Manageengine Application Manager von Zoho dürfte insbesondere für Dienstleister, aber auch für mittlere und größere Firmen von Interesse sein. Denn die Lösung für das Anwendungs-Performance-Monitoring überwacht Business-Applikationen und erleichtert es Unternehmen, geschäftskritische Abläufe im Blick zu behalten.

Zoho positioniert die Software mit Distributed-Monitoring-Möglichkeiten für den Einsatz in Umgebungen mit bis zu 50.000 Servern und Anwendungen. Den professionellen Ansatz bemerkt der Administrator spätestens, wenn er eine neue Überwachung – hier „Monitor“ genannt – einfügen will: Das Dialogfenster zur Anlage neuer Monitore umfasst die typischen Einträge wie Windows, DNS-Monitor, Active Directory, Exchange, Mail-Services und Datenbanken wie Oracle, Microsoft SQL Server oder MySQL. Deutlich spezieller wird es bei SAP HANA, Apache Spark, Ceph Storage, Hadoop, Azure Service Bus, Docker oder VMware Horizon. Der Hersteller hebt auf seiner Website hervor, dass die Software ohne Zusatzprogramme und Add-ons von Haus aus mehr als 80 verschiedene Anwendungs-Server-Typen unterstützt.

Manageengine Application Manager überwacht eine Vielzahl von Applikations- und Infrastruktur-Servern.

Sortiert sind diese Überwachungen in die Bereiche Applikations-Server, ERP, Mail, Server, Datenbanken, Dienste, Web-Services, Middleware/Portal und Virtualisierung. Unter „angepasste Monitore“ fasst der Hersteller vom Kunden selbsterstellte Datenbankabfragen, Verzeichnis-/Dateiüberwachungen, SNMP/JMX, Windows-Performance-Werte und Ergebnisse von Skriptaufrufen zusammen. Die Anwendungs-Server bieten Werte, die die Software ermittelt und interpretiert; bei einem Oracle-Server wären dies exemplarisch die Tablespaces, bei einem Exchange-Server zum Beispiel der Füllgrad der Warteschlange.

Für einige Verfahren, beispielsweise Online-Shopping und Banking-Dienste, gibt es die so genannte „APM-Insight-Überwachung“. Hierfür installiert der Administrator eine Agentenkomponente auf dem Server. Der Agent übernimmt die weiterführende Überwachung wie die Transaktionsanalyse oder die Identifikation zu langsamer SQL-Abfragen. Von diesen Beispielen abgesehen kommt die Manageengine-Software mit den Standardschnittstellen der Betriebssysteme oder Applikations-Server aus.

Gesucht und verknüpft

Manche Überwachungsprogramme erwarten vom Administrator, dass er alle Server/Services manuell einpflegt. Die Manageengine-Software hingegen bietet Applikations- und Abhängigkeitserkennung (Application Discovery, Dependency Mapping) und verfügt somit über eine Funktion, um Hosts und Services per Suche in einem IP-Bereich oder in einer VMware-Umgebung automatisch zu ermitteln. Die Beziehung zwischen den Anwendungen muss der Administrator nach wie vor selbst darstellen.

Der „Business View“ zeigt Abhängigkeiten.

Insgesamt macht der Web-Client mit den individualisierbaren Dashboards einen guten Eindruck und die Lokalisierung der Bildschirmdialoge ist gut gelungen. Ab und an erkennt der Benutzer, dass wohl ein Online-Übersetzer zurate gezogen wurde: Wer verknüpft schon Bildschirme mit Services? Was uns im Test gut gefiel, war der schlichte, aber sehr leicht zu konfigurierende Smartphone-Agent für Apple IOS. Nach Freigabe des SSL-Ports auf dem Server und der Angabe der IP-Adresse auf dem Mobilgerät kann der Administrator durch Eingabe von Benutzername und Passwort seine Umgebung auch unterwegs im Blick behalten und Alarmmeldungen zurücksetzen.

