Geschmeidige Apps, eine neue Sicherheitsarchitektur für industrielles IoT und KI-optimierte Zusammenarbeit über beliebige Entfernungen – das waren die Schlüsselthemen auf Ciscos diesjähriger Live-Konferenz auf dem neuen Messegelände in Barcelona. Die offiziellen Teilnehmerzahlen lagen laut Cisco erstmals bei rund 19.000. Wichtigste Botschaft: Wer die Digitalisierung nicht ängstlich flieht, sondern beherzt und mit Verstand für sein Business umsetzt, geht in eine strahlende Zukunft.

„Der Sturm der digitalen Transformation weht uns heute schon mit dem Aufwachen um die Nase“, erklärte Wendy Mars, Ciscos President EMEAR, in ihrer Eröffnungs-Keynote. Bild: Stefan Mutschler

„Der Sturm der digitalen Transformation weht uns heute schon mit dem Aufwachen um die Nase“, erklärte Wendy Mars, President of Europe, Middle East, Africa and Russia (EMEAR), in ihrer Eröffnungs-Keynote. Dinge wie Beleuchtung, Musik oder Fernsehen reagierten auf Zuruf, nachdem die Heizung zum Tagesstart automatisch für wohltemperierte Luft gesorgt und das Armband Schlaf- und Atmungsqualität fein säuberlich beobachtet und analysiert hätten.

Was tiefe Spuren im Leben jedes einzelnen hinterlässt, trifft Unternehmen laut Mars in noch viel umfassenderen Dimensionen: Jede Änderung in der Gestaltung des Business ziehe einen Rattenschwanz an Änderungen auf technischer Seite nach sich. Aber damit das wirklich funktionieren kann, seien Vertrauen, Achtung der Privatsphäre und Sicherheit Grundvoraussetzung. In einer Welt des kontinuierlichen Wandels müssten diese Eigenschaften fest in der DNA der Digitalisierung verankert werden. „Wir befinden uns inmitten des rasantesten technologischen Wandels der Geschichte. Unternehmen weltweit beginnen gerade erst mit dem Einsatz vieler neuer Technologien wie KI, 5G, adaptiver und vorausschauender Cybersicherheit oder intelligentem IoT“, so Mars. „Wir unterstützen unsere Kunden und Partner dabei, das tatsächliche Geschäftspotenzial dieser neuen Technologien zu realisieren.“

Apps steuern eigene Ressourcen

Wie diese Unterstützung aussieht, dazu gab es in Barcelona eine Reihe spannender Neuheiten. In einer stark App-zentrischen IT die vielleicht wichtigste: Applikationen erhalten für ihre schnelle Arbeit tiefen Einblick in alle Bereiche der beteiligten Infrastruktur – und das in Echtzeit und über Multi-Cloud-Umgebungen hinweg. Engpässe sollen sich mit KI-/ML-Algorithmen (künstliche Intelligenz, Machine Learning) und Regelsätzen weitgehend automatisiert beheben lassen. Basis dafür ist eine neue, auf Kubernetes basierende Anwendungsplattform. Gemäß seines Firmenemblems sieht sich Cisco sehr gerne als Brückenbauer – in diesem Fall zwischen App- und Infrastrukturteams, die beide vollständige Transparenz und betriebliche Einblicke erhalten sollen.

„Die Komplexität der Anwendungsumgebungen ist in den letzten Jahren explodiert“, so Danny Winokur, General Manager bei AppDynamics. „IT-Teams sind gefordert, diese Komplexität zu bewältigen und gleichzeitig oft durch betriebliche Silos zu navigieren, welche die Zusammenarbeit und den Datenaustausch weiter erschweren. Zusätzlich haben die Containerisierung, der Aufstieg der Cloud, Edge-Computing und das IoT mehr Abhängigkeiten über den gesamten Stack hinweg geschaffen als je zuvor – und die Dynamik zeigt keine Anzeichen für ein Ende der Entwicklung.“ Laut IDC habe jede Geschäftsanwendung heute vier bis acht weitere Anwendungsabhängigkeiten, und innerhalb von zwei Jahren werde diese Zahl voraussichtlich um die Hälfte steigen.

Winokur glaubt, dass Anwendungen, die ein starkes digitales Erlebnis bieten, das Potenzial haben, sich im harten Wettbewerb zu differenzieren. „Tatsächlich legen jüngste Untersuchungen nahe, dass positive digitale Erfahrungen den Wert eines Produkts oder einer Dienstleistung deutlich steigern können: Laut AppAttention Index würde die Hälfte aller Verbraucher für Produkte und Dienstleistungen, die ein besseres digitales Erlebnis bieten, mehr bezahlen.“

Die Spieler auf diesem Feld der automatisierten Apps sind Ciscos SaaS-Tools (Software as a Service) AppDynamics und Intersight Workload Optimizer sowie die neue HyperFlex Application Platform. Der App-Monitor AppDynamics verfolgt laut Cisco automatisch den Weg von Anwendern durch die App und misst dabei, wie sich die App-Performance sowohl auf das Business als auch auf die Benutzererfahrung auswirkt. Das soll Business- und App-Teams eine einheitliche Sicht auf Geschäftsleistung, Benutzererfahrung und Anwendungsperformance bieten.

Der vom Cisco-Partner Turbonomic entwickelte Intersight Workload Optimizer kontrolliert sowohl Arbeitslasten als auch Kosten in hybriden Anwendungsarchitekturen. Ziel ist es, mögliche Probleme schon vor deren Eintreten auszumachen und Gegenmaßnahmen vorzuschlagen. Gleichzeitig soll das Tool auch Einsparpotenziale identifizieren. Die Analysen umfassen alle Ebenen von der Anwendung über die VMs/Container bis hin zu Speicher-, Rechen- oder Netzwerkhardware.

