Die All-IP-Welle rollt: Tausende von Unternehmen stehen vor der Herausforderung, ihre Telefonie auf ein IP-fähiges Funda-ment migrieren zu müssen. Microsoft bringt in diesem Umfeld die UCC-Plattform Skype for Business als Nachfolger der klassischen TK-Anlage in Stellung.

Unified Communications und Collaboration (UCC) boomt: Im Zuge der voranschreitenden Digitalisierung steigt die Zahl der Kommunikationskanäle in den Unternehmen rasant an. Wo Mitarbeiter früher ausschließlich telefonierten und faxten, kommen heute E-Mail, Chat, Text-Messaging, Video-Conferencing und etliche weitere Medien zum Einsatz.

Voraussetzung für einen effizienten Einsatz ist aber, dass eine ganzheitliche UC-Plattform (Unified Communications) die alten und neuen Medien integriert und am Desktop des Anwenders zusammenführt. Falls das nicht geschieht, scheitert der Erfolg einer solchen Lösung an der Anwenderfreundlichkeit.

Unternehmen, die sich im Zuge der All-IP-Migration auf die Suche nach einer UCC-Lösung machen, kommen nicht umhin, Skype for Business mit in ihre Erwägungen einzubeziehen. Die UCC-Plattform aus dem Hause Microsoft verzeichnet mit ihrer engen Office-Integration rasante Zuwachsraten. Es lohnt sich daher zu prüfen, ob Skype for Business auch für das eigene Unternehmen als UC-Plattform und gegebenenfalls sogar als Alternative zur Telefonanlage in Frage kommt.

Ist das Netzwerk bereit für VoIP?

Die wichtigste Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz von Skype for Business ist, dass das vorhandene Netzwerk den Voice- und Video-Traffic in angemessener Qualität übertragen kann. Anders als in klassischen TDM-Netzen wie ISDN müssen sich im konvergenten Sprachdatennetz die Echtzeit-Pakete die verfügbare Bandbreite mit großen Datenpaketen teilen. Wird die Umgebung nicht sorgfältig gemanagt, kann es gerade auf der WAN-Strecke leicht passieren, dass Sprachpakete verzögert ankommen (Latenz), verloren gehen (Packet Loss) oder durcheinanderkommen (Jitter) – und die Sprachqualität leidet. Dies ist schon bei der IP-Telefonie eine Herausforderung, bei Skype for Business mit seinen bandbreitenintensiven Rich-Media-Inhalten aber wesentlich anspruchsvoller.

Unternehmen ohne eigenen Skype Server können On-Premise eine virtualisierte Skype-Kleinstumgebung aufsetzen, die als Cloud Connector die lokale ISDN-TK-Anlage mit einem Skype for Business Server in der Cloud verbinden. Bild: Arkadin

Unternehmen sollten daher auf jeden Fall vor der Migration ein umfangreiches Voice Readiness Assessment ihrer LAN- und WAN-Umgebungen durchführen. Dabei speist man über einen Zeitraum von mehreren Tagen künstlichen Traffic in das Netzwerk ein, der in Volumen und Qualität in etwa dem zu erwartenden VoIP-Volumen entspricht. Kommt das Unternehmensnetzwerk gut damit zurecht, steht der Migration auf Skype for Business unter Performance-Gesichtspunkten nichts im Wege.

Sollten Latenzen, Jitter oder Paketverluste in einem heiklen Bereich liegen, ist auch noch nichts verloren: Skype for Business unterstützt neben klassischen QoS-Features auch eine Reihe leistungsfähiger Technologien, mit denen sich die Qualität der Sprachübertragung gut steuern lässt. Hierzu gehören beispielsweise klassische Lync-Features wie Call Admission Control (Begrenzung der maximalen Zahl von VoIP-Kanälen) und Forward Error Correction (redundante Übermittlung der Nutzlast). Überdies unterstützt die Lösung mit dem von Lync adaptierten RTAudio und der von Skype übernommenen Siren-Familie zwei performante Codecs, mit denen sich die Abtast- und Komprimierungsraten während laufender Gespräche und Konferenzen durchgängig anpassen lassen. In der Regel lässt sich dadurch selbst in Umgebungen mit knapper Bandbreite eine einwandfreie Dienstgüte gewährleisten.

Unterstützt Skype alle erforderlichen Features?

Im nächsten Schritt sollten migrationswillige Unternehmen prüfen, ob Skype for Business alle Funktionen bietet, die sie benötigen. Unsere Erfahrung zeigt, dass viele IT-Abteilungen zunächst relativ skeptisch sind. Wer mit den VoIP-Produkten der ersten Generation groß geworden ist, weiß noch gut um die Kluft, die bis vor einigen Jahren zwischen etablierten ISDN-Systemen und den damals brandneuen IP-Lösungen klaffte. Inzwischen steht der Funktionsumfang von IP-basierten Lösungen im Allgemeinen dem klassischer ISDN-Plattformen in nichts nach. Der Funktionsumfang ist zwar nicht völlig identisch, aber in der Breite vergleichbar.

Dennoch lohnt es sich, vor der Migration mit einer detaillierten Checkliste zu prüfen, ob sich auch wirklich alle geschäftskritischen Funktionalitäten unterstützen oder mit Workarounds umsetzen lassen. Einige TDM-Technologien, etwa DECT oder Lichtruf im Krankenhaus, sind Stand heute nur mit hohem Aufwand auf IP migrierbar. Wer eine solche Lösung im Einsatz hat, sollte prüfen, ob er Skype for Business flächendeckend integrieren – oder die bestehende Infrastruktur zunächst mithilfe von IP-Gateways in die All-IP-Ära überführen und Skype womöglich zunächst als Insellösung in der Verwaltung testen will.

