AppDynamics, Spezialist für Application-Performance-Management (APM), will zusammen mit Konzernmutter Cisco das „zentrale Nervensystem für die IT“ liefern. Gemeint ist, den Einsatz KI-gestützter Performance-Analysen (KI: künstliche Intelligenz) nicht nur für den IT-Betrieb im Rechenzentrum zu nutzen, sondern bis auf Applikationsebene selbst in hybriden Umgebungen auszudehnen. Tiefe Einblicke in unternehmensrelevante App-Leistungswerte sowie die Automation von IT-Betriebsabläufen sollen sich so letztlich auch in Geschäftsvorteile ummünzen lassen. Dazu offeriert AppDynamics nun eine neue Cognition Engine (Erkennungslogik) sowie Agents für Cisco ACI (Application-Centric Infrastructure) und Amazons Serverless-Computing-Plattform AWS Lambda.

Laut Gregor Keller, Sales Engineering Manager bei AppDynamics, ruht dieser Ansatz auf drei Säulen: der Visualisierung unterschiedlichster Datenquellen, der Ermittlung siloübergreifender Erkenntnisse per KI sowie der Automation von Reaktionsmaßnahmen. Cisco und AppDynamics wollen ihr „Central Nervous System for IT“ deshalb als offene, erweiterbare Plattform aufbauen, die für die Datensammlung, -analyse und -korrelation mit Drittanbietersystemen zusammenarbeitet.

Die Cognition Engine erweitere dabei den AIOps-Ansatz (Artificial Intelligence for IT Operations) auf Anwendungsebene. Da heute immer mehr Geschäftsprozesse IT-gestützt ablaufen, soll dieser Schritt es Unternehmen ermöglichen, einfacher Wettbewerbsvorteile aus ihren verteilten Applikationslandschaften zu ziehen. Die Cognition Engine ist laut Gregor Keller eine Weiterentwicklung der Machine-Learning-Fähigkeiten des Anbieters Perspica, den AppDynamics 2017 akquiriert hatte.

Die Ausdehnung des AIOps-Ansatzes auf die Applikationen unterstützt das IT-Team bei der Root-Cause-Analyse von Störungen. Bild: AppDynamics

Die Ausdehnung des AIOps-Ansatzes auf die Applikationen unterstützt das IT-Team bei der Root-Cause-Analyse von Störungen. Bild: AppDynamics

Die Cognition Engine entwickelt sich laut Hersteller – wie beim KI-Einsatz typisch – ständig weiter, indem sie Daten, die per Streaming-Analytik ins System gelangen, in Echtzeit integriert und bewertet. Das System sammle, verarbeite und analysiere Millionen von Datensätzen pro Sekunde. Dabei erkenne es Wechselwirkungen zwischen Metriken und Inkonsistenzen zwischen Datensätzen automatisch. Die schnelle Erkennung und Isolation von Anomalien soll die mühsame manuelle Root Cause Analysis (Fehlerursachenforschung) erübrigen. Vielmehr, so betont Keller, zeige die Lösung dank Abgleich der AIOps-Daten mit dem Geschäftskontext und dessen KPIs (wichtigen Leistungsindikatoren) die Auswirkungen abweichender Kennzahlen auf Business-Transaktionen auf. Dies schlage die Brücke zwischen IT- und Geschäftsdaten, verspricht der Hersteller.

Die Cognition Engine ist für SaaS-Anwender von AppDynamis ohne Zusatzkosten verfügbar. Eine Variante für die lokale Installation im RZ soll laut Keller folgen. Den KI-typischen Upload unternehmenseigener Performance-Metriken in die Cloud des Anbieters könne man per Opt-out gemäß DSGVO abschalten, so Keller.

Die hauseigene Technologie deckt laut AppDynamics die gängigen Programmiersprachen, Cloud-Plattformen, IoT-Geräte und Unternehmenslösungen wie SAP ebenso ab wie IBMs Mainframes. Neu hinzugekommen sind zwei weitere Bereiche: Serverless Computing (Function as a Service, FaaS) mit AWS Lambda sowie die Integration in Ciscos hauseigene ACI-Umgebungen. Dank des Lambda-Supports erhalte man erstmals eine End-to-End-Transaktionsverfolgung über eine Serverless-Computing-Umgebung hinweg; die ACI-Unterstützung wiederum gebe den Applikations- und Netzwerkteams eine gemeinsame Sicht mit Korrelationen vom Anwendungscode bis zu den Netzwerkkonfigurationen und -richtlinien. Dies erleichtere die Auswertung von Performance-Anomalien. Die Lösung, so Keller, gebe Empfehlungen für die Root-Cause-Analyse und ziehe dabei zur Bewertung einer Störung den Business-Kontext mit heran.

AppDynamics wertet mittels KI Daten von der Netzwerk- bis zur Anwendungsebene aus. Bild: AppDynamics

AppDynamics wertet mittels KI Daten von der Netzwerk- bis zur Anwendungsebene aus. Bild: AppDynamics

AppDynamics for Cisco ACI vereint laut Hersteller den eigenen Ansatz für Application Intelligence (also Informationen zum Applikationsverhalten) mit den SDN-Daten (Software-Defined Networking) von ACI. Dies schaffe eine integrierte Sicht vom Anwendungscode bis zum Netzwerk, beschleunige die Ursachenanalyse und senke das Risiko unerwarteter Anwendungsausfälle.

Der hauseigene Serverless Agent für AWS Lambda wiederum sei derzeit die einzige Lösung auf dem Markt, die Serverless Computing im Anwendungskontext geschäftsbezogen analysieren kann. Ergänzend nutzt man laut Keller die Daten aus AWS CloudWatch. Der in Java implementierte Agent bilde den ersten in einer Reihe neuer Agents für spezielle Einsatzzwecke, die Unterstützung weiterer Cloud-Anbieter sei in Arbeit.

AppDynamics bietet laut Gregor Keller Integrationen mit zirka 200 Drittanbieterlösungen. So sei es zum Beispiel dank Integration mit der ITSM-Lösung (IT-Service-Management) ServiceNow möglich, nach Ermittlung einer Störung automatisch ein Trouble Ticket in ServiceNow zu eröffnen und die Meldung automatisch um eine Bechreibung der Fehlerursache anzureichern. Dies schaffe die Grundlage für eine künftige weitergehende Automation im Incident-Management.

Weitere Informationen finden sich unter www.appdynamics.de.

Dr. Wilhelm Greiner ist freier Mitarbeiter der LANline.