Der Informationsaustausch zwischen Rechtsanwalt und Mandant ist gesetzlich geschützt. Verschickt jedoch eine Seite unverschlüsselte E-Mails, ist der Schutz obsolet. Selbst mit Verschlüsselung ist laut Christoph Sorge, Juris-Stiftungsprofessor für Rechtsinformatik an der Universität des Saarlandes, erkennbar, wer mit wem kommuniziert. Seine Mitarbeiter haben nun ein Web-basiertes Softwaresystem entwickelt, das die Kommunikation von Anwälten oder auch mittelständischen Unternehmen vor Dritten schützen soll. Die Saarbrücker Forscher wollen ihre Software „Mavora“ auf der Cebit in Hannover (Halle 27, Stand G75) dem Fachpublikum präsentieren.

Das System ähnele einem toten Briefkasten, den nur Absender und Empfänger kennen. Bei der Mavora-Software seien diese Briefkästen jedoch sichere Online-Dateiordner, auf die beispielsweise nur der Rechtsanwalt und sein Mandant zugreifen können und deren Inhalte durch Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geschützt sind. Auf diese Weise sei es auch für den Anbieter der Onlineplattform, auf der Mavora läuft, nicht möglich, die dort hochgeladenen Dokumente und Nachrichten zu lesen.

Der Rechtsanwalt muss laut Angaben der Universität lediglich das Postfach auf Mavora einrichten und anschließend dem Mandanten die Zugangsdaten auf einem sicheren Weg zusenden. Das entsprechende Passwort lässt sich per Post, Fax oder SMS übermitteln.

Selbst wenn ein Angreifer Zugriff auf die vollständige Datenbank des Anbieters erhält, kann er nach Bekunden der Forscher keine Dokumente lesen oder die verschlüsselten Dateien dem Mandanten zuordnen. Auch Metadaten speichere man im Rahmen des technisch Möglichen nur verschlüsselt.

Lediglich die optionalen Benachrichtigungs-E-Mails müssen zur Übertragung an ihre Empfänger vorübergehend unverschlüsselt vorliegen, so die Saarbrücker. Der Anwender könne auf diese jedoch auch verzichten. Die Entwickler der Software betonen, dass Anwälte und Mandaten das System mit minimalem Aufwand bedienen können, da das System den Austausch von kryptografischen Codes automatisch im Hintergrund ausführt.

Die Software sei zunächst für Rechtsanwälte und Mandanten ausgelegt. Die Saarbrücker Forscher arbeiten aber daran, diese so anzupassen, dass auch Steuerberater und mittelständische Unternehmen die sicheren Datenräume verwenden können.

Weitere Informationen finden sich unter www.mavora.de

Timo Scheibe ist Redakteur bei der LANline.