Fachgerechte Prüfung von LWL-Verkabelungen

Durchblick

22. September 2022, 7:00 Uhr | Alexander Boy und Matthias Caven/jos

Fortsetzung des Artikels von Teil 3

Datenrate überprüfen mit BERT

Die Fasern stehen in unterschiedlicher Qualität zur Verfügung. Der Multimode-Bereich unterscheidet OM1- bis OM5-Fasern, der Singlemode-Bereich nur zwischen der OS1/1a- und OS2-Faser. Während sich die Singlemode-Fasern deutlich in der Dämpfung pro Kilometer unterscheiden, ist dies bei den Multimode-Fasern kaum der Fall. Nur die OM5-Faser-hat eine um 0,5 dB bessere Dämpfung pro Kilometer (Tabelle 2). Nützlich ist der Hinweis, dass die OM1- und OM2-Fasern nicht mehr in der neuesten Normierung aufgeführt sind. Allerdings wurde die genannte Fasergüte über die letzten Jahre sehr häufig verbaut, da die neuen (verbesserten) Fasertypen entweder sehr teuer oder nicht verfügbar waren.

Wenn sich die Fasern nicht im Dämpfungsbudget unterscheiden, worin unterscheiden sie sich dann? An dieser Stelle kommt das Bandbreitenlängenprodukt (Tabelle 3) einer Faser zur Geltung. Diesen Wert gibt der Faser- oder Kabelhersteller an, und er lässt sich im Feld nicht messen – zumindest nicht mit halbwegs vernünftigem Aufwand. Die modale Bandbreite ist die einzige Aussage zur möglichen Übertragungsbandbreite einer Glasfasserstrecke, also fast gleichbedeutend mit der maximal möglichen Übertragungsrate. Speziell in Bestandsgebäuden ist dies bisweilen problembehaftet, wenn man die Datenübertragungs-Geschwindigkeit im Backbone-Bereich von 100 MBit/s oder 1 GBit/s auf 10 GBit/s erhöhen will. Obwohl das Dämpfungsbudget eingehalten wird, kann es zu Übertragungsproblemen aufgrund einer zu geringen Bandbreite kommen. Da sich die Bandbreite nicht vermessen lässt, muss man auf andere Methoden ausweichen.

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Dämpfungswerte gemäß Normvorgaben.
Tabelle 2. Dämpfungswerte gemäß Normvorgaben.
© Softing

Nützlich ist es, in solchen Fällen den Bit Error Rate Test (BERT) zu verwenden. Beim BERT wird eine binäre Zufallsfolge mit einer vorgewählten Geschwindigkeit über einen festgelegten Zeitraum übertragen. Zur Ermittlung der Bitfehlerrate vergleicht man die Anzahl der empfangenen fehlerhaften Bits mit der Gesamtzahl der im gleichen Zeitintervall übertragenen Bits. Ein Ergebnis von 10-10 gilt in der Datenkommunikation als akzeptable Bitfehlerrate. Dies bedeutet: Beim 1-GBit/s-Test darf bei 10.000.000.000 Bits nur ein fehlerhaftes Bit entstehen. Bei 10 GBit/s verringert sich die Bitfehlerrate auf 10-12. Von 1.000.000.000.000 Bits darf also nur ein Bit verloren gehen oder fehlerhaft sein. Mit diesem Test ist es also möglich, eine Bestandsverkabelung auf ihre Leistungsfähigkeit und die gewünschte Übertragungsgeschwindigkeit zu überprüfen, was teure und aufwendige Neuverkabelungen vermeiden kann. Der NetXpert XG 2-Plus kann zusätzlich zum BERT auch die Dämpfung und die Länge der Faser ermitteln, sodass man ein genaues Ergebnis der Leistungsfähigkeit einer LWL-Verkabelung erhält (Tabellen 2 und 3).

Eine ausführliche Dokumentation der erfolgten Messung ist unerlässlich, um die Leistungsfähigkeit der Glasfaserstrecke zu belegen. Sie dient gleichzeitig als Nachweis für Auftraggeber und Installationsbetrieb bei Unstimmigkeiten sowie bei Gewährleistungs- und Garantiethemen. Nach der erfolgreichen Qualifizierung einer Strecke sind in der Dokumentation dann die Struktur des Projekts wie das Gebäude, die Etagen, Räume, Verteilerfelder und die Kabel-ID aufgeführt. Weiterhin gibt es eine Darstellung des genutzten Fasertyps, des Zeitpunkts der Messung, der eingestellten Dämpfungen und Längen sowie der Ergebnisse des BERTs von 1 GBit/s bis zu 10 GBit/s. Letzteres ist abhängig von der gewünschten Übertragungseigenschaft. Das daraus resultierende Messprotokoll kann man als PDF-Dokument ablegen oder ausdrucken.

Bandbreitenlängenprodukt.
Tabelle 3. Bandbreitenlängenprodukt.
© Softing

Zusammenfassung

Aus Sicht der einschlägigen Verkabelungsnormen sind nur die korrekte Polarität und die Einhaltung des Dämpfungsbudgets zu ermitteln und zu dokumentieren. Andere Spezifikationen wie Länge oder maximale Datenrate lassen sich separat nachweisen. Die Länge kann der Techniker auf dem Kabelmantel ablesen (metrischer Aufdruck auf dem Kabelmantel vorausgesetzt). Faserspezifikationen wie das Bandbreitenlängenprodukt kann er dem Datenblatt entnehmen. Wenn beides nicht oder nicht mehr zur Verfügung steht, kann er die Länge auch messtechnisch ermitteln und die Übertragungsrate mit einem standardisierten BERT einwandfrei nachweisen. Abhängig vom Gewerk können unterschiedliche Geräte zur fachgerechten Überprüfung der Leistungsfähigkeit einer Glasfaserverkabelung zum Einsatz kommen. Geräte wie der bereits erwähnte Qualifizierer (Bild 4) bietet einen Mix aus allem und sind damit eine gute Unterstützung bei Bestandsüberprüfungen.

Alexander Boy ist Product Manager bei Softing IT Networks, Matthias Caven ist im selben Unternehmen Head of Sales and Marketing.


  1. Durchblick
  2. Schmutz tötet Daten
  3. Tier-1- oder Tier-2-Messung
  4. Datenrate überprüfen mit BERT

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