Im Interview: Bob Whitman, Corning

Optionen für die Kabelbranche

29. Januar 2021, 07:00 Uhr   |  Dr. Jörg Schröper

Optionen für die Kabelbranche
© Bild: Corning

Bob Whitman, Vice President Market Development, Carrier Networks bei Corning Optical Communications: „Für Netzwerke in großen Gebäuden oder auf einem Campus, zum Beispiel auf einem Schulkomplex, ist ein durchgängig optisches LAN auch in der horizontalen Verkabelung eine Überlegung wert.“

Auch der Markt für Infrastruktur und Verkabelung hat den Einfluss der Pandemie zu spüren bekommen. LANline sprach mit Bob Whitman, Vice President Market Development, Carrier Networks bei Corning Optical Communications, über die Herausforderungen und Chancen, die dies für die Branche mit sich bringt.

LANline: Herr Whitman, im Augenblick befindet sich die Wirtschaft bekanntlich in einer ganz besonderen Situation. Wie bewerten Sie den Markt für Verkabelung und IT-Infrastruktur im Moment?
Whitman: Die wirtschaftliche Zerrüttung und Unsicherheit, die die Pandemie mit sich gebracht hat, ist an keiner Branche spurlos vorübergegangen. Aber wenn es um die Netzwerkinfrastruktur geht, ist eines klar: Die Nachfrage nach Bandbreite ist aufgrund von Fernunterricht, E-Commerce, Telemedizin, Home-Entertainment und Remote-Arbeit stark angestiegen. All dies unterstreicht die Notwendigkeit von Investitionen in Netzwerke.

LANline: Welche Erfahrungen lassen sich aus dem Jahr 2020 ableiten?
Whitman: Wenn Carrier und Netzbetreiber in puncto Bandbreite aufrüsten, wollen sie dies so effizient wie möglich tun. Immer häufiger bedeutet dies, Glasfaserverbindungen in beengten Bereichen zu installieren, die ursprünglich nicht für die heutige Verbindungsdichte ausgelegt waren. Um diesem Bedarf gerecht zu werden, haben wir zum Beispiel im Oktober die Evolv Hardened Connectivity Solutions mit Pushlok-Technik vorgestellt. Diese bestehen aus 5G-fähigen Terminals und Steckverbindern, die so verkleinert sind, dass sie mehr Glasfaserverbindungen auf engstem Raum unterbringen können.

LANline: Wie sieht die weitere Entwicklung bei Produkten für das Jahr 2021 aus?
Whitman: Die genannten optischen Lösungen sind nur ein Beispiel für Cornings Innovationsportfolio. Wir investieren kontinuierlich in unsere Forschung und Entwicklung, um ein hohes Innovationsniveau beizubehalten. Wir nutzen unser Know-how in der optischen Physik und der Präzisionsfertigung, um gemeinsam mit unseren Kunden innovative Lösungen für ihre schwierigsten technologischen Herausforderungen zu entwickeln. Wir sind daher in der Lage, fortwährend neue Produkte und Lösungen für diesen sich schnell verändernden und fortschreitenden Markt anzubieten.

LANline: Können Sie das konkretisieren?
Whitman: Natürlich. Wir sind zunächst zuversichtlich, dass wir langfristiges Wachstum erzielen können. Wir sehen zum Beispiel signifikante neue Möglichkeiten für passive optische Lösungen in den Bereichen 5G und Hyperscale-Rechenzentren, also in Bereichen, in denen Corning Technologie- und Marktführer ist.

„Ethernet regiert die Welt der Telekommunikation

LANline: Ethernet ist heute im Prinzip ein einheitliches Kommunikationsmittel für nahezu alle Situationen. Dennoch gibt es bei den Anwendungen eher mehr Vielfalt als früher, etwa Hochgeschwindigkeits-Glasfasernetze im RZ, Kupferlösungen in Büroräumen und jetzt auch Industrie sowie WiFi- und 5G-Ansätze. Wie beurteilen Sie das Zusammenspiel?
Whitman: Das ist wahr – Ethernet regiert die Welt der Telekommunikation, und das wird auch so bleiben. Sicher ist jedoch auch, dass die Anforderungen an die Verbindungstechnik weiter steigen, da weltweit immer mehr Daten übertragen und verarbeitet werden. Denken Sie an den zunehmenden Online-Videokonsum, das Internet der Dinge, Virtual Reality und eine Flut von anderweitigen smarten Endgeräten. Wichtige Technologien wie medizinische Geräte können keine Verzögerungen oder Unterbrechungen in den Netzwerkverbindungen verkraften. Sie benötigen hohe Übertragungsgeschwindigkeiten und geringe Latenzzeiten. Dieser ständig steigende Bandbreitenbedarf treibt die Nachfrage nach konvergenten Netzwerken.

