Im Test: AIT-4-Laufwerk von Sony

Wettstreit der Formate

10. April 2005, 22:55 Uhr   |  Florian Huttenloher/jos

Vor allem mit einem günstigen Preis-Leistungs-Verhältnis sollen die AIT-4-Laufwerke von Sony punkten. Im LANline-Test musste ein Gerät des Typs SDX-900V zeigen, ob es an die Bestmarken der Konkurrenten aus dem LTO-Lager herankommt.

Seit Ende 2004 führt Sony seine AIT-Technik nunmehr in der vierten Generation ins Feld. Sie
zielt gegen Linear Tape Open in der zweiten und dritten Generation (LTO2/3) von IBM, HP, Tandberg
(OEM-Fabrikant von IBMs LTO-Linie) und Quantum, seitdem der Protagonist der Super-DLT-Linie (Super
Digital Linear Tape) Certance übernommen hat.

Gemeinsames Merkmal ist bei den AIT-Drives die stets gleiche Abmessung der Kassetten (im
Achtmillimeter-Formfaktor). Die nativen Kapazitäten reichen von 25 GByte (AIT-1) bis 200 GByte
(AIT-4). Die Abmessungen der AIT-Drives (3,5-Zoll-Formfaktor) wirken dabei vorteilhaft: Da sie nur
eine Höheneinheit beanspruchen, eignen sie sich auch für schmale Einstiegsserver. Ob Sony mit AIT-4
und Leistungswerten von 1440 MByte/min (so die unkomprimierte Herstellerangabe) und 200 GByte pro
Band dem Top-Konkurrenten Quantum mit LTO3 (400 GByte pro Ultrium-3-Band mit einer realen Leistung
von 4181 MByte/min) Marktanteile streitig machen kann, ist die große Frage. Sony positioniert daher
auch seine vierte AIT-Generation gegen die zweite LTO-Version, LTO-2. Diese, wie auch die
SDLT-Systeme, spielen mit dem AIT-4 in einer Liga. Zum Vergleich: Für ein 440-LTO-2 von Tandberg
gibt der Hersteller eine maximale unkomprimierte Transferrate von 2400 MByte/min an.

Nach der Übernahme von Certance durch Quantum sind bereits Fragen über die Zukunft der SDLT- und
DLT-Systeme aufgetaucht, folgerichtig könnte Sony mit den AIT-4-Drives LTO2 als direkten
Gegenspieler angehen. Ob die realen Kenngrößen von AIT-4 diese Geschäftsstrategie unterstützen,
soll folgender Test unter anderem zeigen.

Laufwerksinformationen und Systemvoraussetzungen

Beim Testgerät handelte es sich um ein AIT-4-Laufwerk mit der Bezeichnung SDX-900V (Bild 1).
Diese interne Variante mit den Abmessungen 170 mm (Tiefe), 120 mm (Breite ohne 5,25-Zoll-Blende)
und 42 mm (Höhe) sowie einem Gewicht von einem Kilogramm wurde über Ultra-160-SCSI am
Labor-Backup-Server "Dualxeon" betrieben (zum Vergleich: LTO-3-Testgerät in LANline Ausgabe
12/2004, siehe Kasten "Testumgebung").

Der Preis für diese Ausführung liegt bei 2500 bis 2700 Euro. Dies ist durchschnittlich etwa 30
Prozent günstiger als die vergleichbare LTO-2-Technik. Das Gerät zeigt den Betriebszustand über
LEDs an. Rechts neben dem Cartridge-Einschub befindet sich der Auswurfknopf. Schutz gegen das
Eindringen von Fremdkörpern in die Laufwerksmechanik bietet eine zusätzliche Plastikabdeckung, die
jedoch bei Bedarf (etwa in staubfreien Räumen oder in Serverschränken) entfernt werden kann.

