1&1, traditionell bekannt als großer deutscher Hosting-Provider, baut seit Jahren seine Public-Cloud-Angebote konsequent aus. Letztes Jahr übernahm die 1&1-Mutter United Internet mit ProfitBricks einen auf Unternehmen fokussierten Cloud-Wettbewerber. LANline sprach mit Alexander Vierschrodt, Head of Commercial Product Management Server and Cloud bei 1&1, über die Cloud-Neuerungen in seinem Haus, die ProfitBricks-Akquisition und die Trends im deutschen Cloud-Provider-Markt.

LANline: Herr Vierschrodt, wie hat sich das Cloud-Geschäft von 1&1 in letzter Zeit entwickelt?

Vierschrodt: Das größte Wachstumsfeld sehen wir im IaaS-Sektor. 1&1 verzeichnet in diesem Bereich zweistellige Wachstumszahlen – in Europa und den USA.

LANline: Welche Synergien gibt es im Zusammenhang mit der Akquisition des Anbieters ProfitBricks, der ja ebenfalls im Cloud-Business tätig war und ist? Und wie planen Sie, bestehende Überschneidungen der Cloud-Angebote zu bereinigen?

Vierschrodt: Der Zusammenschluss mit ProfitBricks bringt entscheidende Vorteile: Wir profitieren vom Know-how der Tochter im Enterprise-Bereich und einer hochskalierbaren Plattform, die modernste Technologien nutzt. Dies ergänzt unser Cloud-Portfolio perfekt, da unsere Angebote auf unterschiedliche Zielgruppen zugeschnitten sind. So können wir Kunden bei starkem Geschäftswachstum den Wechsel auf eine Plattform bieten, die individuell auf veränderte Ansprüche angepasst werden kann.

1&1 erleichtert dem Administrator die Verwaltung seiner Cloud-Umgebung durch das „Cloud Panel“-Interface. Bild: 1&1

LANline: 1&1 ist auch in Spanien mit Cloud-Angeboten vertreten. In welcher Weise unterscheidet sich der spanische Cloud-Services-Markt vom deutschen, und was können Sie für den hiesigen Markt daraus lernen?

Vierschrodt: Der spanische Markt ist wesentlich Cloud-affiner als der deutsche. Entsprechend enorm ist dort das Wachstum – sowohl bei 1&1 selbst als auch bei der Tochter Arsys. Da der spanische Markt in der Cloud-Adoption weiter ist und früher auf Trends reagiert, können wir viele Erkenntnisse aus den Projekten von Arsys bei 1&1 einfließen lassen.

LANline: Welche Neuheiten gibt es produktseitig im Cloud-Sortiment von 1&1?

Vierschrodt: Generell beobachten wir, dass die Nutzung von Kubernetes (K8S) und der Anteil der Micro-Services zunehmen. Aktuell ist K8S für viele Unternehmen interessant, jedoch der Sprung von der Testphase in die Produktion noch längst nicht bei allen erfolgt, oder er dauert noch an. Das heißt, die Unternehmen sind neugierig auf die Technologie und machen viele Tests. Im Produktivbetrieb hingegen ist K8S noch nicht stark verbreitet, hier ist der US-Markt weiter. K8S ist nach wie vor komplex, weshalb wir über unser neuestes Containerprodukt einen einfachen Zugang zu dieser Lösung schaffen.

Über das Cloud Panel kann der Anwender einem Container-Cluster einfach zusätzliche Ressourcen hinzufügen. Bild: 1&1

LANline: Welche Vorteile und welche Nachteile bietet aus Ihrer Sicht Containertechnik gegenüber der Virtualisierung? Wo sehen Sie die Haupteinsatzgebiete für die Containerisierung?

Vierschrodt: Durch die Aufsplittung in Micro-Services wird die IT dank Containerisierung deutlich flexibler. Dies bedeutet einen Paradigmenwechsel, der gut geplant sein will. Zentrale Einsatzgebiete sind beispielsweise verteilte Systeme oder Staging-Systeme.

LANline: In welchen Fällen ist es aus Ihrer Sicht ratsam, Container und Virtualisierung gemeinsam zu nutzen?

Vierschrodt: Container sind nur sinnvoll, wenn der Wechsel zu dieser Art der Architektur konsistent umgesetzt wird. Über virtuelle Maschinen kommen Unternehmen schneller in die Cloud beziehungsweise an eine agile IT. Jedoch sind nicht alle Workloads für die Aufsplittung in Container-basierte Micro-Services geeignet.

Sieht Container- und Serverless Computing als Wachstumsmarkt: Alexander Vierschrodt, Head of Commercial Product Management Server and Cloud bei 1&1. Bild: 1&1

LANline: Vor welchen Herausforderungen stehen deutsche Cloud-Service-Provider derzeit?

Vierschrodt: Die Marktmacht der Hyperscaler stellt viele deutsche und europäische Anbieter vor große Herausforderungen. Gleichzeitig bietet der Standort Deutschland oder, weiter gefasst, Europa große Vorteile hinsichtlich der Rechtssituation. Diese müssen konsequent genutzt werden und ermöglichen, unser Angebot noch besser auf den Bedarf des deutschen Mittelstands zuzuschneiden – im Hinblick auf die Produkte sowie die Preis- und Service-Gestaltung.

LANline: Welche weiteren Neuerungen sind aus Ihrem Hause zu erwarten?

Vierschrodt: Wir sehen im Container- und Serverless Computing einen großen Wachstumsmarkt. Zwar eignen sich beide Technologien nicht für alle Anwendungen, sie sind aber durch ihre kostensenkenden Effekte für viele Einsatzfelder geradezu prädestiniert.

LANline: Vielen Dank für das Gespräch.