LANline: Welche Auswirkung werden neue Techniken wie etwa WiFi 6 oder 5G auf die Herstellerbranche haben?
Whitman: Wenn es um die Fähigkeit geht, Daten zu übertragen, ist die verlustarme optische Glasfaser, die vor 50 Jahren von drei Corning-Wissenschaftlern erfunden wurde, unübertroffen. Aufgrund der Kompatibilität mit anderen Technologien und der nahezu unbegrenzten Bandbreitenkapazität ist die Glasfaser in der Lage, sich an zukünftige Kommunikationsanforderungen anzupassen. Das gilt zum einen für Büroumgebungen, in denen die zugehörige Verkabelung und Hardware weniger Installationsfläche benötigt und weniger Strom verbraucht. Dies gilt aber auch für Rechenzentren, in denen die Betreiber versuchen, mehr Anschlüsse auf engerem Raum unterzubringen. Hier ist die Hochgeschwindigkeits-Glasfaser nicht zu schlagen, ganz zu schweigen von den Verbindungen in Zugangsnetzen, bei denen die Glasfaser eine Schlüsselrolle spielt.

LANline: Wie reagiert Corning beim Angebot und bei der eigenen Produktion?
Whitman: Unser Produktportfolio umfasst die richtigen Lösungen für all diese Herausforderungen. Zum Beispiel packen unsere MiniXtend-Glasfaserkabel mehr Fasern in ein sehr kleines, leichtes Kabel, das sich problemlos in Mikrorohren neben Versorgungsleitungen im Boden verlegen lässt, ohne dass zusätzliche große Baumaßnahmen erforderlich sind. Sie ermöglichen es einfach, schnell Bandbreite hinzuzufügen, auch in bereits engen Umgebungen. Und unsere zuvor erwähnten Evolv-Lösungen ermöglichen hochdichte FTTX-Installationen, entweder unterirdisch oder als oberirdische Verkabelungen an Masten. Sie ermöglichen außerdem eine Installation mit minimaler optischer Beeinträchtigung.

„Die Pandemie hat die Notwendigkeit einer robusten Netzwerk-Infrastruktur verdeutlicht“

LANline: Noch einmal zum ersten Punkt des Gesprächs. Die Pandemiesituation hat die Wichtigkeit von schnellen Netzen und Digitalisierung einer großen Bevölkerungsschicht verdeutlicht, die sich bislang vielleicht noch nie mit IT-Infrastruktur – außer als Konsument – beschäftigt hat. Hat dies Einfluss auf den Markt?
Whitman: Die Aussage ist richtig. Die Pandemie hat die Notwendigkeit einer robusten Netzwerkinfrastruktur wie nie zuvor deutlich gemacht. Ohne zuverlässige Verbindungen können die Menschen die Vorteile von Remote-Arbeit und -Lernen, Telemedizin und E-Commerce nicht nutzen. Das Arbeiten von zu Hause aus wird sicher auch nach der Pandemie bestehen bleiben und weitere Anreize geben, unsere digitalen Netze aufzurüsten. Im Bildungsbereich wird der Bedarf an stabilen Internetverbindungen durch die Zunahme des Fernunterrichts während der Pandemie sowie durch den Technologiebedarf in physischen Schulgebäuden deutlich.

„Investitionen in die Netz­infrastruktur sollten Priorität haben“

LANline: Das gibt die Richtung für Investitionen vor.
Whitman: Genau, denn Investitionen in die Netzinfrastruktur sollten Priorität für den öffentlichen und privaten Sektor in Deutschland und anderswo haben. Der Nutzen solcher Investitionen wird beträchtlich sein, nicht nur für Unternehmen, sondern auch für öffentliche Dienste, das Gesundheitswesen, städtische und ländliche Gebiete, das Transportwesen und sicher auch für die Bildung.

LANline: Und wie positioniert sich Corning in diesem Umfeld?
Whitman: Bei einem so dringenden Bedarf an Netzwerkinvestitionen ist eine Infrastruktur der Schlüssel, die den Ausbau beschleunigt und vereinfacht. Genau das haben die Ingenieure von Corning bei der Entwicklung unserer Evolv-Terminals bedacht. Sie sind vielseitig einsetzbar und können im Boden, an Masten, Fassaden oder an einer bestehenden Leitung angebracht werden. Und sie sind so klein, dass Betreiber schnell mehr Glasfaser in Umgebungen mit begrenztem Raum einsetzen können.

LANline: Wie sollte man mit den Problemfällen umgehen, etwa der Anbindung von Schulen? Gibt es dafür Beispiellösungen?
Whitman: Für Netzwerke in großen Gebäuden oder auf einem Campus, zum Beispiel auf einem Schulkomplex, ist ein durchgängig optisches LAN auch in der horizontalen Verkabelung eine Überlegung wert. Dabei gerät gleich das ganze Spektrum von Anwendungen in dieser Umgebung in den Fokus. Es reicht von der Gebäudeautomatisierung über Sicherheitskameras und Alarmsysteme bis hin zur Notwendigkeit, Verbindungen zwischen Gebäuden herzustellen. Ein optisches LAN bietet in jedem Fall genügend Bandbreite für all diese Anwendungen und wächst dank höherer Reserven und geringerem Platzbedarf mit den Anforderungen mit.

LANline: Herr Whitman, herzlichen Dank für das Gespräch.

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