global-Support-Services-Datenbank (GSS) von VMware an IBMs KI-Maschine Watson. Project Dimension soll die VMware-Cloud erweitern, um ein softwaredefiniertes Rechenzentrum (SDDC) in einer hyperkonvergenten Appliance-as-a-Service bereitzustellen.

Anbindung an IBM Watson

Die Anbindung von VMwares GSS an IBM Watson ist jedoch nur einer von vielen Aspekten in den Neuerungen der partnerschaftlichen Beziehung zwischen den Unternehmen. Akut geht es zunächst vor allem um neue Angebote, um die Einführung von hybriden Clouds für Unternehmen zu beschleunigen. So gibt es beispielsweise jetzt ein neues IBM Service-Angebot zur Migration unternehmenskritischer VMware-Workloads in die IBM Cloud. Mit neuen Kooperationen auf technologischer Ebene wollen es die enger gerückten Partner Unternehmen erleichtern, Anwendungen mit Containern zu modernisieren, unabhängig davon, ob sie diese im eigenen Rechenzentrum, in einer Private oder Public Cloud eingesetzen wollen.

Eines der ersten Ergebnisse aus diesen Aktivitäten ist nun, dass sich der IBM-Cloud-Service Private Hosted auf VMware vCenter Server in der IBM Cloud installieren lässt. Das soll vor allem die Verwaltung und Orchestrierung von virtuellen Maschinen und Containern innerhalb eines gemeinsamen Sicherheitsmodells und eines privaten Netzwerks erleichtern.

Schon seit einiger Zeit bietet IBM einen Cloud-Kubernetes-Service an. Darin ist als weiteres Kooperationeergebnis nun nicht nur der IBM-eigene Cloud-Service Private Hosted integriert, sondern alle „IBM Cloud für VMware“-Lösungen. Dadurch entsteht eine vollständig verwaltete Kubernetes-Umgebung, die Entwickler für ihre Anwendungen sofort nutzen können. Auch auf Netzwerkseite ist man um konsistente Lösungen bemüht. Ausdruck findet das in der Einführung von VMware NSX-T Data Center in IBMs Virtual Cloud Networking. Auf diese Weise entsteht eine Kopplung zwischen Cloud Private und den Kubernetes-Services der IBM Cloud.

Kubernetes-Pionier übernommen

Ein strategisch ebenfalls wichtiger Coup gelang VMware zur VMworld Europe mit der Übernahme des Kubernetes-Pioniers Heptio. „Kubernetes entwickelt sich zu einem offenen Framework für Multi-Cloud-Infrastrukturen, das es Unternehmen ermöglicht, moderne Anwendungen auszuführen“, erklärte Paul Fazzone, Senior Vice President und General Manager der Cloud Native Applications Business Unit von VMware. „Heptio-Produkte und -Services werden VMwares Aktivitäten rund um PKS bei der Etablierung von Kubernetes als De-facto-Standard für die Infrastruktur über Clouds hinweg zusätzlich verstärken.“

„Wir freuen uns, dass mit der Übernahme von Heptio auch Craig McLuckie und Joe Beda zu VMware kommen“, so Pat Gelsinger, CEO von VMware. Beide gehören zu den Kubernetes-Architekten der ersten Stunde. Mit ihrer Hilfe werden wir die Kubernetes-Fähigkeiten von VMware auf ein neues Level heben.“ Bild: Stefan Mutschler

Mit der Übernahme kommen auch Craig McLuckie und Joe Beda zu VMware. Ersterer ist CEO und Mitgründer von Heptio. Beide sind Kubernetes-Architekten der ersten Stunde und haben seinerzeit das Kubernetes-Rahmenwerk mitentwickelt. „Das Team von Heptio konzentriert sich auf Kubernetes und die Entwicklung von Produkten, die es erleichtern, mehrere Cluster über mehrere Clouds hinweg zu verwalten“, berichtete McLuckie. „Jetzt können wir auf die Cloud-Native Ressourcen von VMware und die verlässlichen Fähigkeiten bei der Ausführung zurückgreifen, um unsere Wirkung zu vervielfachen. VMwares Interesse an Heptio zeigt, wie viele Innovationen gerade im Open Source-Bereich stattfinden. Wir sind gemeinsam bestrebt, noch mehr zur Unterstützung der Community beizutragen.“ Der Name Heptio soll übrigens künftig verschwinden – die Produkte sollen dann in VMware/Pivotal PKS aufgehen.

Stefan Mutschler.