Auf seiner Hausmesse VMworld in San Francisco hat Virtualisierungsmarktführer VMware eine Reihe von Neuerungen vorgestellt, um das virtualisierte und vollständig automatisierte RZ – bei VMware „Software Defined Datacenter“ oder kurz SDDC genannt – zu verwirklichen. Zu den Neuerungen zählen mit NSX eine Netzwerk-Virtualisierungslösung, zudem Version 5.5 der Vcloud Suite und die Betaversion einer Software-Defined-Storage-Lösung namens Virtual SAN (VSAN).

Letzten Sommer hatte VMware das SDN-Startup-Unternehmen Nicira für 1,26 Milliarden Dollar akquiriert. Deshalb überraschte es nicht, dass VMware-CEO Pat Gelsinger auf der diesjährigen VMworld eine Netzwerkvirtualisierung präsentierte, um seine letztes Jahr verkündete SDDC-Strategie voranzutreiben. Denn dieses SDDC-Konzept bedingt die Abstraktion und dynamische Bereitstellung von RZ-Ressourcen über alle Silogrenzen hinweg, umfasst also Server, Storage wie eben auch das Netzwerk.

 

Die SDN-Technik NSX soll ein Virtualisierungs-Layer in das Netzwerk einziehen, wie es ESX/Vsphere auf der Server-Seite darstellt. Diese Virtualisierung soll eine flexiblere Ressourcenzuweisung ebenso ermöglichen wie ein Policy-basiertes durchgängiges (End-to-End-)Virtualisierungs-Management.

 

Analog zur Server-Virtualisierung unterteilt NSX dazu das Netzwerk in virtualisierte Ressourcen-Pools und stellt sie für die Nutzung nach Bedarf bereit. Das Regelwerk für die Netzwerkverbindungen ist dabei im Virtualisierungs-Layer angesiedelt, die zugrunde liegende Netzwerkhardware dient getreut dem SDN-Ansatz lediglich als Forwarding-Vehikel.

 

NSX basiert auf der vormaligen Nicira Virtualization Platform (NVP) ebenso wie auf VMwares hauseigener Virtual-Switching-Lösung Vcloud Networking  and Security (VCNS). Migrationspfade für VCNS-Bestandskunden wird es also wohl geben müssen.

 

NSX dient als einheitliche Plattform, um alle Netzwerk- und Security-Aufgaben von Layer 2 bis 7 in Software abzubilden. Damit, so betont der Anbieter, würden bestehende Applikationen unterstützt, ohne dass Anpassungen an diesen erforderlich seien.

 

Die Netzwerkvirtualisierung nutzt laut VMware in den Hypervisor integrierte Netzwerkdienste und eine verteilte Architektur. So skaliere das Netzwerk im Einklang mit den virtualisierten Servern. Für die Layer-2/7-Services seien damit keine weiteren Server erforderlich. NSX eigne sich für Netzwerkverkehr von bis zu 1 TByte/s pro Cluster mit 32 Hosts.

 

Des Weiteren betont VMware die Erweiterbarkeit der Netzwerkplattform: Bereits zum Start seien 20 Technikpartner beteiligt, darunter Switch-Anbieter wie Arista und HP, Applikations- und WAN-Optimierer wie Citrix, F5 und Silver Peak oder auch Security-Spezialisten wie Fortinet und Palo Alto Networks.

 

Die eigentliche Betriebsplattform für das SDDC liefert in diesem Szenario die Vcloud Suite, aktuell in Version 5.5. Diese basiert auf der Virtualisierungssoftware Vsphere 5.5, die einige Verbesserungen erfahren hat.

 

Vsphere App-HA (High Availability) soll für verbesserte Hochverfügbarkeit sorgen. HA-Funktionalität umfasste Vsphere schon längst, die Software biete aber nun auch Funktionen, um Fehler auf Applikationsebene selbsttätig zu entdecken und zu beheben.

 

Für Applikationen, die kurze Antwortzeiten erwarten, hat VMware in Vsphere 5.5 eine Funktion zur Erkennung von Low-Latency-Erfordernissen integriert. Zudem ermögliche die aktuelle Vsphere-Version eine doppelt so schnelle Konfiguration physischer Compute- und Storage-Knoten. Dank ebenfalls neuer Big-Data-Erweiterungen sollen sich nun auch Big-Data-Workloads wie Apache Hadoop auf der Virtualisierungsplattform betreiben lassen.

 

Vcenter Operations (VC Ops) dient in diesem Kontext wichtigen SDDC-Aufgaben wie der Kapazitätsplanung, proaktivem Monitoring und dem Performance-Management. Neu seien hier Funktionen für die Nutzungsanalyse und das Workload-Monitoring mittels Log Insight. Vcloud Automation Center (VCAC) ergänzt dies um Features wie einen Self-Service-Katalog und ein Service-Lifecycle-Management.

 

Noch in der Entwicklung befindet sich der letzte fehlende SDDC-Baustein: die Virtualisierung von SAN-Ressourcen (Software-Defined Storage). Virtual SAN (VSAN), basierend auf der Virsto-Akquisition vom ersten Quartal dieses Jahres, soll Vsphere dafür um Funktionen erweitern, Rechenleistung und DAS (Direct-Attached Storage) in Pools zu bündeln. Ein virtualisiertes Daten-Layer fasst laut VMware-Angaben dazu lokale Festplatten und SSDs der Server zu Clustern zusammen. Damit erhalte eine Virtual Machine dynamisch skalierbaren Shared Storage.

 

Die Vcloud Suite 5.5. und Vsphere with Operations Management sollen noch in diesem Quartal auf den Markt kommen. Die Vcloud Suite wird pro Prozessor lizenziert, der Einstiegspreis liegt bei 4.995 Dollar pro Prozessor. Vsphere with Operations Management 5.5 gibt es in den drei Editionen Standard, Enterprise und Enterprise Plus, die Preise beginnen bei 1.745 Dollar pro Prozessor. Virtual SAN soll noch im dritten Quartal als öffentliche Beta verfügbar werden, als finale Lösung ist es damit erst für 2014 zu erwarten. NSX hat VMware für Ende des Jahres in Aussicht gestellt.

 

Weitere Informationen finden sich unter www.vmware.com.

NSX soll einen virtualisierten Netzwerkbetrieb erlauben und dabei keinerlei Änderungen an den Applikationen erfordern. Bild: VMware

Mit mehreren Neuheiten, darunter vor allem Netzwerkvirtualisierung, treibt VMware sein SDDC-Konzept voran. Bild: VMware