Ordentlich vorbereitet

Gut gemacht sind die vorgefertigten KPIs (Key Performance Indicators). Mehr als 100 KPIs stehen zur Auswahl, nicht nur Klassiker wie Antwortzeiten, Ressourcenverfügbarkeit oder CPU/RAM-Auslastung. Während Application Manager eine ganze Reihe vorgefertigter Schwellenwerten für Programme bereitstellt, gibt es für Anomalien keine Templates. Hinter dem Begriff „Anomalieprofil“ verbirgt sich der Fall, dass die Lösung Werte außerhalb einer definierten Skala erkennt, die der Administrator noch nicht als „bekannt“ bestätigt hat. Für die Baseline-Bereiche kann der Anwender zwischen Prozentzahlen und der Eingabe des Werts wählen. Eigentlich arbeiten Administratoren ungern mit Wertkorridoren, da die Gefahr einer Meldungsflut droht, wenn das Lastprofil innerhalb eines Zeitraums zu viele Abweichungen aufweist. Dafür haben sich die Entwickler bei Zoho eine überaus praktische Lösung ausgedacht: Der Basiswert für einen Datumsbereich wird in Korrelation zum Wochentag gesetzt. Kommt es beispielsweise an einem Samstag zu einer erhöhten Auslastung, so berücksichtigt die Software dies in einem höheren Basiswert für Samstage.

Mit der Zuordnung von Monitoren in Gruppen vereinfacht Manageengine Application Manager dem Administrator die Organisation.

Application Manager erlaubt die Bildung sogenannter Monitorgruppen. Für sie gelten, sofern entsprechend festgelegt, gemeinsame Grundwerte und Benachrichtigungen. Monitorgruppen bieten sich nicht nur bei identischen Geschäftsprozessen an, sondern auch, um geografische Standorte abzubilden.

Wie alle Monitoring-Werkzeuge stellt auch Application Manager verschiedene Benachrichtigungsmöglichkeiten bereit. Der wichtigste Bote bleibt jedoch die E-Mail. Bereits in der Grundeinstellung erhält der Administrator, dessen E-Mail-Adresse zur Einrichtung angegeben wurde, regelmäßige Statusnachrichten von der Software. Neben den Statusübersichten verschickt diese auch Meldungen, sobald möglicherweise länger dauernde Vorgänge zum Abschluss kommen. Im Test war dies zum Beispiel das Ergebnis eines Discovery-Vorgangs. Neben der reinen Benachrichtigung ist eine automatisierte Fehlerbehebung durch eigene Korrekturprogramme oder Skripte realisierbar. Ebenso ist das Programm in der Lage, über das Aussenden einer SNMP-Trap andere Tools und Lösungen zu kontaktieren.

Alle Standardfunktionen

Alle typischen Funktionen einer Software dieser Größenordnung hat auch Application Manager auf Lager. Zu nennen wäre der Ausfallzeitplaner, mit dem der Administrator „Downtimes“ für bestimmte Monitore oder Monitorgruppen definiert. Mithilfe der Eingabemaske fiel dies im Test leicht und erforderte keine Spezialkenntnisse. Bereits in der Grundauslieferung verfügt das Programm über unterschiedliche Rollenprofile wie Benutzer, Operator, Administrator und Manager. Benutzer haben lediglich einen lesenden Zugriff, Operatoren können schreibend auf die Parameter zugreifen, die ihnen ein Administrator zuweist. Manager erhalten eine Übersicht über die in Application Manager abbildete Unternehmensinfrastruktur und können über die Konsole die Einhaltung von SLAs (Service Level Agreements) sicherstellen.

Ebenfalls sehr gut gelungen ist den Entwicklern das Berichtswesen. Dank Kategorien wie Monitorgruppen, Trendanalyse, Server, Applikationen oder Dienste entdeckt der Anwender zügig den gewünschten Report. Die Berichte unterscheiden sich nach ihrer Datensatzherkunft, jedoch kann der Benutzer stets von einer grafischen Aufbereitung als Tortengrafik oder Chart ausgehen. Äußerst kompakt sind die beiden Berichtstypen Überblick- und Kurzbericht. Hier sind die allerwichtigsten Daten zusammengefasst. Der Benutzer klickt den gewünschten Zeitraum an, und schon präsentiert sich der Report. Einige Berichte erlauben den Versand an eine E-Mail-Adresse und das Speichern als PDF-Datei, andere Analysen das Erzeugen eines CSV-Exports, jedoch keinen E-Mail-Versand. Des Weiteren ermöglicht Application Manager geplante Berichte, die der Scheduler als PDF oder Link zum PDF versendet.

Praktischerweise erlaubt Application Manager den Zugriff auch per IOS-App.

