Eine innovative Leitungssuche in Wänden, Geräten und vor allem Schalt- und Server-Schränken verspricht der US-amerikanische Messgerätehersteller Fluke mit seinem neuen gefilterten Kabelprüfer PRO3000F. Aber sind die Neuerungen ihren Preis wert? LANline hat das Gerät in einem Praxistest unter die Lupe genommen.

Laut Fluke Networks war die Unterdrückung des Netzfrequenzrauschens der am häufigsten geäußerte Kundenwunsch in Bezug auf den Kabelprüfer. Mit der neuen F-Version des Testers – die mit rund 160 Euro zu Buche schlägt – will Fluke mit einem Netzfrequenzfilter das Manko des PRO3000-Vorgängers beseitigt haben. Gleich vor dem Kauf muss man als Käufer aufpassen: Die beiden Versionen F50 (50 Hz) und F60 (60 Hz) sind weltweit verfügbar – erstere ist natürlich für den europäischen Markt gedacht.

Öffnet man die Verpackung des gelieferten Kits aus, sticht zuerst die Verarbeitungsqualität der Geräte und der Leitungen ins Auge. Diese spiegelt sich unter anderem in der Handhabung, in der Dokumentation und dem Zubehör wie zum Beispiel dem mitgelieferten AWG26-Kategorie-5-Patch-Kabel wider. Etwas anderes hatten wir bei dem Preis auch nicht erwartet.

Das Set besteht im Wesentlichen aus dem kompakten Tongenerator mit zwei Abgreifklemmen und einem RJ11-Modularstecker sowie einer länglichen Empfängersonde (Bild unten). Der Tongenerator sendet die Ortungstöne entweder im Dauer- (1 kHz) oder Wechseltonmodus (1 kHz/1,5 kHz) mit einer Sendeleistung von 8 dBm bei 600 Ohm. Dies kann je nach Leitungsart für bis zu 16 Kilometern Leitungslänge (TP, AWG24) reichen. Die Empfangssonde empfängt diese Töne mit Hilfe einer auswechselbaren Kunststoffspitze (ein Ersatz ist im Batteriefach mitgeliefert), die das Messsystem kaum beeinflusst, und gibt sie anschließend am integrierten Lautsprecher oder Mono-Kopfhörer-Klinkenausgang aus.

Die Suche in der Verkabelung

Im Leitungsverfolgungsmodus lässt sich eine Leitung auch hinter Hindernissen wie Wänden meist zuverlässig verfolgen und die Enden der Leitungen zuordnen. Im Server-Schrank ist dank dem mitgelieferten RJ11-auf-RJ45-Adapter auch eine LAN-Kabelverfolgung möglich, sogar trotz der mehrfachen Isolation. Will man dagegen bestimmte Adern eines solchen mehradrigen Kabels bestimmen, muss das mitgelieferte und von einer Seite aufgeschnittene Testkabel helfen, das man mit den Abgreifklemmen verbinden kann. Dabei sind grundsätzlich sowohl Messaufbauten mit einer einzigen als auch einer doppelten Leitung realisierbar, das Ganze mit Gleichspannungsanteilen von bis zu 60 V. 4-Paar-PoE-Leitungen nach neuestem (geplantem) Standard 802.3bt-2018 liegen mit bis zu 57 V also noch im zulässigen Bereich.

Selbst bei mehradrigen Leitungen ist das Finden der Leitungen erfolgreich, auch wenn der Ton natürlich zum Teil auf die anderen Adern überspringt. Bei unserem Test konnten wir 5m-UTP-Cat.5-Kabel voneinander unterscheiden. Auch war der Signalstärkeverlust über die Länge kaum bemerkbar. Wenn wir dagegen Leitungen mit einem kleinen Gleichspannungsanteil maßen, war dies schon oft eine kritische Kabellänge. Der durch die Filtertaste einschaltbare Filter reduziert das Grundrauschen deutlich und vereinfacht die Suche, auch wenn man ohne Filter die 50-/60-Hz-Leitungen besser im Blick hat. Der integrierte Lautsprecher ist übrigens laut genug, um den Ton auch bei geräuschgefüllten Umgebungen wahrzunehmen. Bei einer Normalumgebung bietet sich dagegen der stufenlose Lautstärkeregler an.

Aderzuordnung und geschirmte Kabel

Um das Unterscheiden der Leitungen noch einfacher zu machen, ist die spezielle SmartTone-Funktion in der Praxis sehr hilfreich. Verbindet man die beiden gesuchten Leitungen miteinander (oder nur eine mit Masse oder dem Gehäuse), wechselt der Tongenerator nach einer leichten Verzögerung in einen anderen Tonmodus – ein schriller und plötzlicher Martinshornton, der jeden noch so müden Service-Techniker im Server-Raum hellwach werden lässt. Trotz dieses Zusatzeffekts war bei uns dadurch die Identifikation der Leitung eindeutig. Bedenken sollte man allerdings, dass durch die SmartTone-Funktion laut Hersteller nur bis 3,3 Kilometer zuverlässig genug wirkt, was jedoch bei den meisten Kabelbäumen keine relevante Beschränkung darstellen sollte. Auch wenn viele UTP-Kabel im Netzwerk zum Einsatz kommen und das mitgelieferte Testkabel ebenfalls nicht geschirmt ist, brannte es uns unter den Nägeln, auch geschirmte Kabel auszuprobieren. Daher haben wir auch lose FTP-Kategorie-5-Kabel des mittleren Preissegments mit dem Gerät gemessen, wobei die Schirmung entgegen der Herstellerempfehlung nicht mit dem Tongenerator verbunden war, um die Testbedingungen zu erschweren. Mit gutem Gehör konnte man überraschenderweise auch dabei die Kabel zwar auf geringster Distanz, jedoch bei einer Länge von mehreren Metern verfolgen, wenn auch nur im SmartTone-Modus.

Erwähnenswert ist die beachtliche Verzögerung bei der visuellen LED-Anzeige des Empfängers, sodass diese im Test im Gegensatz zum akustischen Signal kaum Aufschluss lieferte. Auch hat sich der Dauermodus als die präzisere Variante erwiesen, wenn es um mehrere benachbarte Leitungen geht.

Weitere Zusatzfunktionen

Fluke hat darüber hinaus noch weitere Zusatzfunktionen integriert. So zeigt eine zweite LED (rot/grün) am Tongenerator die Polung der angeschlossenen Leitung an, falls dort – wie zum Beispiel bei einer Telefonleitung – ein Gleichspannungsanteil anliegt. Jedoch funktionierte es bei uns erst ab etwa drei bis vier Volt, darunter zeigte es fälschlicherweise immer die gleiche Polung an. Bei Digitalleitungen mit wenig Spannung ist dies durchaus ein Problem. Ein weiterer, wenn auch kleiner Zusatz ist die CONT-Funktion des Tongenerators für eine Leitungsdurchgangsprüfung, die mit Hilfe der Helligkeit der LED den Durchgang mit bis zu 10 kΩ anzeigt. Nebenbei gibt es noch die Möglichkeit, bei zwei zu Verfügung stehenden Tongeneratoren die Speisespannung einer hausinternen Kommunikationsanlage testweise bereitzustellen.

Viacheslav Gromov ist freier Autor in Offenburg.