Netzwerkdiagramme zeigen, wie eine IT-Infrastruktur intern aufgebaut ist. Dieser Grafiktyp gehört zu den traditionell wichtigsten Dokumentationsquellen über die eigene Informationstechnik – und wird es auch bei allen Cloud-Strukturen und Service-Angeboten stets bleiben. Der LANline-Test nimmt in dieser Ausgabe zwei kostenlose Programme unter die Lupe, mit denen sich solche Grafiken erstellen lassen.

Cloud und Outsourcing hin- oder her: Ein Rest eines internen Netzes mit LAN und WLANs wird es bei jedem Unternehmen auch in Zukunft geben – und wenn tatsächlich nicht dortselbst, dann eben beim Cloud-Service-Provider. Diagramme, die solche internen Netzwerke dokumentieren, erfüllen für Betrieb und Planung von IT-Infrastrukturen daher auch langfristig einen wichtigen Zweck. Auditoren werden sie mit ebenso großer Wahrscheinlichkeit regelmäßig einfordern. Dies gilt unabhängig davon, ob ISO-, BSI-Grundschutz- oder PCI-DSS-Grundlagen oder ganz andere Industrienormen oder Gesetze für ein Unternehmen zum Nachweis seiner Professionalität in Sachen Gestaltung seiner IT-Umgebung von Bedeutung sind.

Die Bilder, die Anwender mit Netzwerkdiagramm-Software zeichnen, zeigen primär Hardwarekomponenten wie Desktops, Server, Switches, Router, Firewalls, mobile Geräte und dazu zentrale Instanzen wie unternehmenswichtige Firewalls. Dazu gehören – selbstverständlich – die Kabelverbindungen dazwischen oder die drahtlosen Alternativen.

LANline hat zwei Freeware-Programme daraufhin untersucht, ob sie den Anforderungen für eine Dokumentation standhalten können. Vorab schon lässt sich sagen: Ja, mit den Resultaten sämtlicher hier vorgestellten Software-Programme ist das interne Dokumentationsbedürfnis zu erfüllen und ein Auditor zufriedenzustellen. Formal also muss man nicht unbedingt auf kommerzielle Alternativen ausweichen. Unterschiede finden sich eher in der Bedienungsfreundlichkeit und in der Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Dokumentationsanforderungen.

Die Office-Suite Libre Office enthält selbst ohne Modifikationen bereits ein echtes Vektorgrafik-Programm namens Draw.

Im Test geht es um das Grafikmodul Draw aus der Softwaresuite Libre Office mit der frei verfügbaren VRT-Netzwerk-Diagramm-Ergänzung, außerdem um das verbreitete Programm DIA. Libre Office haben Techniker möglicherweise nicht unbedingt auf dem Radar, wenn sie eine Software zur Diagrammerstellung suchen. Die Office-Suite enthält allerdings selbst ohne Modifikationen bereits ein echtes Vektorgrafik-Programm namens Draw. Dort fehlen zwar die üblichen Symbole für Switches, Router, Server etc. Die entsprechenden „Shapes“ lassen sich jedoch über die kostenlose, unter CC-BY-SA lizenzierte Extension „VRT Network Equipment“ integrieren, und dies unter allen Betriebssystemen, für die Libre Office erhältlich ist. Für den Test kam die Version 5.3.7.2 unter Windows 10 zum Einsatz.

Libre Office Draw: Admin-Trimm

Die Erweiterung muss der Nutzer zunächst von extensions.libreoffice.org herunterladen. Er findet sie schnell, wenn er ins Suchfeld der Seite „VRT“ eingibt. Die Installation im Programm erfolgt dann über den „Extension Manager“ im „Extras“-Menü von Libre Office Draw. Anschließend stehen die Symbole zur Verfügung, wenn er innerhalb des Programms über das Ansicht-Menü die „Gallery“ aufruft und dort nach unten scrollt.

Das Angebot an Vorlagen ist durchaus reichhaltig und erfasst auch Bereiche, die über den Bedarf gewöhnlicher Netzwerkdarstellungen hinausreichen – so etwa den der Vernetzung von Industrieanlagen. Die folgenden Symbolkataloge finden sich unter den „Themen“ der Gallery:

  • VRT Clients & Peripherals,
  • VRT Energy Management,
  • VRT Industrial Automation,
  • VRT Networking & Communications,
  • VRT Servers und
  • VRT Visualisation.

Die Symbole stehen in 3D zur Verfügung und vermitteln einen hinreichend modernen Eindruck, um ansprechende und gut lesbare Diagrammzeichnungen zu kreieren. Um sie zu verwenden, zieht der Nutzer sie einfach aus der Gallery ins Zeichenblatt und arrangiert sie anschließend dort.

Für die Verbindungen zwischen den Geräten stehen die üblichen Linien, Pfeile und sonstigen Elemente zur Verfügung. Gruppierungen, Ausrichtungen, das automatische Einrasten auf Zielpunkte und alle übrigen Zeichenwerkzeuge entsprechen dem, was man von einem modernen Zeichenprogramm erwarten darf.

Als kostenloser Ersatz für kommerzielle Programme zur Netzwerkdiagramm-Erstellung gilt unter Administratoren und in Foren das Programm DIA.

