Der NAS-Spezialist Synology will künftig den Fokus verstärkt auf den Enterprise-Markt legen. Dies kündigte Dennis Schellhase, Head of DACH Market bei Synology, auf einer Presseveranstaltung des Herstellers in München an. Die neue Strategie soll sich nicht nur im Portfolio niederschlagen, sondern auch bei der Entwicklung neuer Produkte. So will sich Synology künftig mehr Zeit dabei lassen, das Portfolio weiterzuentwickeln und neue Produkte auf den Markt zu bringen. Ziel des NAS-Spezialisten ist es laut Schellhase, künftig noch mehr Wert auf Langlebigkeit, Stabilität und Verfügbarkeit bei seinen Hardwareplattformen zu legen, um eine langfristige Datenhaltung zu erleichtern: „Durch die erweiterte Qualitätskontrolle werden wir längere Produktionsentwicklungszyklen haben.“

Dies soll sich auch künftig auf die Namensgebung der Geräte auswirken – zumindest im Business-Segment. So werden die Jahreszahlen künftig aus den Produktnamen verschwinden. „Viele unserer Kunden hängen sich an den Jahreszahlen auf und haben dann Angst ein veraltetes Produkt zu kaufen, nur weil es aus dem Vorjahr stammt“, sagte Schellhase in München. Hier wolle der Hersteller einer Wegwerfmentalität entgegenwirken, die es etwa im Smartphone-Bereich gibt, wo man jährlich neue Flaggschiff-Devices auf den Markt bringt, nur um den Umsatz weiter zu steigern. „Unsere NAS sind keine Wegwerfprodukte“, betonte Schellhase. Dies belegte er unter anderem mit dem Hinweis auf Unternehmen, die eine Synology-NAS bereits seit über zehn Jahren im Einsatz haben.

Neue Hardwareplattformen in der Pipeline

Nichtsdestotrotz sollen auch in diesem Jahr noch neue NAS-Systeme die Produktpalette verstärken. Im Privatanwenderbereich seien dies etwa die Speichersysteme DS120j und DS420j, die zum Weihnachtsgeschäft beziehungsweise zum Jahreswechsel auf den Markt kommen sollen. Im Bürosegment ergänzt demnächst das Rackmount-NAS (1 HE) RS802(RP)+ das Portfolio.

Die meisten Neuerungen wird es jedoch im Enterprise-Portfolio des NAS-Spezialisten geben. Hier sollen die neuen Lösungen viel Speicherplatz auf wenig Raum oder eine besonders hohe Verfügbarkeit gewährleisten, etwa durch Active-Active-Clustering.

Mit der SA3200D soll 2020 eine SAS-fähige RackStation auf den Markt kommen. Im Inneren wird ein Intel-Xeon-D-Quad-Core mit 2,4 GHz verbaut. Weiter verfügt die Lösung nach Synology-Angaben über einen Active-Passive-Dual-Controller in einem Gehäuse. Den Speicherplatz gibt der Hersteller mit bis zu 1.344 TByte an.

Darüber hinaus hat der NAS-Spezialist mit dem HD6400 seinen ersten High-Density-Server mit 4 HE vorgestellt. Dieser verfügt über einen Intel-Xeon-Silver-4110-CPU mit acht Kernen und bis zu 3 GHz. Auf 4 HE mit 60 Festplatteneinschüben lasse sich zudem eine Speicherkapazität von bis zu 960 TByte realiseren. Der 32 GByte große DDR4-ECC-Arbeitsspeicher (Error-Correcting Code) lässt sich auf bis zu 512 GByte erweitern, so der Hersteller. Ebenso sind zwei 10GbE- und zwei PCIe-Steckplätze vorhanden.

Für das vierte Quartal 2019 kündigt Synology außerdem den Active-Active-Cluster UC3200 an. Durch den Active-Active-Dual-Controller soll die Lösung eine hohe Verfügbarkeit bieten. Der iSCSI-fähige UC3200 ist nach Herstellerbekunden ein hochzuverlässiger, hochperformanter Low-Latency-Server, der ein Failover von unter 30 Sekunden gewährleisten und sich damit für Produktionsumgebungen eignen soll.

Bestehende Systeme sollen sich künftig mit der E10M20-T1 erweitern lassen. Die Steckkarte hat zwei M.2-Steckplätze für NVMe-Speicher sowie einen 10GbE-Port für die schnelle Anbindung. Laut Schellhase muss der Anwender sich mit der Karte nicht mehr für schnellen Cache oder einer schnellen Netzwerkanbindung entscheiden, sondern könne von beidem profitieren.

DSM 7.0 mit zahlreichen Neuerungen

Neben den Neuerungen im Hardwareportfolio hat Synology auch die Management-Software Disc Station Manager weiterentwickelt. Zwei Jahre hat der NAS-Spezialist an der Version 7.0 gearbeitet, berichtete Simon Rahenbrock, Product Manager bei Synology. Auch hier sei das Ziel gewesen, die Software mehr in Richtung Enterprise mit Fokus auf das Management voranzutreiben.

