Eine der ältesten Übungen in der IT ist und bleibt bei vielen Unternehmen ein Sorgenkind: Backup und Recovery. Waren es früher die wenig leistungsfähigen Lösungen, teure Speicher und unzuverlässige Techniken, sind es heute die Komplexität und die Datenmengen, die beim Backup und vor allem auch beim Wiederherstellen Probleme bereiten. Eine Lösung bietet die Cloud. Doch der Mittelstand adaptiert sie eher zögerlich.

Während Konzerne und internationale Unternehmen schon längst einen Schritt weiter sind und ihr Backup-Recovery-Problem mit funktionsreichen Lösungen und der Einbindung von Cloud im Griff haben, hat der Mittelstand noch ordentlichen Nachholbedarf. Marktbeobachter gehen trotz Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und weiteren Vorgaben davon aus, dass rund ein Drittel des klassischen Mittelstands kein aktuelles Backup von den wichtigsten Daten hat. Aber auch diejenigen, die über ein Backup verfügen, erleiden regelmäßig Datenverluste, wenn eine Recovery gefragt ist. Weshalb? Weil die Backup-Lösungen vielfach veraltet sind und die Wahl der Speichermedien oder deren Pflege zu wünschen übrig lässt. Ein weiteres Problem ist, dass Firmen nur sehr selten Tests durchführen, um die Zuverlässigkeit des Backups/Restores für den Ernstfall zu verifizieren. Hinzu kommt, dass durch den hohen Grad der Digitalisierung die Performance und das Speichervolumen zu gering bemessen sind und daher die Anzahl der Backups drastisch heruntergefahren wird, was in Folge zu einer geringeren Vorhaltedauer führt.

Mittelständische Unternehmen sind also gut beraten, ihre Backups zu überprüfen. Bei vielen dürfte das Ergebnis für Ernüchterung sorgen. Die Prognose: Eine ganze Reihe von Unternehmen existieren nur deshalb noch, weil sie bisher Glück hatten. Beim heutigen Grad der Digitalisierung reichen bereits kurze Ausfallzeiten von Stunden oder Tagen, um Unternehmen nachhaltig zu schaden. Schlimmer noch ist ein Datenverlust. Verlorene Kundendaten, Produktionsdaten oder Daten der Buchhaltung lassen sich kaum noch wiederherstellen.

Weshalb also ein unnötiges Risiko eingehen? Die Cloud kann beim Backup/Recovery helfen und den entscheidenden Unterschied machen. Mit dem passenden Backup-System lassen sich die Daten in die Cloud sichern, und da die meisten Lösungen heute Cloud-fähig sind, ist dies relativ einfach. Das Unternehmen oder das Systemhaus der Wahl stellt fest, wo und in welcher Menge geschäftsrelevante und sicherungswürdige Daten gespeichert sind, legt die Backup-Prozedur im System an und definiert die Anzahl der nötigen Recovery-Points. Mit entsprechenden Deduplizierungsverfahren, die heute einen Faktor von 1:10 ermöglichen, können sie ein regelmäßiges und granulares Backup aufsetzen – skalierbar, zuverlässig und im Vergleich zu interner Speicherinfrastruktur kostengünstig.

Um Redundanz und Datensicherheit in der Cloud braucht sich das Unternehmen nicht zu kümmern, denn das ist Sache des Cloud-Providers, der dies mit entsprechenden Service-Levels garantiert. Interessant bei der Wahl des Cloud-Providers wird die Frage der DSGVO-Kompatibilität oder noch strengeren Branchenregeln sein, die einige Unternehmen sicherlich auf rein deutsche Cloud-Anbieter ausweichen lässt. Die Mehrheit wird aber mit Diensten wie denjenigen von AWS oder Azure gut bedient sein.

Konzept und passende Backup-Lösung sind ausschlaggebend

Backup gehört nicht zu den produktiven Prozessen im Unternehmen und sollte daher möglichst wenig den eigentlichen Geschäftsablauf in der IT belasten. Daher ist eine richtige Strategie und Auswahl der Lösungskombinationen enorm wichtig. Generell empfiehlt es sich, ein mehrstufiges Backup anzulegen. Dies besteht aus einer lokal gespeicherten Kopie und einer weiteren externen Kopie, idealerweise in der Cloud. Mit diesem mehrstufigen Konzept ist bereits die dringende Auslagerung der Backup-Daten gewährleistet, um einem Datenverlust durch ein großes Desaster wie einen Brand- oder Wasserschaden, bei dem ein lokales Backup oft nicht mehr zu gebrauchen ist, vorzubeugen.

