Im Januar, in der Wintersonne Floridas, treffen sich Citrix-Partner alljährlich zum Citrix Summit. Dieses Jahr stand ganz im Zeichen der von Microsoft im September 2018 angekündigten Windows Virtual Desktops. Citrix ergänzt diese um die hauseigene Lösung Citrix Workspace. Aus Citrix’ Partnerumfeld kommen sogenannte Workspace Hubs auf Raspberry-Pi-Basis. Sie sollen eine preisgünstige Hardware für das Cloud-basierte Arbeiten liefern.

Mit den Windows Virtual Desktops (WVDs) erklärt Microsoft seinen Anspruch, dass Desktops, die „as a Service“ bereitstehen (DaaS), zukünftig ausschließlich auf Microsofts Azure-Plattform laufen sollten. Der Konzern hat dafür eine spezielle, Multi-Session-fähige Version von Windows 10 erstellt, die nur über Azure verfügbar ist. Diese bietet laut Microsoft einzigartige Vorteile hinsichtlich der Kompatibilität zu Office 365 ProPlus und dem Edge-Browser, zudem dank Multi-Session-Fähigkeit deutlich geringeren Ressourcenverbrauch.

Für Windows-Desktops, die bereits über die Pläne E3/E5 lizenziert sind, fällt keinerlei weitere Lizenz an. Die bisher üblichen RDS-CALs (Remote Desktop Services Client Access Licenses) entfallen vollständig, selbst wenn der Anwender zusätzlich per Smartphone oder iPad auf den virtuellen Desktop zugreift.

Für alle anderen Marktteilnehmer ist es damit sehr schwer geworden, ein konkurrenzfähiges DaaS-Angebot zu liefern. Deshalb müssen sich viele Unternehmen neu positionieren – so auch Citrix. Sicherlich positiv für den Markt ist dabei, dass es für immer mehr Reseller sinnvoll ist, in den DaaS-Markt einzusteigen, da Microsoft die Basisarbeit bereits erledigt hat. Citrix nutzte als einer der exklusiven Launch-Partner der Windows Virtual Desktops seinen Summit ausgiebig, um seinen Mehrwert und seine Positionierung gegenüber WVDs darzustellen. Zentraler Punkt ist die Integration der WVDs in die Citrix-Workspace-Umgebung. Citrix Workspace stellt Anwendern eine zentrale Website für den Anwendungs-, Desktop- und Dateizugriff bereit. Auch um dies umzusetzen, ist Citrix autorisierter Microsoft-CSP (Cloud-Service-Provider) geworden und kann somit seinen Partnern die Microsoft-Lizenzen direkt anbieten.

Pi wird zum Workspace Hub

Wandern Desktops vollständig in die Cloud, stellt sich die Frage, wie die lokale Arbeitsumgebung zu gestalten ist. Hier bietet Citrix einen interessanten Ansatz. Dies beginnt schon damit, dass es sich eigentlich nicht um ein Citrix-Produkt handelt. Vielmehr kommt die Lösung aus der Citrix-Ready-Partnerorganisation, in der Hard- und Softwarehersteller zusammengeschlossen sind. Entstanden ist in dieser Kooperation der Citrix Workspace Hub.

Wesentliches Element dieses Raspberry-Pi-basierten Thin Clients (TCs) bildet Stratodesks Verwaltungskonsole NoTouch Center. Sie stellt das zentrale Management der Geräte sicher, die auf dem Stratodesk OS laufen. NoTouch Center gibt es als Cloud-Service wie auch als lokal installierbare Komponente. Interessant ist dabei, dass die Geräte der einzelnen Hersteller grundsätzlich austauschbar sind. Unternehmen können auf diese Weise einfach und schnell Ersatzgeräte beschaffen, selbst dann, wenn ein bestimmtes Gerät nicht mehr lieferbar ist.

Stratodesks Verwaltungskonsole NoTouch Center dient dem herstellerübergreifenden Management der Raspberry-Pi-basierten Citrix Workspace Hubs. Bild: Stratodesk

Der „Citrix Workspace Hub“ genannte Raspberry Pi soll nicht nur die Kosten für TCs um bis zu 80 Prozent senken, er ist auch erstaunlich leistungsfähig. Natürlich ist er für das Citrix Protokoll HDX Citrix-Ready-zertifiziert und nutzt dessen Vorteile für den Fernzugriff auf entfernte Desktops. Elegant ist, dass man die Session per Scannen eines Barcodes mit dem Smartphone starten kann. Dieses „Citrix Cast“ genannte Verfahren soll insbesondere im Gesundheitswesen seine Anwendung finden, wo Ärzte und Pfleger sich eventuell einen Hub teilen müssen.