Da einige Server nicht über 3,5-Zoll-Schächte verfügen, lässt sich das AIT-4-Gerät durch Blenden
auch auf den 5,25-Zoll-Formfaktor bringen. Die interne SCSI-ID wird über Jumper eingestellt. Bei
den Umgebungsbedingungen legt der Hersteller 5 bis 80 °C als Betriebstemperatur bei einer maximalen
relativen Luftfeuchtigkeit von 80 Prozent fest.

Bei einer Nutzung des beigelegten Backup-Programms "Retrospect Version 6.5.350 OEM" von Dantz
läuft das SDX-900V unter den Betriebsystemen Windows XP, Windows 2000, Windows 2003 Server, MacOS 9
(nur Clients) und MacOS10. Für den ersten rechnerisch möglichen Ausfall eines Laufwerks gibt der
Hersteller eine Zeit von 400.000 Stunden bei 100 Prozent Duty-Cycle an. Als Standard gewährt Sony
auf seine AIT-Streamer 36 Monate Garantie, dies bei Vor-Ort-Service am nächsten Werktag. Aktuelle
Treiber sind unter www.sonyisstorage.com zum Download verfügbar.

Eine Frage der Bänder

Das AIT-4-Laufwerk liest und beschreibt bevorzugt SDX4-200C-Medien, die aktuelle zu AIT- 4
gehörende Bandvariante. Die SDX3-100C-Bänder (aus der AIT-3-Generation) werden ebenfalls
unterstützt (schreiben und lesen). Zudem ist es bis zu SDX-T3C-Kassetten der ersten AIT-Generation
im Lesemodus rückwärtskompatibel. 200 GByte an nativen Daten finden auf einer SDX4-200C-Kassette
Platz. Aber auch Besitzer der Vorgängerlaufwerke AIT-3 stehen gut dar, schließlich lassen sich auch
SDX3-100C-Bänder (100 GByte unkomprimiert) im Fall eines Upgrades weiterverwenden. Die Medien der
AIT-Turbo-Reihe sind dagegen nur in Turbo-Geräten verwendbar und werden nicht unterstützt. Bei den
SDX3-100C- und SDX4-200C-Bändern ist ein Remote-MIC (Memory in Chip) von 64 KByte integriert.
Dieser beschleunigt Suchanfragen nach Daten auf dem Backup-Satz, da der Zugriff auf einen solchen
Flash-Speicher wesentlich schneller ausgeführt wird als auf das Verzeichnis (den Katalog) auf dem
Magnetband. Das Verfahren funktioniert jedoch nur, wenn das Backup-Programm mit dem MIC-Chip
umgehen kann. Zusätzlich bietet Sony auch die so genannten "WORM"-Medien (Write Once Read Many) an,
die sich nur einmal beschreiben, aber beliebig oft auslesen lassen. Diese Medien sind stets
besonders gekennzeichnet, etwa SDX4-200W statt SDX4-200C.

Der Preis pro GByte liegt nach einer Recherche bei www.aaamedia.com und www.bandlaufwerke.de um
etwa 33 Cent im Fall der aktuellen SDX4-200C-Bänder. LTO-2-Bänder kommen auf einen Wert von 25 Cent
pro GByte.

Testumgebung

Zunächst wurde das AIT-4-Testgerät am SCSI-Bus des Backup-Servers angeschlossen. Dabei handelt
es sich um ein Doppelprozessor-Xeon-3,06-GHz-System (auf einem Intel-Serverboard SE7501WV2 in der
SCSI-Variante, also mit einem SCSI-Chip AIC7902 von Adaptec) mit 1024 MByte DRAM. Am
SCSI-Controllerchip hängt an einem Kanal eine SCSI-Festplatte mit 30 GByte für Windows 2003 Server.
Am zweiten Kanal ist dann das Bandlaufwerk intern angeschlossen. Zwei Festplatten (Typ ST3200822AS
von Seagate mit 7200 Umdrehungen pro Minute und einem CacheSpeicher von 8 MByte) mit jeweils 200
GByte Speicherkapazität waren über S-ATA zu einem RAID-0 (Stripeset) gebündelt.