Eine Funktionalität allerdings ist besonders hilfreich und daher auch gesondert erwähnenswert, weil sie dem typischen praktischen Einsatz von Netzwerkdiagrammen im IT-Alltag entgegenkommt: Draw beherrscht die Arbeit mit Zeichnungsebenen. Damit wird es beispielsweise möglich, Informationen zu den abgebildeten Netzwerkelementen auf andere Ebenen zu legen als die Zeichnung selbst. Dies sorgt nicht nur für Übersichtlichkeit, weil man für einen schnellen Überblick all die Bemerkungen, IP-Adressen, Wartungsstände und was an sonstigen Dingen noch an erläuternden Texten in ein Diagramm gehört, einfach Stück für Stück ausblenden kann. Die Gruppierung in entsprechenden Ebenen erlaubt es auch, aus derselben Zeichnung Versionen für unterschiedliche Nutzergruppen zu erzeugen, die nur bestimmte Informationen daraus ablesen wollen oder dürfen.

Libre Office Draw nutzt ein eigenes Dateiformat, kann jedoch Dateien in viele Formate exportieren, etwa HTML, PDF, Macromedia Flash, BMP, GIF, JPEG, TIFF oder WMF.

Die Liste der möglichen Importformate (erreichbar über Einfügen/Bild) ist noch eindrucksvoller, es gibt jedoch wie üblich keine Garantie, dass alle dort genannten Vektor- und Bitmap-Dateifomate auch tatsächlich einwandfrei funktionieren. Bei einem EPS-Import beispielsweise sieht man nur die Datei-Metadaten und gegebenenfalls ein Vorschaubild, die Grafik selbst allerdings nicht. Einen Versuch mit vorhandenen Beständen lohnt sich aber allemal.

DIA – der Klassiker

Als kostenloser Ersatz für kommerzielle Programme zur Netzwerkdiagramm-Erstellung gilt unter Administratoren und in entsprechenden Foren das Programm DIA. Zugleich kritisieren Anwender es jedoch auch besonders häufig als „unfertig“ oder „schwierig zu bedienen“. Erhältlich ist das Programm unter www.dia-installer.de für Windows, Linux und MacOS. Unser Textobjekt war die Version 0.97.2, wiederum unter Windows 10. Installation und Aufruf gelangen ohne Probleme, ein wenig auffällig war die im Vergleich mit Draw eher lange Startzeit auf dem Test-PC.

In der Benutzeroberfläche findet man sich schnell zurecht. Dort haben sich die unterschiedlichen Editoren inzwischen allerdings auch einfach so sehr aneinander genähert, dass echte Bedienprobleme kaum mehr zu erwarten sind. Ein schneller Check des Funktionsumfangs zeigt, dass auch die bei Libre Office Draw positiv erwähnte Fähigkeit zur Arbeit mit Ebenen vorhanden ist. „An Objekten einrasten“, Gitter, Lineale, Gruppierungen – die Werkzeugleiste ist auch in diesem Fall mit allem gefüllt, was ein moderner Vektoreditor bieten muss.

Für Netzwerkdiagramme finden sich gleich zwei Objektbibliotheken im Werkzeugkasten von DIA: „Netzwerk“ und „Cisco-Computer“. Erstere darf man getrost als ein wenig altbacken bezeichnen, letztere allerdings kommt mit den heute gewohnten 3D-Abbildungen der üblichen Netzwerk-Hardware daher. Übermäßig reichhaltig ist die Auswahl allerdings nicht. Spezialitäten wie Systeme aus Produktionsnetzumgebungen, wie sie Libre Office Draw bietet, sucht man bei DIA vergebens. Dafür sind interessanterweise noch eine Diskette, ein Wählscheibentelefon, ein Uralt-Handy und eine ZIP-Laufwerkskartusche im Angebot – es scheint, als sei zumindest die Standard-Netzwerkbibliothek doch etwas älteren Datums.

Das Zeichnen mit Linien, Pfeilen und Objekten funktioniert unspektakulär – manchmal allerdings sieht es so aus, als verlaufe das Aufgreifen etwa von Linienenden oder die Unterscheidung, ob ein Objekt verschoben oder skaliert werden soll, nicht ganz präzise. Der Anwender greift daher relativ oft zur „Rückgängig“-Funktion. Da diese Erscheinung auch in Forenbeiträgen im Internet verhältnismäßig häufig kolportiert wird, offenbart sich an dieser Stelle wohl tatsächlich eine kleine Programmschwäche.

Zur Serie
Die LANline-Serie zu IT-geeigneten Freeware-Diagrammeditoren erscheint als Fünfteiler in lockerer Folge. Teil 1 (Ausgabe 4/2018) führt ins Thema ein und erläutert Diagrammtypen und die Testkriterien. Teil 2 befasst sich mit Editoren für Netzwerkdiagramme, Teil 3 mit Werkzeugen für Datenflussdiagramme, Teil 4 mit Tools für Gantt- oder Projekt-Charts und Teil 5 mit Mindmap- und Concept-Map-Software.

Dr. Johannes Wiele ist Spezialist für Security Awareness.