Das nordfriesische Unternehmen Windcloud will auf der deutschen Leitmesse für Windenergie in Husum zeigen, wie sich Rechenzentren und Cloud-Ressourcen nicht nur hundertprozentig CO2-neutral, sondern darüber hinaus sogar CO2-absorbierend betreiben lassen. Thomas Reimers, Gründer von Windcloud, will dies in zwei Workshops zum Thema „Rechenzentren als lokale Direktverbraucher – Wie die Digitalisierung rentable Vermarktungsmöglichkeiten von Windenergie nach dem EEG schafft“ demonstrieren. Die Messe Husum Wind findet vom 10. bis 13. September statt.

„Bei Klimaschutz denken die meisten an Kraftfahrzeuge oder Flugreisen. Dabei ist auch unsere digitale Infrastruktur alles andere als nachhaltig, und zwar mit steigender Tendenz. Schon jetzt sind beispielsweise Rechenzentren für einen höheren CO2-Ausstoß verantwortlich als die gesamte Luftfahrtbranche“, erklärt Reimers. „Aktuellen Prognosen zufolge wird die Informations- und Kommunikationstechnik bereits im Jahr 2030 mehr als 20 Prozent der globalen Stromproduktion verbrauchen, insbesondere durch den Ausbau der dringend benötigten Cloud-Rechenzentren.“

Wie sich digitale Infrastrukturen und Klimaschutz ohne Abstriche bei der Wirtschaftlichkeit vereinen lassen, will man unter anderem in Husum verdeutlichen. Das nordfriesische Unternehmen betreibt CO2-neutrale Rechenzentren und nutzt dafür ausschließlich grüne Energie vor allem aus den heimischen Windparks sowie aus lokalen regenerativen Quellen wie Photovoltaik, Wasserkraft und Biogas. Die hochgesicherte Anlage ist in 54 ehemaligen Nato-Bunkern in Enge-Sande untergebracht. Dort können kleine und mittelgroße Unternehmen sowie Rechenzentren ihre Daten so sicher wie nachhaltig speichern.

Das Vorurteil, dass Klimaschutz Mehrkosten verursache, soll das Konzept des Anbieters widerlegen: Der aktuelle Preis für die Kilowattstunde liege derzeit bei drei bis vier Cent unter dem Marktdurchschnitt. Durch Kooperationen mit Industriepartnern will man Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit noch weiter nach vorne bringen.

„Durch die Verknüpfung verschiedener Technologien in einem digital-industriellen Ökosystem können Rechenzentren und Cloud-Ressourcen sogar CO2-absorbierend betrieben werden“, erklärt Reimers. Dies sei beispielsweise mit Algenzucht möglich. In diesem Fall dient die Abwärme der Rechenzentren dazu, einen hochwertigen Rohstoff zu erzeugen, der zum Beispiel als Nahrungsergänzung oder in der Kosmetikindustrie stark nachgefragt ist.

Damit sei die Nutzung von Windenergie für Rechenzentrum eine spannende Perspektive nach dem EEG, so der Betreiber weiter. Sein Rechenzentrum arbeite ausschließlich mit regenerativer Energie. Durch die Verwendung eines bereits bestehenden Hybridspeichers lassen sich zudem große Mengen Windenergie speichern und bei Windstille für den Betrieb des Rechenzentrums nutzen. Darüber hinaus setzt man nach eigenen Angaben Solar- und Biogasstrom zur Versorgung und Absicherung ein. Außerdem garantiere man eine einhundertprozentige Rechtssicherheit, denn alle Daten werden ausschließlich am Standort in Deutschland gespeichert. Weitere Informationen stehen unter www.windcloud.org zur Verfügung.

Dr. Jörg Schröper ist Chefredakteur der LANline.