Generell empfiehlt sich ein mehrstufiges Backup, das aus einer lokal gespeicherten Kopie und einem weiteren externen Pendant, idealerweise in der Cloud, besteht. Bild: MTI

Darüber hinaus bietet das Backup in die Cloud eine weitere und vielleicht entscheidende Funktion. Je nach Backup-Konzept kann das Sichern in der Cloud auch gleichzeitig als Failover-Rechenzentrum dienen. Heutzutage ist es durchaus möglich, dass nicht nur die gesicherten Daten in der Cloud liegen, sondern die kompletten Systeme. Diese lassen sich in einem Katastrophenfall als Notfallrechenzentren in der Cloud starten, was ein Unternehmen innerhalb weniger Minuten wieder handlungsfähig macht, auch wenn das hausinterne Rechenzentrum großflächig ausgefallen ist: Aus technischer Sicht könnte sogar eine Filiale des Unternehmens die Aufgaben der ausgefallenen Zentrale mithilfe des Notfallrechenzentrums in der Cloud übernehmen. Teuer ist ein zumeist inaktives Notfallrechenzentrum in der Cloud nicht. Der Provider muss zwar die Ressourcen im Notfall zur Verfügung stellen, jedoch im Standby-Betrieb nicht kontinuierlich an einen Kunden binden.

Zu einer guten Backup-Strategie gehört auch ein lokales Backup zusätzlich zur Cloud. Dieses steht auch dann zur Verfügung, wenn im unwahrscheinlichen Fall die Internetanbindung gekappt ist oder der Provider selbst ein Problem hat. Auch lassen sich kleinere Restores, beispielsweise einzelne, vom Anwender versehentlich gelöschte Daten, schnell und unkompliziert vom lokalen Backup wiederherstellen.

Generell kommt es darauf an, einen schnellen Restore jederzeit durchführen zu können und dabei gleichzeitig die IT-Abteilung maßgeblich im Tagesgeschäft zu entlasten. Ein Backup Tiering mit lokalen und ausgelagerten Backups ist daher zwingend nötig. Zusätzlich muss man es immer wieder testen und das Backup an neue Systeme im Unternehmen entsprechend anpassen. Hier kommen Backup-Services ins Spiel, mit denen ein Unternehmen die teils aufwändigen Aufgaben an externe Fachleute auslagern kann. Solche externen Spezialisten garantieren in der Regel aufgrund ihrer Erfahrung und den angebotenen Services einen optimalen Backup-Betrieb.

Welches Backup für welches Unternehmen?

Die Wahl des Backup-Systems ist sicherlich nicht trivial. Welche Datenmengen müssen gesichert werden? Was sind die definierten RPOs (Recovery Point Objectives) und RTOs (Recovery Time Objectives)? Welche Infrastruktur und welche Speichersysteme sind bereits vorhanden? Welche Art von Daten gilt es zu sichern und wie ist das Unternehmen aufgestellt, zentral oder verteilt auf entfernte Geschäftsstellen mit eigenem Server- und Storage-Betrieb? Große Unternehmen haben meist funktionsreiche und dadurch zu einem gewissen Maß komplexe Backup-Lösungen im Einsatz. Aufgrund der Stärke der IT-Mannschaft und der Anforderungen sind diese zu bewältigen und auch zu rechtfertigen. Dazu gehören beispielsweise Systeme wie EMC Networker oder Lösungen von Commvault. Im Mittelstand hingegen setzen sich zunehmend Lösungen wie diejenigen von SEP oder Veeam durch, welche die nötige Funktionalität bieten und ebenso wie die großen Backup-Systeme auch die Anbindung an die Cloud uneingeschränkt beinhalten. In heterogenen Umgebungen kommen gerne unterschiedliche Produkte zum Einsatz, um maßgeschneidert die Lösung im Betrieb zu haben, die den Bedarf optimal deckt und möglichst geringe Aufwände bei der IT-Mannschaft, aber auch in den Budgets erfordert.

Robert Meiners und Sebastian Paul sind Practice Lead Cloud Deutschland beziehungsweise Business Development Manager bei MTI Technology, www.mti.com.