Nach Einschätzung von Jochen Polster, Vice President Sales and Marketing EMEA bei NComputing, dem Hersteller des Citrix-Ready-zertifizierten Thin Clients RX-HDX, bietet der Raspberry-Pi-basierende Client gegenüber herkömmlichen x86-Workstations diverse Vorteile. Prädestiniert sei das Gerät sowohl für Installationen, in denen Anwender verschiedene Workstations benutzen müssen (Gesundheitswesen, Industriebetriebe, Retail, etc.), als auch in Meetingräumen zur Präsentation. „Damit“, so Polster, „wird es erstmals möglich, auf leistungsfähigen, preiswerten Clients eine Sign-on/off- und Casting-Technologie einzusetzen, die bisher nur mit erheblichem Mehraufwand und Kosten durch Drittanbieter umzusetzen war.“ Gemeinsam mit Partnern arbeite man bei NComputing daran, Weiter­entwicklungen der Technologie zu unterstützen.

Auch TC-Hersteller Atrust bietet mit dem t32C Citrix Workspace Hub ein Gerät auf Basis des Raspberry Pi. Mit dem Gerät, so Atrusts Senior Vice President Sophia Lin, richte man sich an Unternehmen, die nach kostengünstigen und leistungsstarken Lösungen für ihre Anforderungen an den virtuellen Workspace suchen. Weitere Anbieter solcher Raspberry-Pi-Geräte sind ClearCube und ViewSonic.

Ein wichtiges besonderes Merkmal des Citrix Workspace Hubs ist die Dual-Monitor-Unterstützung, realisiert durch einen zweiten Raspberry pro Arbeitsplatz. Clear Cube, neuer Teilnehmer in der Citrix-Workspace-Gemeinde, zeigte auf dem Summit einen per 3D-Druck hergestellten Prototypen, der einen Raspberry Pi 3 mit einem Raspberry Zero in einem Gehäuse kombiniert, um die Dual-Monitor-Unterstützung in einem Gerät unterzubringen.

Alles gut bis auf die Lizenzierung

Setzt man den Citrix Workspace Hub zusammen mit Windows Virtual Desktops ein, so wird es spannend. Denn derzeit hat Microsoft die Lizenzfrage nur über die Windows-Lizenzierung geregelt. Nutzt man einen Windows-Rechner mit E3/E5-Plan, sind die Windows Virtual Desktops kostenlos inbegriffen. Besitzt der Nutzer eines Citrix Workspace Hubs aber keinen Windows-Client, so ist die Lizenzierungsfrage noch offen. Microsoft hat aber versprochen, hier in Kürze Abhilfe zu schaffen.

Ebenfalls auf dem Citrix Summit verkündeten Stratodesk und ThinPrint, dass man auch den ThinPrint Hub von der Stratodesk-Konsole aus steuern kann. Somit kann eine IT-Organisation Niederlassungen vollständig auf Raspberry-Pi-Basis umstellen. Sehr günstige Hardware, der einfache Austausch von Komponenten und die zentrale Verwaltung in Kombination mit den Windows Virtual Desktops – ob mit oder ohne Citrix – können die Kosten für digitale Arbeitsplätze in Niederlassungen somit deutlich reduzieren.

Citrix Workspace Hub im Überblick

Mit dem Workspace Hub, vorgestellt im Februar 2018, bietet Digital-Workspace-Pionier Citrix ein auf dem Raspberry Pi basierendes und damit sehr schlankes Endgerät für den Fernzugriff auf virtualisierte oder Cloud-basierte (also DaaS-)Arbeitsplätze wie etwa Microsoft WVD. Als Kernbaustein macht die Softwarelösung Citrix Workspace den Endanwendern Unternehmensapplikationen, Cloud-Services, Mobile Apps und Dateien über ein einheitliches Interface zugänglich. Der Workspace Hub erlaubt es dabei, per Session Roaming zwischen dem Fernzugriff per Desktop- oder Mobilgerät zu wechseln. Die Session-Roaming-Technik namens „Citrix Casting“ ermöglicht es dabei einem Mobilgerät und dessen Nutzer, sich automatisiert am Workspace Hub zu authentifizieren, auch mittels Mehr-Faktor-Authentifzierung. Der Workspace Hub sendet dazu Beacons aus, um die Anwesenheit des Benutzers zu erkennen und daraufhin die sichere Anmeldung einzuleiten. Zugleich sorgt der Workspace Hub für „Wireless Docking“, also die funkbasierte Anbindung externer Displays, Tastaturen, Mäuse, Drucker etc. Die standardisierte IoT-Hardware (Internet of Things) aus dem Citrix-Ready-Programm soll sicherstellen, dass dies herstellerübergreifend funktioniert. Der Verwaltung der Umgebung dient Citrix Endpoint Management oder aber eine Drittanbieterlösung wie Stratodesks NoTouch Center, für die Überwachung der Umgebung aus Performance- und Security-Perspektive sorgt die Software Citrix Analytics.

Dr. Wilhelm Greiner

 

  • Carsten Mickeleit ist CEO der Cortado Holding, www.cortado-holding.com.