Großen Wert legte Synology bei der Weiterentwicklung der Management-Software auf eine einfachere und intuitive Bedienbarkeit. So soll DSM 7.0 deutlich (rund 40 Prozent) schneller als die Vorgängerversion 6.2 starten. Auch die Menüführung hat der Hersteller überarbeitet und Funktionen, etwa Domain und LDAP, in ein einzelnes Menü zusammengeführt. Synology-Einsteiger profitieren laut Rahenbrock vom Speicherpool-Wizard, der sie durch die Standardeinstellungen des Speichersystems führt und Erklärungen zu RAIDs, Storage Pools und anderen wichtigen Begriffen liefert.

Einblicke mit Active Insight

Administratoren und Systemintegratoren sollen von dem mit Version 7.0 eingeführte Active Insight profitieren. Das zentrale Analyse-Tool bietet laut Hersteller für alle betriebenen NAS-Systeme eine umfangreiche und detaillierte Übersicht bezüglich Leistungsmetriken wie etwa CPU, RAM oder iSCSI. Synology reichert das Tool zusätzlich mit Telemetriedaten aus der Cloud an, sodass das Monitoring-Tool auf Statistiken basierende Vorhersagen über die Lebensdauer von HDDs etc. treffen kann. Die Möglichkeit, die Oberfläche zu personalisieren, soll das Arbeiten mit Active Insight vereinfachen.

Mit Active Insight hat der IT-Verantwortliche sämtliche Leistungsdaten im Blick.

Das Central-Management-System (CMS) im DSM bietet die Möglichkeit, alle im Netzwerk befindlichen NAS-Systeme von zentraler Stelle aus zu steuern und zu verwalten. Wie Rahenbrock in München erläuterte, können Administratoren Gruppen und Richtlinien festlegen und Systemkonfigurationen und Pakete installieren. Möglich sei auch das Ausführen und Verwalten individueller Skripte für einzelne Server, etwa um IP-Adresse und Server-Bezeichnung automatisch zu vergeben.

Die neue Version beinhalte die Schlüsselfunktion „One-Shot Task“. Sie ermögliche es, Skripte zu importieren und auf definierte Gruppen anzuwenden. Der CMS-Host wird laut Rahenbrock außerdem künftig nur noch über DDNS und QuickConnect an die Clients angebunden und nicht mehr über die IP-Adresse. Dadurch soll sich die Anbindung zwischen Host und Clients automatisch und dynamischer durchführen lassen.

Ressourcenüberwachung

Mit der neuen Softwareversion soll auch die DSM-Applikation Ressource Monitor Verbesserungen erhalten. Sie sei dann in der Lage, eine noch detailliertere Auflistung der Lastverteilung zu liefern, was eine frühzeitige Identifikation von Problemen und deren schnelle Lösung ermöglichen soll. Die Software halte zudem historische Daten vor, sodass der IT-Verantwortliche diese rückwirkend bis zu einem Jahr einsehen kann.

Das Dateisystem Btrfs hat der Hersteller ebenfalls verbessert. Dabei habe man sich an typischen Use Cases bei Kunden orientiert, die laut Synology zu 90 Prozent nur eine einzelne LUN betreiben. Dies führe bei konkurrierenden Schreibprozessen häufig zu Leistungseinbußen. Die Verbesserungen beinhalten etwa die Implementierung von Concurrent Write, also mehrerer simultaner Schreibprozesse auf einer einzelnen LUN, was die Leistungs deutlich steigern soll.

Um Administratoren den Umgang mit Storage-Daten zu erleichtern, hat der NAS-Spezialist nach eigenen Angaben außerdem die verschiedenen Storage-Tools weiterentwickelt. Der Storage Manager im DSM sei nun übersichtlicher und intuitiver aufgebaut und biete zudem Hilfestellung zur Problemlösung sowie ein umfassenderes Storage-Management. Zudem soll das neue VMware-Plug-in die Schritte, die für die Einrichtung von VMs nötig sind, von 13 auf vier reduzieren. Ebenso neu sei auch die Unterstützung von Fiber Channel und die damit verbundene Einführung des „SAN Managers“, der den bisherigen „iSCSI Manager“ ablösen wird.

Mehr Integrationen und Funktionen beim Backup

Auch beim Thema Backup hält DSM 7.0 einige Neuerungen bereit. So unterstütze die hauseigene Active Backup Suite jetzt auch Hyper-V von Microsoft. Dieses Jahr soll auch noch die Unterstützung von Linux-Servern und -Clients  hinzukommen, sodass die Software von VMs über Clients bis hin zu Servern eine Datensicherung bereitstellen kann.

Zu den erweiterten Funktionen gehören außerdem ein ereignisgesteuertes Backup sowie die Möglichkeit, Backup-Zeitfenster festzulegen, um Stoßzeiten zu vermeiden oder feste Zeitpläne zu realisieren. Die ereignisgesteuerte Datensicherung lässt sich laut Hersteller auf individueller Nutzerebene aufsetzen, etwa beim An- oder Abmelden am System oder beim Übergang in den Standby-Modus.

Weitere Informationen finden sich unter www.synology.com.

Timo Scheibe ist Redakteur bei der LANline.