Danach wurde das Stripeset in drei Partitionen unterteilt. Da verschiedene Datenträger von
Backup Exec getrennt gesichert und protokolliert werden, ist so ein aussagekräftiger Vergleich
zwischen den kleinen, mittleren und großen Dateien möglich. (genauere Informationen zur
Testumgebung im Kasten auf Seite 26). Als Sicherungsprogramm fungierte Backup Exec in der Version
8.6. Diese Software von Veritas kam schon bei den Laufwerkstests in Ausgabe 8/2004 (SDLT600 von
Quantum), Ausgabe 9/2004 (440LTO2 von IBM) und 12/2004 (LTO3 von Certance) zum Einsatz.

Ebenso wurden die zu sichernden Daten nicht geändert. Als Bestand dienten erneut Film-, mp3-,
und Textdateien. In den Testreihen wurden drei verschiedene Blockgrößen beim Laufwerk verwendet, um
die Bänder nacheinander mit gleichen Dateien zu beschreiben. Weitere Einstellungen wie die
Puffergröße von 1024 KByte oder die Pufferanzahl von 10 und der High Water Count (zur
Puffersteuerung) von 7 blieben während den gesamten Messung unter Backup Exec unverändert.

Insgesamt drei Partitionen mit verschieden großen Dateien kamen beim Backup zum Einsatz
(Partitionstabelle). Auf dem Laufwerk R befanden sich Dateien mit einem Speichervolumen von 13,5
GByte im txt- und doc-Format. Die einzelnen Files belegten etwa 1 KByte bis 120 KByte
Speicherplatz. Die mittelgroßen Dateien waren auf dem Laufwerk S untergebracht: Musikdateien im
mp3-Format mit 26,2 GByte belegtem Speicher. Auf der Partition T befanden sich die größten Dateien,
zwei jeweils 14 GByte große pva-Dateien (ein mpg-ähnliches Format) und 42 Filme im avi-Format mit
jeweils 520 MByte.

Sicherungsjobs

Zunächst lag das Augenmerk auf den Sicherungsaufgaben: Das AIT-4-Gerät lief dazu am Server "
Dualxeon". Mit den SDX4-200C-Medien (Tabelle 1) lag die höchste Transferleistung bei 1428
MByte/min, und zwar bei Sicherungen des Laufwerks T unter der 64-KByte-Einstellung. Bei einer
8-KByte-Blockgröße auf T kam mit 1341 MByte/min ein ähnliches Resultate zustande. Die beiden Jobs
waren nach 43 Minuten 39 Sekunden (64 KByte) und 46 Minuten 28 Sekunden (8 KByte) ausgeführt. Bei
der niedrigsten Blockeinstellung waren nur 639,4 MByte/min zu messen. Die Verify-Jobs benötigten
knapp zweiStunden (512 Byte) bis 43 Minuten (64 KByte).

Für die Musikdateien auf der Partition S zeigte sich ein ähnliches Bild: Die schnellste
Sicherung ist hier nach 18 Minuten 58 Sekunden (1418,7 MByte/min) beendet, hier war eine Blockgröße
von 8 KByte gewählt. Unter den anderen Einstellungen brauchte das Testgerät etwas länger um die
Daten zu sichern. Dabei ließen sich Geschwindigkeiten von 636,6 MByte/min (512 Byte) und 1412,5
MByte/min (64 KByte) messen. Eine Datenüberprüfung war nach jeweils knapp 19 Minuten (64 KByte und
8 KByte) und 48 Minuten (512 Byte) beendet. Die Textdateien auf Laufwerk R übertrug das
Sony-Testgerät mit Geschwindigkeiten von 597 MByte/min (512 Byte) bis 1105,4 MByte/min (64 KByte)
am langsamsten. Mit 23 Minuten 17 Sekunden unter der 512-Byte-Blockgröße brauchte das SDX-900V für
diesen Job deutlich länger als bei den Musik- oder Filmdateien. Dies war durchaus zu erwarten,
schließlich hat das Gerät hierbei einen erheblich höheren Verwaltungsaufwand.

