Normbezeichnungen von Multimode-Fasern

Die wunderbaren Faser-Vielfalt

12. Juli 2022, 7:00 Uhr | Dirk Traeger/jos
So vielfältig wie die Aderfarben sind auch die Normbezeichnungen von Multimode-Fasern.
So vielfältig wie die Aderfarben sind auch die Normbezeichnungen von Multimode-Fasern.
© Telegärtner

Die Welt der Normen bietet eine erstaunliche Bezeichnungsvielfalt für Multimode-Fasern. DIN EN, IEC und ANSI/TIA verwenden unterschiedliche Kürzel für ein- und denselben Fasertyp. Hinzu kommt noch das alte IEC-Bezeichnungsschema, das zwar offiziell abgelöst ist, das man in der Praxis jedoch noch immer antrifft.

Die Verkabelungsnorm DIN EN 50173 unterscheidet bei Multimode-Fasern zwischen den Kategorien OM1 bis OM5 und verweist dabei auf die Fasern, die in EN 60793-2-10 spezifiziert sind. ISO/IEC 11801 enthält ebenfalls die Kategorien OM1 bis OM5, verweist bei den Faserspezifikationen jedoch auf IEC 60793-2-10. Die gute Nachricht: EN 60793-2-10 und ihre deutsche Fassung DIN EN 60793-2-10 basieren auf der IEC 60793-2-10, sodass diese drei Normen dieselben Kürzel verwenden.

Altes IEC-Bezeichnungsschema

Nun wird es allerdings schwieriger: IEC 60793-2-10 verwendete lange Zeit die Bezeichnungen A1a und A1b. „a“ stand dabei für Fasern mit einem Kerndurchmesser von 50 µm, „b“ für 62,5 µm (ja, die gibt es immer noch). OM1-Fasern nach ISO/IEC und DIN EN waren IEC-A1b-Fasern, Fasern der Kategorien OM2 bis OM5 waren IEC-A1a-Fasern. Sie waren fortlaufend durchnummeriert, und die Nummer mit einem Punkt von der grundlegenden Faserbezeichnung „A1a“ getrennt: Den Faserkategorien OM2 bis OM5 lagen damit die Fasern A1a.1 bis A1a.4 nach IEC zugrunde. Um zwischen Standard- und biegeunempfindlichen Fasern zu unterscheiden, kam zur IEC-Bezeichnung ein weiterer Buchstabe hinzu: „a“ für Standardfasern und „b“ für biegeunempfindliche Fasern (nicht zu verwechseln mit „a“ und „b“ für den Kerndurchmesser). Beispiel: Eine Standard-OM3-Faser war nach IEC damit eine A1a.2a-Faser, die biegeunempfindliche Version eine A1a.2b-Faser. Die Bestandteile des Kürzels im Einzelnen: A1 = Multimodefaser, a = Kerndurchmesser 50 µm, .2 = OM3 und b = biegeunempfindlich.

Nach 2017 fiel das alte IEC-Bezeichnungsschema in Ungnade und wurde durch ein neues, wesentlich einfacheres Schema ersetzt, das eine direkte Beziehung zu den OM-Bezeichnungen nach ISO/IEC und DIN EN herstellt: Die OM1-Faser heißt bei IEC nun A1-OM1, die OM2-Faser nun A1-OM2 und so weiter. Die A1-OM1-Faser ist auf einen Kerndurchmesser von 62,5 µm festgelegt, die A1-OM2 auf 50 µm. OM1-Fasern mit 50-µm-Kerndurchmesser und OM2-Fasern mit 62,5-µm-Kerndurchmesser, die es früher in geringen Mengen gab, sind in diesem Bezeichnungsschema nicht vorgesehen. Da sie nur äußerst selten zum Einsatz kommen, kann man in der Praxis mit der Einschränkung ganz gut leben.

Von der alten Ausgabe der IEC wurden die Anhängsel „a“ für Standardfasern und „b“ für biegeunempfindliche Fasern übernommen. Beispiel: Eine Standard-OM3-Faser ist nach IEC nun eine A1-OM3a-Faser, die biegeunempfindliche Version heißt nun A1-OM3b. Die neuen Bezeichnungen nach IEC 60793-2-10 wurden in die entsprechende Ausgabe EN IEC 60793-2-10 und deren deutsche Fassung DIN EN IEC 60793-2-10 übernommen.

Mit lobenswertem Pragmatismus nahm IEC dazu eine Querverweistabelle auf.
ANSI/TIA hat ein komplett eigenes Bezeichnungsschema festgelegt. Darin sind die Multimode-Fasern als „TIA 492AAA“-Fasern gekennzeichnet. Ein vierter Buchstabe gibt die Faserkategorie an. TIA gibt eine Hilfestellung mit Querverweisen auf die OM-Kategorien nach ISO/IEC:

  • Standard-OM1 ist TIA 492AAAA,
  • Standard-OM2 ist TIA 492AAAB,
  • Standard-OM3 ist TIA 492AAAC,
  • Standard-OM4 ist TIA 492AAAD, und
  • Standard-OM5 ist TIA 492AAAE.

Biegeunempfindliche Fasern sind dort nicht berücksichtigt, sie werden jedoch voraussichtlich in der künftigen Ausgabe ANSI/TIA-568.3-E enthalten sein. Wer sich eingehender mit Spezifikationen und Bezeichnungen von Multimode-Glasfasern beschäftigen will oder muss, wird in Normen und Fachliteratur fündig. Es lohnt sich etwa ein Blick in die DIN EN IEC 60793-2-10 VDE 0888-321:2020-04 Lichtwellenleiter – Teil 2-10: Produktspezifikationen – Rahmenspezifikation für Mehrmodenfasern der Kategorie A1 oder  in die DIN EN 50173-1:2018-10.

Dirk Traeger ist Technical Solutions Manager, DataVoice bei Telegärtner Karl Gärtner.

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