Unternehmen, die UCC komplett auslagern und als Service beziehen möchten, haben die Möglichkeit, Skype for Business bei einem Drittanbieter wie Arkadin als gehostete Lösung zu beziehen. Bild: Arkadin

Die Lösung unterstützt nicht nur die meisten ISDN-Leistungsmerkmale, sondern zahlreiche Funktionen für UC, Collaboration und Federation für alle Unternehmensgrößen von Mittelstand bis Konzern. Dabei profitiert die Lösung insbesondere von der engen Verzahnung mit der Microsoft-Welt: Aktuellen Studien zufolge nutzen 92 Prozent aller Business-Anwender die Office-Suite, um ihre Kontakte, Termine und Aufgaben zu verwalten und mit Kunden und Partnern zu kommunizieren. Als nativer Teil des Office-Pakets fügt Skype for Business die UCC-Komponenten optisch und haptisch nahtlos in die bestehende Office-Oberfläche ein. Das schlägt sich in einer hohen Bedienfreundlichkeit und kurzen Einarbeitungszeiten nieder.

Die enge Verzahnung mit der Microsoft-Welt trägt überdies auch zur effizienten Verwaltung der Plattform bei – etwa im Hinblick auf die Integration in bestehende Active-Directory-Infrastrukturen und Windows-Domänen.

Cloud oder On-Premise?

Und noch einen dritten wichtigen Punkt müssen IT-Verantwortliche vor der Migration – und vor der Entscheidung für oder wider Skype for Business – klären: Soll die Telefonie nach der Umstellung weiterhin On-Premise oder lieber in der Cloud gehostet werden? Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Je nach Unternehmensgröße, Infrastruktur, Sicherheitsanforderungen, Finanzierungsmodell, Laufzeit und vielen weiteren Parametern können sowohl für On-Premise als auch für Private, Hybrid und Public Clouds oder SaaS-Modelle gute Gründe sprechen. Grundsätzlich lassen sich mit Skype for Business aber alle vier Modelle abbilden:

Native Online-Installation: Bei diesem vollständig Cloud-basierten Deployment stellt man sämtliche Telefonie- und UCC-Funktionalitäten über einen von Microsoft gehosteten Skype for Business Server in der Cloud bereit. Unternehmen profitieren so von allen Vorteilen der Plattform, ohne eigene Hardware vorhalten zu müssen. Einziges Manko: Microsoft bietet im Moment in Deutschland noch keinen Zugang zum öffentlichen Netz. Dieser soll ersten Informationen zufolge frühestens ab November 2017 verfügbar sein.

Cloud-PBX mit Skype for Business Server: Das hybride Modell ermöglicht Unternehmen mit vorhandenem Skype- oder Lync-Server eine schnelle und wirtschaftliche Migration. Dabei implementiert man parallel zur vorhandenen On-Premise-Infrastruktur eine Cloud-basierte Skype-for-Business-Umgebung. Die bestehenden Systeme nutzen Unternehmen für den Netzzugang und das Rufnummern-Handling weiter und überführen diese später in die native Cloud-Installation.

Cloud-PBX mit Skype for Business Cloud Connector: Unternehmen ohne eigenen Skype Server können sanft migrieren, indem sie zunächst On-Premise eine virtualisierte Skype-Kleinstumgebung aufsetzen. Diese verbindet als Cloud Connector die lokale ISDN-TK-Anlage mit einem Skype for Business Server in der Cloud. Dadurch profitiert das Unternehmen von allen Vorzügen von Skype for Business und bleibt über den bestehenden Netzzugang an das öffentliche Netz angebunden.

Reine On-Premise-Installation: Unternehmen, die ihre Telefonie nicht in die Cloud verlagern möchten, steht weiterhin die Option offen, einen eigenen lokalen Skype for Business Server aufzusetzen und als Private Cloud zu betreiben. Dies erfordert aber tiefes Knowhow und geht mit höheren Hardwarekosten einher.

SaaS im Drittanbieterbetrieb: Unternehmen, die UCC komplett auslagern und als Service beziehen möchten, haben die Möglichkeit, Skype for Business bei einem Drittanbieter wie Arkadin als gehostete Lösung zu beziehen. Auf diese Weise profitieren sie vom gesamten Leistungsumfang, ohne eigenes Equipment oder Know-how vorhalten zu müssen.

Fazit

Unternehmen sollten die Migration auf IP für eine echte Erneuerung der Infrastruktur nutzen. Mit Skype for Business bietet Microsoft eine ausgereifte Technologie, die die Kommunikationsprozesse nahtlos in die IT integriert und hervorragend als Sprungbrett in die Cloud dienen kann. Als performante, vollumfängliche und flexible Plattform eignet sich Skype for Business für viele Unternehmen. Die verfügbaren Leistungen gehen weit über das Spektrum einer reinen Telefonanlage hinaus. Auf jeden Fall sollten die IT-Abteilungen eingehend prüfen, ob die Lösung wirklich zu ihnen und ihren Kommunikationsbedürfnissen passt – und im engen Zusammenspiel mit dem Integrator oder Cloud-Service-Provider ihres Vertrauens die Weichen für eine erfolgreiche Implementierung stellen.

Markus Bleher ist General Manager Central Europe bei Arkadin ().