Mit zusätzlichen Endgeräten wie IP-Telefonen und IoT-Komponenten wächst das LAN schnell und benötigt immer mehr Ports auf der Etage. Doch die Trassen und Brüstungskanäle sind voll. Abhilfe schafft eine zentral verwaltbare LWL-Infrastruktur mit Einblasfasern bis in die Büros. Die Einblastechnik kann dabei eine für die Etage bisher unerreichte Flexibilität bieten.

Bei der klassischen Kupferverkabelung füllen dicke Kupferleitungen die Kabeltrassen und Brüstungskanäle. Hinzu kommen oft ausrangierte Kabel, die abgeklemmt und nutzlos die Leitungswege verstopfen. Muss er zusätzliche Geräte anschließen, steht der Installateur vor überfüllten Kabelwegen. Hinzu kommt, dass IP-Telefone und Internet-of-Things-Komponenten (IoT) oder auch Kameras und Access Points eine PoE-Speisung (Power over Ethernet) benötigen. Dies sind mit PoE+ maximal rund 25 W nutzbare Leistung pro Port. Mit dem neuen Standard PoE++ nach IEEE 802.3bt werden es 50 bis 70 W. Damit eignet sich die Versorgung über das Datennetz für noch mehr Geräte. Auf den Leitungswegen wird folglich die Temperatur im Kupferkabelbündel erheblich ansteigen.

Eine Fibre-to-the-Office-Verkabelung (FTTO) kann hier Abhilfe schaffen, denn die Kupferstrecken für die Einspeisung reichen nur vom Büro-Switch zum angeschlossenen Endgerät. Basiert die Verkabelung zudem auf Einblastechnik, sind damit Erweiterungen und das Ausblasen nicht mehr benötigter Fasern ohne Betriebsunterbrechung in kürzester Zeit mit wenig Aufwand möglich. Auf diese Weise lässt sich die Verkabelung jederzeit an den aktuellen Bedarf und neue Technik anpassen. Zusätzliche oder überdimensionierte Verbindungen sind unnötig.

Fibre-to-the-Office-Netz mit Einblasfasern vom Gebäudeverteiler bis in die Brüstungskanäle in den Büros. Bild: Nexans

Extrem platzsparend

LWL-Kabel sind erheblich dünner als Kupferkabel und eignen sich für größere Distanzen. Die Verbindungen können vom Gebäudeverteiler direkt bis in die Büros zu einem Auslass im Brüstungskanal oder Bodentank laufen. Etagenverteiler sind unnötig. Auch dies spart Platz und viel Equipment.

Alle weiteren Netzwerkkomponenten passen in einen handelsüblichen Brüstungskanal im Büro. Die eingeblasenen Fasern sind dort in einer kompakten Spleißbox für zwölf Fasern mit sechs LC-Duplex-Anschlüssen konfektioniert. Im Brüstungskanal führen dann kurze LC-Duplex-Patch-Kabel zum benachbarten Mini-Switch, der ebenfalls für den Einbau im Brüstungskanal konzipiert ist. Die Endgeräte lassen sich dort wie an einem Teilnehmeranschluss mit einer Anschlussleitung anschließen.

Switch-Technik mit zentralem Management

Nexans beispielsweise bietet für solche Anwendungen seinen Managed LAN-active FTTO Switch an. Das Gerät unterstützt alle IEEE-802.3-Übertragungstechniken und fungiert als Medienkonverter. Dem Anwender stehen die gewohnten Kupfer-Ports zur Verfügung. Zudem ist er kaskadierbar.

Trotz der platzsparenden Bauform bietet die Spleißbox genügend Platz zum Spleißen. Bild: Datec Netze

Die Switches unterstützen SNMPv3, HTTPs, SSH, SCP und Power over Ethernet. Eine optionale Speicherkarte mit eigener MAC-Adresse enthält die Firmware und Konfiguration, die sich remote aktualisieren lässt. Bei einem Switch-Tausch erhält der neue Switch einfach die Speicherkarte des bisherigen Switches und ist betriebsbereit. Die Management-Verbindungen lassen sich verschlüsseln und der Switch mit einem Kennwort schützen. Die Lösung basiert auf einem zentralen Management-System von Nexans, das für mehrere Tausend Switches ausgelegt und dank Standardschnittstellen interoperabel zu Management-Systemen und Switches anderer Hersteller ist.

Energiesparend dank EEE

Zudem kann eine solche Lösung besonders Energie sparend arbeiten. Sie unterstützt auf Wunsch Energy Efficient Ethernet (EEE) gemäß IEEE 802.3az. Dann verbraucht die Verbindung nur dann Strom, wenn die Datenübertragung abläuft. Zudem ist es bei dieser Lösung möglich, den Eco-Modus für spezifische Benutzeranforderungen zu optimieren. Damit kann der Administrator die Übertragungsgeschwindigkeit manuell oder automatisch über Benutzerprofile reduzieren. Mit diesen Mechanismen lässt sich der Leistungsverbrauch um bis zu 70 Prozent gegenüber einer klassischen Kupferverkabelung senken. Das Energieeinsparungspotenzial steigt mit der Zahl der Nutzer und PoE-Anwendungen.