Um die Rückwärtskompatibilität zu überprüfen, wurde ein Job mit den etwas älteren
SDX3-100C-Bändern wiederholt, allerdings nur mit der 64-KByte-Blockgröße und den Musikdateien.
Dabei ergab sich bei einer Gesamtsicherungszeit von 27 Minuten 47 Sekunden eine durchschnittliche
Leistung von 968,5 MByte/min. Ältere Generationen von AIT-Medien – wie etwa SDX2–50C Bänder –
lassen sich in der AIT-4-Generation nicht mehr beschreiben.

Wiederherstellungen

Als letzten Punkt untersuchte das Lab-Team die Wiederherstellungsfunktionen, allerdings ohne
abschließenden Dateivergleich (genaue Werte in Tabelle 2). Die zuvor gesicherten Daten fungieren
dabei als Ausgangsmaterial. Während der Wiederherstellung der Musikdateien von Laufwerk S traten
keine signifikanten Unterschiede auf: Bei allen drei Blockgrößen beträgt die Gesamtsicherungszeit
etwa 36 Minuten. Unter der 8-KByte-Einstellung war dennoch ein leichter Geschwindigkeitsvorteil mit
750,5 MByte/min gegenüber 732,1 MByte/min (64 KByte) messbar.

Bei den Textdateien unter R liegen die drei Ergebnisse in einem ähnlich kleinen Bereich wie die
Restore-Jobs der Musikdateien zuvor. Verschwindend gering ist dabei die Differenz der
Transfergeschwindigkeit von 488,4 MByte/min (512 Byte Blockgröße) als minimalem Wert und 489,8
MByte/min bei 8 KByte. Damit ist hier für den Administrator in der Praxis kein merkbarer
Unterschied feststellbar. Anders gestaltet sich die Sache bei der Partition T: Schließlich sind
hier die bedeutend größeren Dateien gespeichert, die mit etwa 50 Prozent vom Gesamt-Backup-Volumen
in diesen Test einfließen. Wie erwartet war die höchste Übertragungsgeschwindigkeit (824,5
MByte/min) unter T anzutreffen: Dabei dauerte es 1 Stunde 2 Minuten 16 Sekunden, um den Job zu
beenden (8 KByte Blockgröße). Alle AIT- bis AIT-4-Kassetten (ausgenommen die Turbo-Reihe)
akzeptiert das Testgerät, sodass mit Vorgängerlaufwerken erstellte Backups in den aktuellen Drives
lesbar sind.

Fazit

Sonys Aussage, mit den AIT-4-Laufwerken den Gegenspielern Quantum, IBM und HP mit einem besseren
Preis-Leistungsverhältnis bei einer nur um 20 Prozent niedrigeren Performance Paroli zu bieten,
muss leicht korrigiert werden. Im Test zeigte das SDX-900V Spitzengeschwindigkeiten von 1428,5
MByte/min, während mit dem 440-LTO-2 von IBM/Tandberg im LANline-Test Ausgabe 8/2004 Transferraten
von 2053 MByte/min zu erzielen waren. Diese Maximalwerte ergeben eine um etwa 30 Prozent geringere
Performance des Sony-Testgeräts. Dabei wurden exakt gleiche Daten im selben Ablauf gesichert.

Der frühere Test fand dabei sogar auf einem langsameren Server statt. Um eine etwaige
Leistungssteigerung des 440LTO2-Geräts am aktuellen Server auszumachen, übertrugen wir
sicherheitshalber die Partition T erneut. Dabei zeigten sich fast identische Transferraten. Dieses
Ergebnis lässt sich auf die anderen Backup-Jobs übertragen.

Intel SE7501WV2 Server Mainboard,

mit AIC-7902-SCSI-Controller und Grafik onboard

Zwei Intel Xeon mit 3,06 GHz

1 GByte DDR RAM 330 ECC

Controller:

Adaptec Serial ATA 24105SA RAID

Festplatten:

2 Seagate ST3200822AS 200 GByte

IBM DDYS-T36950N 30 GByte SCSI

Software:

Windows 2003 Server

Veritas Backup Exec Version 8.6

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