Genügsame Software

Bezüglich der Systemvoraussetzungen zeigt sich Application Manager zurückhaltend. Der Hersteller bietet das Programm für Windows- und Linux-Server an. Dieser sollte in einer mittelgroßen Umgebung mit weniger als 1.000 zu überwachenden Systemen über eine 1,8-GHz-CPU, 2 GByte RAM und 40 GByte freien Festplattenspeicher verfügen. Bei diesen geringen Leistungsanforderungen entsteht leicht der Verdacht, der Hersteller habe seine Anforderung wohl länger nicht mehr überarbeitet. Der Hinweis auf einen Windows Server 2012 beruhigt ein wenig. Für den Benutzerzugriff selbst ist lediglich ein aktueller Web-Browser erforderlich.

Wir führten eine Testinstallation auf einem Windows Server 2016 in einem virtualisierten Rechenzentrum bei Kamp durch und ordneten einige lokale Dienste als „Monitore“ zu. Die Einrichtung der Software wurde von einem Softwareassistenten begleitet und dauerte nur wenige Minuten. Alle Schritte sind mit den Hilfetexten und Testfunktion versehen, beispielsweise die Einbindung eines SMTP-Servers mit TLS-Verschlüsselung oder die Anbindung von Internetdiensten über einen Proxy. Sofern keine zusätzliche Datenbank im Netzwerk zur Verfügung steht, arbeitet Application Manager ohne weitere Konfigurationsschritte mit einer eingebauten PostgreSQL-Instanz.

Nach der Installation bot die Software zwar den sofortigen Aufruf des Web-Interfaces im Browser, jedoch vergingen noch einige Minuten, ehe ein Zugriff möglich war. Ein Blick in den Task-Manager zeigte eine erhöhte Systemlast der Java-Komponenten.

Neuigkeiten in Version 13

Anfang des Jahres erschien die neueste Version des Application Managers: Anders als in Hotels oder bei den Sitzreihen einiger Fluglinien gibt es bei Manageengine-Versionen die Zahl 13. Das Programm überwacht nunmehr Apache-Zookeeper-Cluster und -Nodes, Elasticsearch-Cluster und -Nodes sowie Parameter des Zoho-Tools Servicedesk Plus, darunter CPU- und Speicherauslastung, Anzahl von Threads, E-Mail-Abrufe und Datenbankdetails. Zudem unterstützt Version 13 Microsofts Windows Server 2016, SSL-gestütztes PostgreSQL-Datenbank-Monitoring und ein verbessertes Monitoring für Microsoft SQL Server mit Verbindungsstatistiken, SQL-Session-Details, gesperrten SQL-Sitzungen sowie Details blockierter oder gesperrter Sessions.

Wie Application Manager auf Werte innerhalb eines Korridors reagieren soll, legt der Administrator fest.

Ganz neu und noch im Betastadium ist der Monitor „Web User Experience“, der die Website-Performance analysiert und Trends errechnet. Hinter dieser Funktion verbirgt sich nicht einfach die Reaktionszeitanalyse von Websites, dies beherrscht der Application Manager schon seit vielen Jahren. Vielmehr hat Zoho das „Real User Monitoring“ (RUM) des Anbieters 24×7 integriert. Folglich erfordert die Verwendung ein Konto und eine Einrichtung der Überwachung bei diesem Drittanbieter. RUM prüft Verfügbarkeit, Performance und Ajax-Anfragen, identifiziert Javascript-Fehler und simuliert unterschiedliche Browser-Varianten.

Fazit

Zohos Manageengine Application Manager hält, was er verspricht: eine ausgereifte und solide Plattform für die Überwachung vieler verschiedener Anwendungs-Server. Überzeugt haben uns im Test die Einfachheit der Einrichtung und das wirklich problemlose Hinzufügen von Überwachungen. Gut geschriebene Hilfetexte unterstützten den Administrator bei jedem Arbeitsschritt, an vielen Stellen findet der Anwender einen Test-Button. In der kleinsten Edition für eine Überwachung mit 25 Monitoren und einem Benutzer kostet der Application Manager in der Professional-Edition rund 900 Euro jährlich, bei 250 Monitoren liegt der Jahrespreis bei zirka 6.800 Euro.

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Thomas Bär und Frank-Michael Schlede.