Das Thema Smart Home und Smart Building ist in aller Munde. Die ideale Vorstellung: Die einzelnen Systeme lassen sich einfach verknüpfen und garantieren höchsten Komfort und Sicherheit. Doch die Praxis sieht oft anders aus. Unterschiedliche Gewerke, die miteinander zu vernetzen sind, stellen ein großes Hindernis dar. Zutrittskontrolle, Videoüberwachung und Einbruchmeldeanlage sollten daher in einer gemeinsamen „Sprache“ kommunizieren.

Generell basieren viele der im Bereich physischer Sicherheit erhältlichen Systeme auf analogen, hybriden oder IP-Lösungen. Das Problem: Oft handelt es sich um proprietäre Systeme mit einer sehr eingeschränkten Flexibilität. Eine Integration von Fremdanbieter-Produkten ist so gut wie nicht möglich. Anwender sind darauf angewiesen, alle Systemerweiterungen vom selben Hersteller zu erwerben. Aktualisierungen oder Aufrüstungen zur Ergänzung von Videotechniken oder zusätzlichen Funktionen erweisen sich häufig als komplexe, teure und zeitaufwendige Angelegenheit. Die Investitionskosten steigen. Doch was ist heute bereits möglich, welche Lösungsvorschläge bieten die Hersteller von Sicherheitsanlagen?
 
Wie die Anwender von Standards profitieren
Die Sicherheitsbranche ist schon sehr lange an Normen gewöhnt, seien es obligatorische, freiwillige, offizielle oder De-facto-Standards. Mehrere Jahre lang fehlte aufgrund des schnellen Wachstums IP-basierender Produkte im Sicherheitsmarkt ein gemeinsamer Standard, der eine Interoperabilität ermöglicht hätte. Somit entstanden operative Einzellösungen, die den Endanwendern kaum Alternativen boten. Im Jahr 2008 gründeten die Netzwerkkamera-Hersteller Axis Communications, Bosch und Sony daher gemeinsam das ONVIF (Open Network Video Interface Forum, www.onvif.org). Dieses offene Branchenforum entwickelt weltweite Standards für Schnittstellen von IP-basierenden physischen Sicherheitsprodukten. Was damals mit drei Herstellern zum Thema IP-Videosysteme begann, ist heute weltweit auf über 400 Mitglieder angewachsen.
Nach der Vision von ONVIF sollen alle Sicherheitssysteme eine gemeinsame Schnittstelle nutzen. Dies lässt eine nahtlose Integration der mit ONVIF konformen Sicherheitsprodukte unabhängig vom Hersteller zu, sodass Endanwender, Integratoren, Berater und Hersteller die Möglichkeiten IP-basierender Sicherheitslösungen einfacher nutzen können. Der Bereich Netzwerkvideo etwa ist durch Profil S definiert. Dieses umfasst bestimmte Funktionen wie Schwenken/Neigen/Zoomen, Audio-Streaming und Relais-Ausgänge. Im Dezember 2013 verabschiedete das ONVIF zudem das Profil C, das Produkte für die Zutrittskontrolle umfasst. Das erste dieser Produkte war der Netzwerk-Tür-Controller Axis A1001 von Axis Communications.
 
Beispiel aus der Praxis: Zutrittskontrolle
In diesem Umfeld spielen folgende Bereiche eine Rolle: Einbruch-, Sprech-, Zutrittskontroll- und Videosicherheitsanlagen. Doch wie kommunizieren diese miteinander? Der Kontakt an der Türe übermittelt an die Zentrale, ob die Türe geöffnet oder geschlossen ist. Dank der Kamera, sieht die Person am Türöffner, wer vor der Tür steht. Mittels einer Sprechanlage lässt sich zudem akustischer Kontakt aufnehmen. Ein wichtiger Punkt: Wie beziehungsweise wann startet die Aufzeichnung der Kamera am Eingang – beispielsweise, wenn eine unbefugte Person versucht, sich über eine gestohlene Karte Zugang zu verschaffen, oder wenn die Tür gewaltsam geöffnet wird? Dank der offenen und standardisierten Hilfs- und Anwendungsprotokolle lässt sich in solchen Fällen automatisch eine intelligente Aufzeichnung (Vor- und Nachalarm) starten.
 
Digitale Technik erleichtert Vernetzung
Digitale Lösungen sind zwar kein Allheilmittel, erleichtern es aber, Systeme miteinander zu vernetzen. Dank eines Netzwerks mit standardisierten Hilfs- und Anwendungsprotokollen können die Systeme in einer einheitlichen Sprache kommunizieren. So ist alles über das TCP/IP-Netzwerk verbunden, und auch die Stromversorgung kann über Power over Ethernet (PoE) laufen. Dies spart das dafür benötigte zusätzliche Kabel und erleichtert bei Bedarf die Notstromversorgung der angeschlossenen Geräte.
Da ONVIF nun den Bereich Zutrittskontrolle ebenfalls behandelt, vereinfacht dies auch die Kommunikation zwischen der Zutrittskontrolle und einer Videosicherheitsanlage. Das heißt, durch das Profil C sind Standortinformationen und Konfigurationen, Ereignis- und Alarm-Management sowie Zutrittskontrolle zusammengefasst.
Falls der Anwender einen akustischen Kontakt über die Sprechstelle wünscht, hilft das Session Initiation Protocol (SIP). Gleichzeitig ist dieses ebenfalls von Nutzen, wenn beispielsweise eine Durchsage über einen IP-Lautsprecher erfolgen soll.
Ist der Einsatz einer VdS-zertifizierten Anlage notwendig, so handelt es sich im Regelfall um ein proprietäres System. Falls keine VdS-Zertifizierung der Einbruchmeldeanlage erforderlich ist, stehen VdS-zertifizierte Komponenten wie Magnetkontakte, Riegelkontakte oder auch andere Melder für den Nutzer zur Auswahl. Der Anschluss dieser zugelassenen Melder erfolgt über Ruhestrom-überwachte Eingänge der Zutrittskontrolle oder der Kamera. Diese erfüllen jetzt aufgrund der Verknüpfung mit Letzteren die gleichen Aufgaben wie bei einer Einbruchmeldeanlage und lösen dieselben Funktionen aus.
Der Vorteil einer solchen Lösung ist eine Kostenersparnis aufgrund der Konzentration von Funktionen und die Verlagerung von proprietären Systemen auf nicht-proprietäre Systeme. Zudem entfallen der Montageaufwand einer separaten Verkabelung sowie eine zusätzliche Spannungsversorgung – dank PoE und der hardwaremäßigen Verknüpfung der einzelnen Gewerke untereinander.

Dank eines Netzwerks mit standardisierten Hilfs- und Anwendungsprotokollen können die unterschiedlichen Systeme der Gebäudesicherheitstechnik in einer einheitlichen Sprache kommunizieren.

Durch die Integration von Videoüberwachungs- und Zutrittskontrollsystem ist eine Identifizierung von Besuchern rund um die Uhr möglich.