Mit der Verbreitung des Internets der Dinge (IoT) und anderer intelligenter Geräte wird es für Hersteller immer komplexer und teurer, Embedded-Linux-basierende Distributionen und Anwendungen für diese Geräte zu entwickeln. Siemens PLM Software kündigte nach eigenen Angaben daher vor Kurzem die neue Lösung Enterprise Mentor Embedded Linux (MEL) an. Sie soll Elektronikherstellern sichere, skalierbare und konfigurierbare Distributionen für Anwendungen in der Industrie, Medizin, Luft- und Raumfahrt und Verteidigung erlauben. Die neue MEL-Technik sei eine kommerziell erprobte, konfigurierbare Distribution mit einer robusten Betriebssystemplattform für die Entwicklung eingebetteter Systeme. Sie ist das Ergebnis der kontinuierlichen Integration der kürzlich von Mentor Graphics erworbenen Werkzeuge zum Entwurf eingebetteter Systeme. Die Lösung basiert auf Debian, einem weit verbreiteten Open-Source-Linux-Betriebssystem für Unternehmensanwendungen.

Neben der Stabilität, dem vollen Funktionsumfang und der benutzerfreundlichen Vorteile einer Unternehmenslösung biete die neue Enterprise-Technik von Siemens auch die Leistung, Anpassungsfähigkeit und die geringe Speichergröße eines Embedded-Betriebssystems, so der Hersteller weiter. Ein internes Team von Embedded-Linux-Experten hat diese robuste Lösung ursprünglich für den Einsatz in kritischen Automatisierungsanlagen des Konzerns entwickelt. Da sie jetzt kommerziell verfügbar ist, können Embedded-Entwickler mit dieser bewährten Lösung die Kosten und Risiken bei einem Wechsel zu Linux minimieren.

„Da immer mehr Ingenieure die Vorteile von Open-Source-Lösungen erkennen, definieren Embedded-Systeme der nächsten Generation auch die Anforderungen an die Softwareentwicklung neu“, kommentiert Chris Rommel, Executive Vice President von VDC Research. „Viele Entwickler haben zwar Erfahrung mit Enterprise-Linux gesammelt, diese traditionellen Lösungen können jedoch die Leistungsanforderungen der meisten Embedded-Systeme nicht erfüllen. Das neue Mentor Embedded Linux löst dieses Problem. Es bietet eine Enterprise-Lösung für Entwickler, die eine Linux-Entwicklungsumgebung suchen, die über die häufig im Embedded-Markt verwendeten Yocto-basierenden Plattformen hinausgeht.“

Die Enterprise-MEL-Lösung von Siemens integriert eine große Anzahl vorkonfigurierter, vollständig getesteter Binärpakete. Diese bieten laut Siemens alle Funktionen und Parameter einer ausgereiften Softwareplattform, sodass eine Vielzahl von Benutzern sie problemlos installieren und verwenden kann. Dies mache die Implementierung von Standards in Unternehmen wesentlich einfacher und effizienter. Die binäre MEL-Lösung von Siemens umfasst auch einen stabilen Kernel und eine robuste Toolchain. Beide erfahren laut Siemens eine breite Community-Unterstützung. Diese ermögliche in Kombination mit dem kommerziellen Support und der Entwicklungskompetenz von Siemens eine höhere Produktivität und Agilität bei der Entwicklung.

„Durch die Kombination der Fähigkeiten einer Embedded-Linux-Distribution mit denen der binären Debian-Desktop-Linux-Distribution können Entwickler – von denen viele ihre Fertigkeiten in der Entwicklung von Linux-Desktops verfeinert haben – dieses Können nun leicht auf voll ausgestattete Embedded-Systeme erweitern“, erklärt Simon George, Director of System Software und SoC Solution Marketing, Xilinx. „Wir erwarten, dass Mentors binäre Linux-Lösung bei der Entwicklung mit fortschrittlichen SoCs wie Xilinx Zynq UltraScale+ MPSoC viele Aufgaben vereinfachen wird.“

Sicherheits-Patches und Produkt-Updates halten Embedded-Entwickler auf dem neuesten Stand, sodass sie Standardisierungen und Wartung auf Unternehmensebene durchführen können. Die neue Linux-Lösung unterstütze sichere Updates im Feld und die Isolierung von Anwendungen.

Die binäre, Debian-basierte Lösung unterstützt mehrere Hardwarearchitekturen und soll im zweiten Quartal verfügbar werden. Eine MEL-Version auf Basis des Yocto-Projekts ist ebenfalls verfügbar. Weitere Produktinformationen gibt es unter www.mentor.com/embedded-software/linux/based-on-debian/.

Dr. Jörg Schröper ist Chefredakteur der LANline.