Ciena bietet Lösungen für Zugangsnetze, Packet Switching, Datentransport und -Switching, Netzüberwachung sowie Netzdienstleistungen an. LANline sprach mit Eugen Gebhard, Regional Director DACH & Central Europe Accounts bei Ciena, über die Einflüsse von Software-Defined Networking auf das Geschäft von Anbietern und Anwendern.

LANline: Herr Gebhard, welche Technik beeinflusst heutige Netzwerke am meisten?

Gebhard: Endanwender wollen heute jederzeit und an jedem Ort auf hochwertige Inhalte zugreifen, auch wenn sie mit einem hohen Datenvolumen einhergehen. Anwendungen und Dienste, zum Beispiel für Video-Streaming, Enterprise Cloud-Technologien oder das Internet der Dinge, lassen das Datenaufkommen daher förmlich explodieren. Internet Content und Cloud Provider fördern diesen rasanten Anstieg durch die Menge an Anwendungen und Inhalten noch, die sie zahlreichen Nutzern zugänglich machen.

LANline: Dies hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die technische Infrastruktur der Diensteanbieter.

Gebhard: Exakt. Im Zentrum dieser Entwicklung steht das Netzwerk: Network Function Virtualization, also NFV, und Software-Defined Networking, also SDN, beeinflussen die Branche immens. Durch diese Technologien lassen sich die Service-Geschwindigkeit verbessern, Kosten senken und die Flexibilität stark erhöhen. NFV und SDN haben noch weitere Vorteile. Sie können die Zeit, um neue Services bereitzustellen oder bestehende zu ändern, von Monaten auf Tage reduzieren.

LANline: SDN galt bekanntlich lange in erster Linie als Carrier-Thema. Welchen Einfluss haben die von Ihnen beschriebenen Trends auf die Hardware und Software für den Netzbetrieb heute?

Gebhard: Sowohl bei SDN als auch bei NFV handelt es sich um leistungsfähige Technologien, mit denen sich Netzwerke modernisieren beziehungsweise transformieren lassen. Allerdings dürfen dabei die Bedürfnisse des Kunden nicht aus dem Blick geraten. Unternehmen benötigen hybride IT-Infrastrukturen, die Wahlmöglichkeiten zulassen und die gewünschten Performance-Level zu den passenden Kosten ermöglichen. Darüber hinaus wollen sie Kapazitäten über digitale Self-Service-Applikationen genau dann hinzubuchen, wenn sie sie benötigen. Für Service-Provider heißt das, auf SDN- und NFV-Lösungen umzusteigen, die eine solche hybride Infrastruktur ermöglichen. Die Voraussetzung für diesen Wechsel sind programmierbare Netzwerke, die auf On-Demand-Packet-Optical-Technologie basieren und die sich in zahlreichen Private- und Public-Cloud-Umgebungen einsetzen lassen.

Eugen Gebhard, Regional Director DACH & Central Europe Accounts bei Ciena: „Network Function Virtualization, also NFV, und Software-Defined Networking, also SDN, beeinflussen die Branche immens. Durch diese Technologien lassen sich die Service-Geschwindigkeit verbessern, Kosten senken und die Flexibilität stark erhöhen.“

LANline: Wie sehen die Einflüsse auf die dem Netz zugrunde liegenden Infrastruktur aus, etwa auf die Verkabelung?

Gebhard: Ethernet, IP VPN und Breitbandzugang gehören zu den Connectivity-Diensten, die Service-Provider Unternehmen aktuell anbieten. Dabei zeigt der Trend bei Bandbreite und Leistung weiterhin nach oben. Immer mehr Glasfaser-Connectivity-Technik kommt zum Einsatz, mit der sich Dienste mit Datenvolumen von mehr als 1 GByte anbieten lassen. Die Technik ist in einer Packet-Optical-Infrastruktur eingebettet, die programmierbar und über Software steuerbar ist. Diese Network-Connectivity-Services sind unentbehrlich. Allerdings benötigen Unternehmen noch eine Reihe von anderen Diensten und Tools, beispielsweise für die Datensicherheit, für das LAN Routing, die WAN-Optimierung und für Netzwerkanalysen.

LANline: Worauf soll das Anwenderunternehmen achten?

Gebhard: Für Anwender und Kunden ist es wichtig, bei Bedarf auf hohe Bandbreiten zugreifen zu können. Geeignete Technologien dafür gibt es. Sie basieren auf Software. Die Ciena-Division Blue Planet beziehungsweise das gleichnamige Softwarepaket unterstützt die Kunden von Service-Providern dabei, Dienste über physische und virtuelle Netzwerkdomänen hinweg zu automatisieren, und deckt dabei den gesamten Zyklus ab, vom Erstellen über die Orchestrierung bis zum Bereitstellen der Dienste. Service-Provider können so Unternehmenskunden schneller neue und differenzierte Netzwerkdienste sowie Applikationen anbieten.

LANline: Was sollte der Anwender im Unternehmen tun, um technisch und wirtschaftlich auf die Entwicklungen vorbereitet zu sein?

Gebhard: Mit NFV stellen Service-Provider ihre Managed Services auf eine neue Stufe. Durch Virtualisierung und Automatisierung können sie ihren Unternehmenskunden gebündelte Dienste für Connectivity und virtuelle IT-Applikationen anbieten. Dazu gehören beispielsweise dynamisches Routing, Sicherheit und WAN-Optimierung.

LANline: Herr Gebhard, vielen Dank für das Gespräch.

Dr. Jörg Schröper ist Chefredakteur der LANline.