Für diese Glasfasernetze verlegt der Installateur keine Kabel, sondern Multi-Leerrohre, in die das Einblasunternehmen dann Minikabel mit bis zu 144 Fasern oder Fiber-Units mit bis zu zwölf Fasern einbläst. Die Planung des Multi-Rohr-Netzes geschieht wie bei einem herkömmlich verkabelten Glasfasernetz. Für die Verlegung nutzt der Installateur dieselben Trassen wie für die gewöhnlichen Leitungen. Brandschotte für Kunststoffrohre offerieren zum Beispiel Wiechmann Brandschutzsysteme und Hilti. Ist Redundanz gefordert, bietet sich eine Ringstruktur an. Dabei sind Mini-Leerrohre in kleinen Verzweigerkästen aus dem ringförmig verlegten Multi-Rohr ausgekoppelt.

Im Brüstungskanal nehmen der Managed LANactive FTTO Switch von Nexans und die Spleißbox von Datec Netze kaum mehr Platz ein als eine Steckdose. Bild: Datec Netze

Nicht verwendete Röhrchen in einem Multi-Rohr-System sollte das Einblasunternehmen mit einem gasdichten Abschluss versehen, damit sie innen staubfrei und trocken bleiben. Die Firma Datec Netze aus Kolbermoor beispielsweise verbindet in den Abzweigern und Abschlussboxen die zu- und abgeführten Miniröhrchen über gasdichte Kupplungen miteinander, die beim Einblasen keinen Reibungswiderstand erzeugen. So kann der Installateur neue Verbindungen zu den einzelnen Verteilern herstellen.

Multi-Rohre für vier bis 432 Fasern

Multi-Rohre sind in verschiedenen Aufbauten erhältlich, zum Beispiel in Varianten mit zwei, vier, sieben, zwölf, 19 oder 24 Röhrchen für zwei- bis zwölffaserige Fiber-Units. Dabei verfügen die 24-er Rohre über ein zusätzliches Zentralröhrchen, in das ein dickeres Minikabel mit 72, 96 oder 144 Fasern eingeblasen werden kann. Auf diese Weise sind Verbindungen bis maximal 432 Fasern mit einem 24-er Rohrverbund realisierbar. Da die Einblastechnik aus der Metronetztechnik kommt, bietet sie sich auch für den Campus-Backbone an, wo solch hohe Faserzahlen notwendig sein können. Die Rohrdurchmesser sind in diesem Fall allerdings wesentlich geringer und die Rohre dadurch einfacher und platzsparender zu verarbeiten.

Für den Innenbereich gibt es Multi-Rohre mit halogenfreiem Mantel. Umhüllt von diesem Mantel weisen die eingeblasenen Minikabel und Fiber-Units ein Brandverhalten wie ein Kabel der Brandklasse Eca auf.

Schneller Fasertausch

Erweiterungen und Fasertausch sind ohne große Netzunterbrechungen und ohne viel Aufwand möglich. Fiber-Units lassen sich in kürzester Zeit mit einem Elektrokompressor aus- und einblasen und anschließen. Dies ist wegen der Unsicherheit darüber von Vorteil, welcher Fasertyp und LWL-Standard sich langfristig durchsetzt. Soll ein Betreiber bereits jetzt auf die OM5-Multimode-Faser setzen, obwohl sie ohne WDM-System keine Verbesserung bringt und eine preiswerte OM3-Faser an vielen Stellen auch ausreicht? Mit der Einblastechnik kann der Planer das Multi-Rohrsystem aus Kunststoff großzügig auslegen und erst die aktuell benötigten Verbindungen mit den Fasertypen einblasen, die für die laufenden Anwendungen im Moment die passendsten sind. Er muss die LWL-Technik nicht überdimensionieren.

Sind veraltete Fasern zu tauschen, bläst der Installateur vorab oder beim Ausblasen der veralteten Fasern die neuen in ein parallel verlaufendes Leerrohr bis zur gewünschten Anschlussstelle ein. Wie bei herkömmlich verlegten Kabeln muss er anschließend nur noch spleißen und anschließen. Das Leerrohr ohne die veralteten Fasern bietet wieder Platz für neue Technik. Das aufwändige Öffnen, Schließen und Abnehmen von Brandschotten entfällt.

Die FTTO-Lösung erlaubt beliebige Topologien. Mit der Ringstruktur lässt sich das Netz redundant auslegen. Bild: Nexans

Netzerweiterung bedeutet dann ein einfaches Einblasen zusätzlicher Fiber-Units, und zwar ohne Störung des Betriebsablaufs. Führt die Verbindung durch staubsensible Räume, ist auch dies ebenfalls ohne Probleme realisierbar, denn Übergänge können geschlossen bleiben. Dies gilt auch für Verlegewege, die Gesundheitsgefährdungen aufweisen. Sind die Leerrohre einmal verlegt, muss sich kein Installateur diesen Gefährdungen aussetzen.

Langfristig kostensparend

Zwar sind die Basiskosten für den Kauf und die Montage der Multi-Rohre und Verteilergehäuse zunächst einmal etwas höher als für eine herkömmliche Verkabelung. Doch das Einblasen einer Fiber-Unit ist erheblich günstiger als das Verlegen eines herkömmlichen Kabels. Mit jeder eingeblasenen Faser spart der Netzbetreiber abhängig vom ansonsten anfallenden Verlegeaufwand erheblich an Installationskosten. Zudem kommt es zu keinerlei Beeinträchtigung des Netzbetriebs.

Dipl.-Ing. Doris Piepenbrink ist freie Journalistin in München.