„Das Ziel der direkten Kopplung von Anwendungseinblicken und Infrastrukturautomatisierung ist eine verbesserte Zusammenarbeit der IT-Teams“, so Uwe Mueller, Architecture Lead Datacenter Sales and Presales bei Cisco. Bild: Stefan Mutschler

Die entscheidende Neuerung ist aber, dass AppDynamics und Intersight Workload Optimizer jetzt Daten austauschen und abgleichen. Das soll App- und Infrastruktur-Teams eine gemeinsame Sicht auf Infrastrukturabhängigkeiten geben, die sich auf die Anwendungsperformance, Nutzererfahrung und das Business auswirken. Dabei nutzen beide Seiten gemeinsame Definitionen, Tools und Datensätze für den Status von Anwendung und Infrastruktur. „Das Ziel der direkten Kopplung von Anwendungseinblicken und Infrastrukturautomatisierung ist eine verbesserte Zusammenarbeit der IT-Teams“, so Uwe Mueller, Architecture Lead Datacenter Sales and Presales bei Cisco, im Gespräch mit LANline. „Letztlich geht es aber darüber hinaus darum, Anforderungen von Apps automatisch in Infrastrukturanforderungen zu übersetzen und diese auch automatisch umzusetzen.“

Basis für diese automatische Ressourcenzuordnung ist die „Kubernetes-Container as a Service“-Plattform HyperFlex, die Echtzeit-Monitoring und -Optimierung des gesamten App- und Infrastruktur-Stacks mit AppDynamics und Intersight unterstützt. „Während einige Anbieter Einblicke in Anwendungen oder eine Ebene der physischen oder virtuellen Infrastruktur ermöglichen, bietet Cisco erstmals für alle drei Bereiche Transparenz und proaktive Optimierung nach oben und unten im Stack“, so Liz Centoni, Senior Vice President und General Manager, Cloud, Compute and IoT bei Cisco. „Und mit der HyperFlex Application Platform erleichtern wir sowohl für App- als auch Infrastrukturteams das Implementieren und Verwalten von Kubernetes, dem neuen De-facto-Standard für Anwendungsentwickler.“

Cyber Vision basiert auf der Cisco Talos Threat Intelligence und kommt mit einem Echtzeit-Monitoring von Security-Gefahren für industrielle Anlagen und Prozesse. Bild: Cisco

Sicherheitsarchitektur für das Industrial IoT

Schon seit Jahren engagiert sich Cisco stark im Internet der Dinge (IoT) und für dessen industrielle Schwester IIoT. Zahlreiche für diesen Einsatzzweck entwickelte Router, Switches und Gateways hat das Unternehmen inzwischen auf dem Markt. In Barcelona hat Cisco nun in Form von Software für diese Netzwerkkomponenten eine neue IIoT-Security-Architektur vorgestellt. Dazu gehören die zwei Softwarekomponenten Cyber Vision und Edge Intelligence. Cyber Vision basiert auf der Cisco Talos Threat Intelligence und kommt mit einem Echtzeit-Monitoring von Security-Gefahren für industrielle Anlagen und Prozesse. Die Software unterstützt Anlagenbetreiber auch dabei, eine Verbreitung von Bedrohungen in den Betriebsumgebungen zu verhindern: Nach Analyse der Datenverkehrs spuckt sie Segmentierungsrichtlinien in Cisco ISE (Identity Services Engine) und DNA Center (Digital Network Architecture) aus.

„Während einige Anbieter Einsichten in Anwendungen oder eine Ebene der physischen oder virtuellen Infrastruktur ermöglichen, bietet Cisco erstmals für alle drei Bereiche Transparenz und proaktive Optimierung nach oben und unten im Stack“, so Liz Centoni, Senior Vice President und General Manager, Cloud, Compute and IoT bei Cisco. Bild: Cisco

Die Vorteile des Edge Computings sind bekannt: weniger Ressourcenbedarf im Backhaul, attraktive Kosteneinsparungen, Verarbeitung von Daten näher am Ort der Produktion und einiges mehr. Mit der Vernetzung industrieller Anlagen am Edge ist die Erfassung ihrer Daten grundsätzlich möglich. „Aber ich höre oft, wie Kunden darüber klagen, dass die derzeitigen Ansätze sowohl auf der IT- als auch auf der OT-Seite maßgeschneiderte Software und die Integration von Technologien verschiedener Anbieter erfordern“, so Centoni. „Diese Projekte ersticken sehr schnell durch überwältigende Komplexität der Bereitstellung und Verwaltung. Hinzu kommt, dass es keine einfache Möglichkeit gibt zu kontrollieren, welche Daten an bestimmte Anwendungen geliefert werden, die in modernen Multi-Cloud-Umgebungen laufen.“ Hier kommt Edge Intelligence ins Spiel: Die Software soll es Betreibern ermöglichen, schnell und einfach Datenflüsse zu definieren und so sicherzustellen, dass Daten vom IoT-Edge zuverlässig und sicher ihre Multi-Cloud-Ziele erreichen.

KI-basierte, sichere Lösungen für Zusammenarbeit

Auch bei seinen Collaboration-Lösungen hat Cisco auf der Live-Konferenz Neuheiten vorgestellt. Eine Art „Alexa“ für Webex Meetings automatisiert per Sprachbefehl Aufgaben wie Notizen, Transkription oder Nachbearbeitung. Der digitale Sprachassistent basiert auf Technik des kürzlich übernommenen Unternehmens Voicea. Daten von Webex Teams lassen sich nun auf Wunsch – wie bereits für Webex Meetings realisiert – auch in Europa speichern. Mit Webex Room USB bietet Cisco nun auch eine einfache Raumlösung für kleine und mittelständische Unternehmen.