Welche optionalen Messungen sinnvoll sind

Abnahmemessungen an Kupfer-Datenstrecken

11. Mai 2022, 7:00 Uhr | Alfred Huber/jos

Fortsetzung des Artikels von Teil 2

Optional

Seit der letzten Ausgabe der ISO/IEC 11801-1 und abgeleitet davon der EN 50173-1 gibt es auch „optionale“ Messparameter. Warum optional? Messparameter, die in diese Rubrik fallen, sind zwar wichtig, jedoch nicht für alle Arten von Verkabelung oder unter allen Einsatzbedingungen sinnvoll und deshalb nicht normativer Bestandteil einer Abnahmemessung einer installierten Verkabelung. Diese Parameter können mitgemessen werden, müssen aber nicht. Nur wenn sie in die Messreihe aufgenommen sind, sind sie auch für die Bestanden/Nicht-Bestanden-Aussage einer Messung relevant. Sowohl in der Gruppe der NF- als auch der HF-Parametern existieren solche optionalen Messgrößen.

Zu den optionalen NF-Parametern gehören zwei Ergänzungen zum Gleichstrom-Schleifenwiderstand. Sie sind bekannt unter dem Kürzel DCRU (DC Resistance Unbalance) und kennzeichnen die Gleichstrom-Widerstandsunsymmetrie einer Übertragungstrecke. Dabei  gibt es zwei Unterparameter, die gemessen werden können. Zum einen ist dies die Gleichstrom-Widerstandsunsymmetrie zwischen den einzelnen Aderpaaren, zum anderen die Gleichstrom-Widerstandsunsymmetrie innerhalb eines Aderpaares, also zwischen den einzelnen Adern.
 

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Die Messung dieser Werte ist erforderlich, wenn es gilt, die PoE-Performance einer Datenstrecke zu ermitteln, weil geplant ist, auf diesen Strecken Fernspeisung von Endgeräten mit hoher Leistungsaufnahme zusätzlich zu den Daten durchzuführen. Hohe Leistung heißt in diesem Fall mehr als 60 Watt, entsprechend Leistungsklasse 6 und höher nach IEEE 802.3bt. Bei kleinerer Leistungsübertragung reicht die Messung des einfachen Gleichstrom-Schleifenwiderstandes aus. Gängige Messgeräte verfügen bereits über diese Messfunktion oder lassen sich mit passenden Messmodulen nachrüsten. Im HF-Bereich geht es bei zwei optionalen Messungen auch um Unsymmetrien, aber um deren Auswirkungen im Hochfrequenz-Übertragungsfenster der jeweiligen Leistungsklasse. Die beiden Parameter heißen „Unsymmetriedämpfung am nahen Ende“ (TCL, Tansverse Conversion Loss) und „Pegelgleiche Unsymmetriedämpfung am fernen Ende“ (ELTCTL, Equal Level Transverse Conversion Transfer Loss).

Dies sind zwei Parameter, die sich mit der ungewollten Umwandlung von Gleichtakt- Störsignalen in differenzielle Signale befassen. Diese Umwandlung führt zu übermäßigen Übersprecheffekten zwischen den Aderpaaren, da sich die elektromagnetischen Felder des differenziellen Nutzsignals nicht mehr vollständig gegeneinander aufheben können und somit Induktionsspannung in den benachbarten Aderpaaren entsteht, ein übermäßiges Nebensprechen. Allerdings sind diese Parameter gedacht für ungeschirmte Systeme, bei denen nur die Symmetrie eines Aderpaares als Abschirmung gegen Einkopplungen wirkt.

Bei geschirmten Systemen wird trotz eines leicht unsymmetrischen Übertragens der Nutzsignale in einem Aderpaar kein allzu erhöhtes Nebensprechen entstehen, da die zusätzliche Folienschirmung jedes Paares diese Effekte stark abschwächt. Daher schreibt die Norm auch vor, dass die angegebenen Grenzwerte bei den typischen Leistungsklassen der Verkabelung nur für ungeschirmte Systeme gelten. Legt man die Grenzwerte an eine geschirmte Verkabelung an, würde man dem Abschirmungskonzept dieses Aufbaus nicht gerecht werden. Da eine relevante Unsymmetrie in der Übertragungsstrecke ein übermäßiges Übersprechen zur Folge hat, wird man die Auswirkungen auch an der Messkurve des NEXT-Werts sehen, weil dann im unteren und mittleren Frequenzbereich die Werte auffällig schlecht sind – ein klassischer Hinweis auf ein Kabelproblem.

Alfred Huber ist Leiter Technik bei Softing IT Networks.


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