Fachgerechte Prüfung von LWL-Verkabelungen

Durchblick

22. September 2022, 7:00 Uhr | Alexander Boy und Matthias Caven/jos

Fortsetzung des Artikels von Teil 2

Tier-1- oder Tier-2-Messung

Um zu überprüfen, ob sich die Dämpfung der Gesamtstrecke noch innerhalb der Normvorgaben bewegt, gibt es grundsätzlich zwei Methoden: Die Tier-1- und Tier-2-Messmethodik. Die Tier-1-Messung heißt auch LSPM-Methode (Light Source Power Meter). Dabei arbeitet man mit einer Lichtquelle und einem Messgerät zur Darstellung der Werte (Power Meter). Die Werte der gesamten gemessenen Strecke sind dann in dB als absolute Dämpfung oder in dBm beziehungsweise Milliwatt als Leistungswert dargestellt. Man erhält also einen Gesamtdämpfungswert der Strecke.

Dieser Wert lässt sich bei hochwertigen Messgeräten mit den in der Norm vorgegebenen Werten vergleichen, und man erhält eine Pass/Fail-Bewertung. Im Gegensatz zur Tier-2 Messung sind einzelne Ereignisse auf der Strecke wie zum Beispiel Steckverbindungen, Spleiße oder andere störende Ereignisse nicht abgebildet. Der Techniker sollte die Strecke also kennen, um abschätzen zu können, wieviel Einfluss Steckverbindungen oder andere Ereignisse auf das Dämpfungsergebnis haben können, um das Endergebnis richtig einzuschätzen.

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LiveLight-Trenddiagramm.
Bild 2. LiveLight-Trenddiagramm.
© Softing

Eine weitere wichtige Anwendung, die Installateure stets zur Verfügung haben sollten, ist die Möglichkeit einer Fehleranalyse nach einer erfolgten fehlerhaften Dämpfungs- oder Leistungsmessung. Das Tool LiveLight unterstützt zum Beispiel im Qualifizierer NetXpert XG2-Plus von Softing als patentierte Funktion die Messung des Leistungsverlusts in Lichtwellenleitern. Gerade bei der Störungsbehebung spielt dieser Aspekt eine außerordentlich wichtige Rolle. LiveLight bietet die Möglichkeit, nach Austausch der Steckverbindungen oder Kabel, die Wirkung in Echtzeit an einem Trenddiagramm (Bild 2) abzulesen. Dieses Verfahren ist insbesondere bei der Behebung intermittierender Störungen sehr hilfreich, denn in der Praxis gehen viele Probleme auf die Steckverbinder zurück.

Auch eine Tier-2-Messung kann diese Fehlerquelle analysieren. Dabei kommt das OTDR (Optical Time Domain Reflectometer) zum Einsatz. Wie der Name bereits vermuten lässt, wird beim OTDR die Reflexion des eingespeisten Lichts über die Zeit analysiert. Dies gelingt, indem das System eine Vielzahl von Lichtimpulsen nutzt und diese Lichtimpulse an jeder Stelle des Quarzglases reflektiert werden. Da unterschiedliche Medien ein unterschiedliches Reflexionsverhalten aufweisen, entsteht eine vom Medium abhängige Kurve (Trace). Bei Steckerübergängen verlässt das Signal womöglich das Medium Glas und nutzt die Luft zur weiteren Übertragung. Natürlich sollte der Abstand von Stecker zu Stecker sehr gering sein, denn zu viel Luft zwischen den Steckern würde zu einer sehr hohen Reflexion und damit zu einer starken Abschwächung des Signals führen. Aber auch unterschiedliche Materialien oder Verbindungstellen wie Spleiße können höhere Reflexionswerte als die generelle Faserreflexion generieren.

So ergibt sich dann über eine entsprechende Messzeit ein komplettes Abbild der Strecke. Je mehr Werte die Messprozedur sammelt, desto genauer wird die Abbildung (Trace). Mit der OTDR-Messung sind also auch unbekannte Strecken messbar. Die unterschiedlichen Ereignisse sind in der Ergebniskurve zugeordnet. So lässt sich beispielsweise auch die Entfernung bis zu einem Ereignis, etwa eine Steckverbindung, genau ermitteln (Bild 3).
 

Abbild der Strecke (Trace).
Bild 3. Abbild der Strecke (Trace).
© Softing

Beide Messmethoden sind als gleichberechtigte Messungen zur Ermittlung der Dämpfung von Glasfaserstrecken in der Normierung aufgeführt. Allerdings bezieht sich die Messung nur auf die Abschwächung eines eingespeisten Signals. Wie das Signal beschaffen ist und mit welcher Geschwindigkeit es übertragen wird, ist nicht Bestandteil dieser Messung.


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